Marcel Beyer

Geboren 1965 in Tailfingen (Baden-Württemberg).
Marcel Beyer, der in Kiel und Neuss aufwuchs, studierte von
1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft
an der Universität Siegen. In seiner Magisterarbeit beschäftigte
er sich mit dem Werk Friederike Mayröckers. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Lektor in der Redaktion der Literaturzeitschrift „Konzepte“, außerdem veröffentlichte er von 1992 bis 1998 Texte in der Musikzeitschrift „Spex“. Beyers erste literarische Veröffentlichung, der Gedichtband "Walkmännin",  erschien 1990 in einem kleinen Neu-Isenburger Verlag. Sein Romandebüt legte er 1991 mit dem Buch "Das Menschenfleisch" vor. Einer breiten internationalen Öffentlichkeit wurde Beyer 1995 mit dem Roman "Flughunde" bekannt. Darin geht es um den Zweiten Weltkrieg, die Instrumentalisierung von Sprache durch Propaganda und um Experimente mit menschlichen Stimmen. Beyers Werk wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Uwe-Johnson-Preis (1997), dem Joseph-Breitbach-Preis (2008) und dem Kleist-Preis (2014.) Im November 2016 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. Marcel Beyer ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. Er lebt in Dresden.

Blick ins Werk

Graphit
I

Schneekatze, die ihre Bahnen
zieht. Der Schneimeister
persönlich dirigiert den
Pistenbully am künstlichen

Hang. Ein Mann mit Strickmütze
und Daunenjacke, ein Mann
mit Zungenschlag, eine
Flachlandgestalt, ein Mann

aus Neuss. Draußen ganzjährig
Runkelrübenäckerweiten.
Ein Broich. Ein Busch. Ein
Rath. Da und dort ein Paar

Pappelzeilen. Hier aber: Wie er
seine Schneekatze durch die
Eiswelt jagt, den Räumschild
im Blick, die Fräse im Rücken,

in Zeitlupe und flück, flück, flück –
eine Schneekatze eben.
Eine Schneekatzennacht. So
führt er uns, der Schneimeister,

mit lässiger Hand vor, wie man in
Neuss am Rhein
Maschinenschnee zu
Schneekunst macht.

(Leseprobe aus dem Gedichtband „Graphit“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

Bücher

 

Walkmännin
Gedichte, Neu-Isenburg: Galerie Patio Verlag 1990

 

Das Menschenfleisch
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1991

 

Flughunde
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1995

Spione
Roman, Köln: DuMont Verlag 2000

Erdkunde
Gedichte, Köln: DuMont Verlag 2002

Nonfiction
Essays, Köln: DuMont Verlag 2003

Kaltenburg
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2008

Putins Briefkasten
Erzählungen, Berlin: Suhrkamp Verlag 2012

Graphit
Gedichte, Berlin: Suhrkamp Verlag 2014

Auszeichnungen

 

1991
Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

1996
Johannes-Bobrowski-Medaille zum Berliner Literaturpreis

1997
Uwe-Johnson-Preis

2001
Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln

2003
Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Tübingen

2006
Erich-Fried-Preis (Wien)

2008
Joseph-Breitbach-Preis

2012/13
Stadtschreiber von Bergen

2014
Kleist-Preis

2015
Literaturpreis der Stadt Bremen

2016
Düsseldorfer Literaturpreis

2016
Georg-Büchner-Preis


oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Marcel Beyer

    Geboren 1965 in Tailfingen (Baden-Württemberg).
    Marcel Beyer, der in Kiel und Neuss aufwuchs, studierte von
    1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft
    an der Universität Siegen. In seiner Magisterarbeit beschäftigte
    er sich mit dem Werk Friederike Mayröckers. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Lektor in der Redaktion der Literaturzeitschrift „Konzepte“, außerdem veröffentlichte er von 1992 bis 1998 Texte in der Musikzeitschrift „Spex“. Beyers erste literarische Veröffentlichung, der Gedichtband "Walkmännin",  erschien 1990 in einem kleinen Neu-Isenburger Verlag. Sein Romandebüt legte er 1991 mit dem Buch "Das Menschenfleisch" vor. Einer breiten internationalen Öffentlichkeit wurde Beyer 1995 mit dem Roman "Flughunde" bekannt. Darin geht es um den Zweiten Weltkrieg, die Instrumentalisierung von Sprache durch Propaganda und um Experimente mit menschlichen Stimmen. Beyers Werk wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Uwe-Johnson-Preis (1997), dem Joseph-Breitbach-Preis (2008) und dem Kleist-Preis (2014.) Im November 2016 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. Marcel Beyer ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt. Er lebt in Dresden.

  • Blick ins Werk

    Graphit
    I

    Schneekatze, die ihre Bahnen
    zieht. Der Schneimeister
    persönlich dirigiert den
    Pistenbully am künstlichen

    Hang. Ein Mann mit Strickmütze
    und Daunenjacke, ein Mann
    mit Zungenschlag, eine
    Flachlandgestalt, ein Mann

    aus Neuss. Draußen ganzjährig
    Runkelrübenäckerweiten.
    Ein Broich. Ein Busch. Ein
    Rath. Da und dort ein Paar

    Pappelzeilen. Hier aber: Wie er
    seine Schneekatze durch die
    Eiswelt jagt, den Räumschild
    im Blick, die Fräse im Rücken,

    in Zeitlupe und flück, flück, flück –
    eine Schneekatze eben.
    Eine Schneekatzennacht. So
    führt er uns, der Schneimeister,

    mit lässiger Hand vor, wie man in
    Neuss am Rhein
    Maschinenschnee zu
    Schneekunst macht.

    (Leseprobe aus dem Gedichtband „Graphit“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Walkmännin
    Gedichte, Neu-Isenburg: Galerie Patio Verlag 1990

     

    Das Menschenfleisch
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1991

     

    Flughunde
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1995

    Spione
    Roman, Köln: DuMont Verlag 2000

    Erdkunde
    Gedichte, Köln: DuMont Verlag 2002

    Nonfiction
    Essays, Köln: DuMont Verlag 2003

    Kaltenburg
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2008

    Putins Briefkasten
    Erzählungen, Berlin: Suhrkamp Verlag 2012

    Graphit
    Gedichte, Berlin: Suhrkamp Verlag 2014

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1991
    Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

    1996
    Johannes-Bobrowski-Medaille zum Berliner Literaturpreis

    1997
    Uwe-Johnson-Preis

    2001
    Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln

    2003
    Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Tübingen

    2006
    Erich-Fried-Preis (Wien)

    2008
    Joseph-Breitbach-Preis

    2012/13
    Stadtschreiber von Bergen

    2014
    Kleist-Preis

    2015
    Literaturpreis der Stadt Bremen

    2016
    Düsseldorfer Literaturpreis

    2016
    Georg-Büchner-Preis