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Was im Kopf passiert
Musik hören oder Joggen fördert Glücksgefühle
Glück entsteht im Gehirn. Den ersten Hinweis auf ein Glücks- oder Belohnungszentrum im Gehirn fand man 1954 bei Rattenexperimenten. Auch beim Menschen gibt es ein solches Belohnungszentrum. Es springt an, wenn wir etwas Positives erleben.
Beim Menschen wurde der Nucleus accumbens 1997 entdeckt. Der Nucleus accumbens liegt im Zentrum des Gehirns, er bewertet Sinnesreize und schüttet Neurotransmitter aus. Diese verstärken die Signalübertragung und wir empfinden Freude und Lust. Doch wozu dient dieser Mechanismus? Die Theorie des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer geht dahin, dass Glücksgefühle der positiven Verstärkung von Lernprozessen dienen. "Der Nucleus accumbens springt immer an, wenn wir etwas lernen, was wir noch nicht wissen", sagt der Neurowissenschaftler und Psychiater Manfred Spitzer.

Die Bedeutung dieses "Lernturbo" wird sichtbar, wenn wir dieses Zentrum durch Drogen stimulieren. Durch die Stoffe entsteht ein künstliches Glück, das vom Lernen abgekoppelt ist und im Extremfall - wie ein Rattenexperiment zeigt - zum Tode führt. Durch die Stoffe entsteht ein künstliches Glück, das vom Lernen abgekoppelt ist. Dabei gibt es laut Manfred Spitzer kein Dauerglück, aber die Wiederholung des Glückgefühls und ein lebenslanges Lernen. "Schließlich stimulieren wir ein Lernorgan, nicht ein Glücksorgan", so Spitzer.

Glück als wichtiges Gemeinschaftselement
Auf eine gesunde Art können wir unser Glücksempfinden durch Musik stimulieren. Sie aktiviert den Nucleus accumbens und beruhigt den Mandelkern, unser Stressorgan. Freude entsteht und Angst wird vermindert. Außerdem erfüllt Musik auch eine ganz wesentliche soziale Funktion. "Musik wird oft gemeinschaftlich betrieben. Sie stärkt die Gemeinschaft und verbindet", sagt Spitzer. "Das macht sicher und glücklich und reduziert Ängste." Darüber hinaus kann sich der Mensch auch durch Anstrengungen wie Joggen oder Lernen glücklicher machen.

Das 'Glückssystem' ist also ein wichtiger Faktor in der Evolution. Es fördert das Lernen und soziales Verhalten. Im Unterschied zum Tier kann sich der Mensch jedoch in Vergangenheit und Zukunft entwerfen. Er kann sein Glücksempfinden planen. Ohne das 'Glückssystem' gäbe es wahrscheinlich keine kulturelle Entwicklung und keine Innovation.

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Wege zum Glück
Links
Artikel "Glück rauf, Angst runter", Hirnforscher Manfred Spitzer zur Wirkung von Musik auf den Menschen [fr-online.de]
Januar 2010 / H. Zander / mm / es