Max Planck: Umsturz mit Melancholie
Ein Porträt-Essay von Jürgen Miermeister
© dpa
Am 23. April 2008 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Max Planck. Der Name des Erfinders der Quantentheorie ist heute eine weltweit bekannte Wissenschaftsmarke - 2006 befand sich die Max-Planck-Gesellschaft in der Rangfolge der unabhängigen Forschungszentren der "Times" auf Platz eins.
Die Dokumentation erzählt über das Leben und Werk des weltberühmten, aristokratisch-konservativen Wissenschaftlers, der nur widerwillig zum Revolutionär, zum Zertrümmerer der klassischen Theoretischen Physik, ja eines ganzen Weltbildes wurde.

Der Philosoph Planck verstand Physik als "Suche nach dem Absoluten", nach allgemein gültigen und ewigen Gesetzen der Natur. Dabei war er sich sicher, dass diese Suche nie zu Ende gehen wird - er liebte es wie Goethe, "das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren."

Max Planck erlangte Ruhm und Anerkennung. An der rasanten Weiterentwicklung der modernen Naturwissenschaften hatte er größten Anteil und doch wurde er nicht wie Einstein oder Heisenberg zur wissenschaftlichen Ikone der Moderne.

Mittwoch, 9. April 2008,
um 21.15 Uhr
Wiederholung:
ZDF: 23. April 2008, 1.05 Uhr

Porträt-Essay von Jürgen Miermeister

Über die Dokumentation und die Dreharbeiten
Das Augenmerk des Regisseurs Jürgen Miermeister richtet sich vor allem auf den sehr bescheiden gebliebenen Menschen Planck. Das Porträt-Essay zeigt die menschliche Größe Plancks, sein unerschütterliches Vertrauen zu Gott und sein beharrliches, geniales Forschertum.

Die Recherchen für den Film über den großen deutschen Physiker begannen im Sommer 2007, die Dreharbeiten im Dezember. Jürgen Miermeister begab sich zu Originalschauplätzen in Berlin-Grunewald, wo Max Planck wohnte, und in Berlin-Dahlem zu seinen wichtigen Wirkungsstätten, dem Harnack-Haus und dem Physikalischen Institut.


Quantensprünge
Themenschwerpunkt
Max Planck
9. bis 14. April 2008

Wie Dr. Angela Merkel uns die Quantenphysik erklärt
Angela Merkel, Bundeskanzlerin und Physikerin  © ZDF
Um den Namensgeber für wissenschaftliche Institute von Weltrang und eine wichtige historische Gestalt für die Bundesrepublik Deutschland gebührend zu ehren, konnte der Autor die Physikerin Dr. Angela Merkel zur Teilnahme an der Dokumentation gewinnen, die höchst kompetent die Persönlichkeit Max Plancks und die Wirkung des Werks ihres berühmten Kollegen beschreibt.
Über den Autor und Filme- macher Jürgen Miermeister
Bilder zu den Dreharbeiten

Die Bundeskanzlerin, die über Quantenchemie geforscht hat, erklärt die Quantentheorie Plancks, nachdem zuvor ein wunderbarer Albert Einstein im Orignalton versucht hat, uns die Relativitätstheorie nahezubringen. Im Gespräch gesteht Angela Merkel sympathisch offen, dass sie ihre alten Physikaufgaben allerdings heute nicht mehr lösen könne.

Wissenschaftliche Genialität und moralisches Dilemma
Der Quantenphysiker und spätere Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft war ein begnadeter Pianist, besaß das absolute Gehör und hätte ebenso eine erfolgreiche Musikerkarriere anstreben können.

Mit seiner zutiefst konservativen und aristokratischen Prägung entschied er sich eher zufällig für die Physik, die Ende des 19. Jahrhunderts als voll ausgereifte Wissenschaft galt. Dass es ausgerechnet ihm zufiel, mit der Formulierung der Quantentheorie das bis dahin stabile wissenschaftliche Erklärmodell der Welt zu zertrümmern, ist eine der großen Widersprüche in seinem Leben.

Filmemacher Jürgen Miermeister entdeckte zahlreiche Facetten der Persönlichkeit Plancks, die bisher weniger bekannt waren, und belegt sie mit historischen Filmdokumenten, die bislang nie im Fernsehen zu sehen waren.

Das Leben und Werk des Wissenschaftlers Max Planck
Geboren am 23. April 1858 in Kiel, verbringt Max Karl Ernst Ludwig Planck seine Jugend in München, wo sein Vater als Juraprofessor an der Universität arbeitet. Max ist ein hochbegabtes, vielseitig interessiertes Kind. Als braver Schüler bringt er nur sehr gute Noten nach Hause. Er spielt neben Violoncello auch Klavier und Orgel, singt als Sopran im Knabenchor die großen Oratorien, komponiert Lieder und spielt Theater.
Kurzbiografie Max Planck

    "Mit Recht der Liebling seiner Lehrer und seiner Mitschüler, der Jüngste der Klasse (14 Jahre, 3 Monate) und bei aller Kindlichkeit ein sehr klarer, logischer Kopf. Verspricht etwas Rechtes" - so im Zeugnis der zweiten Gymnasialklasse.
Nach dem Abitur, angeregt von seinem Mathematiklehrer, der ihn für Naturwissenschaften begeistert, studiert Max Planck Physik in München und Berlin. Er promoviert im Alter von nur 21 Jahren, die Dissertation beeendet er ein Jahr später.
Bei seinen Forschungen über die Wärmestrahlung findet Planck heraus, dass Energie gequantelt ist, das heißt, dass sie in kleinen Portionen, Quanten, abgegeben wird. Die Quantelung drückt er mit seiner Konstante "h" aus, dem späteren "Planck' schen Wirkumsquantum".

Am 14. Dezember 1900 hält Max Planck einen epochalen Vortrag vor der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Berlin - dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Quantentheorie. Für seine Entdeckung bekommt Max Planck 1918 den Nobelpreis für Physik.
Als einer der ersten förderte Max Planck Albert Einstein, dessen Genie er erkannte. Und doch war er nicht in der Lage, die radikale Modernität seiner wissenschaftlichen Forschung auf die Lebenswirklichkeit seiner Zeit zu übertragen.

Zwischen 1909 und 1919 sterben seine Frau und drei von vier Kindern. Nach diesen privaten Tragödien beginnt für ihn im 3. Reich als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft die dramatischste Phase seines Lebens.

Verzweifelt bemühte er sich um die Erhaltung seines wissenschaftlichen Lebenswerkes. Seine an Selbstaufgabe heranreichende Kompromissbereitschaft stellt von heute aus gesehen die moralische Integrität seines Handelns in Frage. Das Versagen des Bürgertums vor dem Grauen des Nationalsozialismus kristallisiert sich in Max Planck aufs Deutlichste.
1945, kurz vor Ende des Krieges, wird Plancks Lieblingssohn Erwin als Mitwisser der Verschwörung gegen Hitler in Plötzensee hingerichtet. Sogar in solch einem schmerzlichen Moment bleibt Max Planck aktiv und hilft, eine neue wissenschaftliche Institution zu gründen, die seinen Namen tragen wird, die Max-Planck-Gesellschaft.

Am 4. Oktober 1947 stirbt Max Planck in ärmlichen Verhältnissen nach mehreren Schlaganfällen qualvoll in Göttingen.
28. März 2008 / 3sat.online/ug
Jürgen Miermeister, Anna Pantera
Redaktion: Daniel Fiedler
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat [E-Mail]