Lupe
In der Pubertät erlebt ein Schizophreniekranker oft seine erste Psychose.
Was passiert im Kopf?
Hirnforschungen zur Schizophrenie
Der Psychologe Peter Uhlhaas erforscht seit zehn Jahren die Psychologie und Biologie der Schizophrenie am Frankfurter Max-Planck-Institut. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt bilden Studien zur Gehirnentwicklung in der Adoleszenz. In dieser Phase befindet sich das Gehirn noch in der Entwicklung. Es ist die Zeit, in der Schizophrenie-Erkrankte oft die erste Episode einer Psychose erleben.
Uhlhaas sagt: "Wir beschäftigen uns insbesondere mit sogenannten Oszillationen, das sind rhythmische Schwingungsmuster im Gehirn, an denen wir deutliche Veränderungen nachweisen können, die darauf schließen lassen, dass bei den Patienten mit Schizophrenie die Selbstorganisation des Gehirns deutlich beeinträchtigt ist, so dass es dann zu kognitiven Beeinträchtigungen und Symptomen kommen kann."

Mechanismen und Ursachen der Erkrankung
Bei einem Forschungsexperiment sollen sowohl gesunde als auch schizophrenie-erkrankte Probanten Gesichter erkennen und diese per Knopfdruck mitteilen. Die Messung der Gehirnaktivitäten erfolgt mit Hilfe eines Magnetoenzephalographen. Die Signale können Aufschlüsse über Gehirnfunktionen geben. Es handelt sich um eine neurophysiologische Grundlagenforschung, mit dem Ziel, Mechanismen und Ursachen der Erkrankung zu finden und neue Therapieformen zu entwickeln.

"Wir stellen ausgeprägte Gammaband-Oszillationen im Frequenzbereich von 60 bis 120 Hertz fest. Bei den chronischen, medizierten Patienten sehen wir, dass diese Amplitude sehr deutlich reduziert vorliegt und haben festgestellt, dass diese Gammaband-Oszillationen im Ruhezustand, wenn kein Stimulus verarbeitet wird, etwas erhöht zu sein scheinen. Das deutet darauf hin, dass es nicht nur eine Reduktion der Gehirnaktivität ist, sondern dass alles weniger geordnet ist, und dass die neuronalen Ressourcen weniger effizient abgerufen werden können", sagt Peter Uhlhaas über das Experiment.

Anatomische Veränderungen bei Patienten
Die Forscher stellten fest, dass die neuronalen Netzwerke bei Kranken weniger organisiert sind und es zu ungünstigen Verknüpfungen kommt. Doch auch bei Gesunden verändert sich in der Adoleszenz die funktionelle Architektur des Gehirns grundlegend. In diese Phase ist das Gehirn besonders für Stresseinfluss sensibilisiert, zum Beispiel durch Beziehungsprobleme oder Drogenkonsum. Uhlhaas sagt: "Wir wissen, dass Umweltfaktoren auch eine wichtige Rolle spielen und auf die genetische Prädisposition einwirken können."

Mit Kernspin-Aufnahmen wurden auch anatomische Veränderungen des Gehirns ermittelt. Struktur und Volumen von Gehirnarealen waren reduziert, es gab einen sichtbaren Abbau von Gehirnsubstanz. Die Wirkung von Medikamenten im Verlauf der Psychose ist jedoch noch nicht genauer untersucht worden. Insgesamt sollen die Frankfurter Studien dazu beitragen, dass vor allem die Frühphasen der Erkrankung besser verstanden werden. Durch Früherkennung möchte man den Verlauf der Psychose beeinflussen. Peter Uhlhaas hofft, dass Forscher bald sogenannte Biomarker entdecken. Dadurch könnte man Risiken besser einschränken. Denn je früher die Schizophrenie erkannt wird, umso erfolgreicher ist die Behandlung.

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Max-Planck-Institut für Hirnforschung Forschungsbericht "Neuronale Synchronisation als Mechanismus für Pathologie und Entwicklung in kortikalen Netzwerken" von Peter Uhlhaas