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Die Fortschrittsvorstellungen der einen haben auch Auswirkungen auf die Zukunft der anderen.
Andere Länder, andere Vorstellungen
Fortschritt aus interkultureller Perspektive
Was unter Fortschritt verstanden wird, hängt davon ab, wen und wo man danach fragt. Je nach politischer Überzeugung, finanzieller Situation oder Bildungsstand, gehen die Auffassungen davon, was Fortschritt ist, bereits innerhalb einer Gesellschaft oder eines Kulturkreises stark auseinander. In der konsumorientierten westlichen Kultur wird Fortschritt häufig mit wirtschaftlichem Wachstum oder technologischer Innovation verbunden.
Im Westen liegt auch der Ursprung des Begriffes. Fortschritt stellte man sich historisch als etwas Lineares vor: Mit dem "primitiven" Menschen am Anfang und dem gebildeten "vollendet entwickelten" Menschen am Ende. Doch vollendet ist noch lange nichts. Längst scheint der westliche Fortschrittsbegriff mehr um Finanzen als um Menschen zu kreisen und Stück für Stück sogar die Menschen zu befremden, denen er als kulturelles Leitbild diente - oder dienen sollte.

Das zwanghafte Streben nach Fortschritt
Welche Auffassungen von Fortschritt in unterschiedlichen Kulturen existieren, haben die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und das Goethe-Institut gemeinsam untersucht. Es ergaben sich sehr unterschiedliche Fortschrittsbegriffe, die sich besonders an den Religionen und Traditionen des jeweiligen Kulturkreises orientierten. In vielen Teilen der Welt fühlte man sich überrollt von dem, was im Westen als fortschrittlich galt. Das Streben nach höher, schneller, weiter oder auch besser wurde wie ein Zwang empfunden, dem man sich nach und nach beugen müsse, um wirtschaftlich oder politisch handlungsfähig zu bleiben - womöglich aber um dem Preis der eigenen kulturellen Identiät.

Auf den Trobriand-Inseln vor der Ostküste Papua Neuguineas wandert man seit Jahrhundeten auf dem schmalen Grat zwischen westlichen Einflüssen und der Bewahrung der eigenen Identität. Die Familien dort ernähren sich durch Gartenarbeit und Fischerei. In harten Zeiten werden Nahrungsmittel nach einem bestehenden Schlüssel verteilt, denn es soll allen gut gehen. Doch die Erscheinung von Konsumgütern schuf einen Bedarf nach Geld und brachte das bestehende System ins Wanken.

Verschlechterung im mitmenschlichen Umgang
"Manche beschreiben unsere Vergangenheit als Dunkelheit und Fortschritt und Zukunft als ein helles Licht. Ich sehe das anders. Früher herrschten Ordnung und Respekt zwischen den Menschen. Alle waren satt und zufrieden. Dann kam das Geld und jetzt vergreifen sich die Leute am Eigentum des Nachbarn. Ja, es gibt sogar Mord und Totschlag. Das hätte früher niemand gewagt, das Recht war heilig, und die Angst vor Strafe groß. Worin liegt der Nutzen des Fortschritts, wenn er uns die Achtung vor den Mitmenschen nimmt?", fragt der Vater von Linus Digim’Rina.

Die Möglichkeit, Produkte zu kaufen, ist kein Fortschritt für denjenigen, der kein Geld hat, um sie zu bezahlen. Auf den Trobriand-Inseln gab es lange keine Arbeit im konventionellen Sinn, weil man sich selbst versorgte. Doch trotz ihres Interesses an Neuem, bleiben die Trobriander stark mit ihrer Kultur verbunden und übernehmen längst nicht alles, was man ihnen nahelegt. "Missionare und Anthropologen sagen seit hundert Jahren unseren Niedergang voraus. Ich bin stolz, dass wir alle Einflüsse, die unsere Traditionen bedrohen könnten, erfolgreich abgewehrt haben. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass unsere Kultur in absehbarer Zeit so einfach sterben wird", sagt der Anthropologe Linus Digim'Rina.

Auswirkungen für alle
Missionare brachten das Christentum, eigene Moralvorstellungen und auch Kondome auf die Inseln, deren Kultur auf Fruchtbarkeit basiert, rituelle Polygamie zelebriert und den Geistern der Ahnen große Bedeutung zuweist. Die Zeiten zunehmender globaler Vernetzung machen nirgendwo halt. In gleichem Maße muss das Bewusstsein dafür wachsen, dass die Fortschrittsvorstellungen der einen auch Auswirkungen auf die Zukunft der anderen haben.

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