Tanz und Musik: Viel Ausdruck - auch ohne Worte
Ohne Worte
Kommunikation allein durch Ausdruck
Wir verständigen uns nicht allein durch Sprache, auch Tanz, Musik und Architektur sind hilfreiche Ausdrucksformen. So bezeichnet der Schriftsteller Umberto Eco die Architektur als eine der frühesten Formen der emotionalen Massenkommunikation - auf nonverbaler Ebene. Häuser sprechen nicht mit uns und doch ist mit einem Blick erkennbar, welche Aussage ein Bauwerk trifft. Denn die Sprache der Architektur hat ihre Grundlage ihn der Gestalt.

Bauwerke, die von Egoismus zeugen
Bauen ist jenes Mittel, durch das der Egoismus des Einzelnen in seiner reinsten Form ausgedrückt werden kann. Das funktioniert in Politik und Wirtschaft. Was sie grundsätzlich von der Sprache trennt? Architektur ist primär funktional und dann erst kommunikativ, bei der Sprache verhält es sich umgekehrt. Richard Wagner hat mit Lohengrin seine erste durchkomponierte Oper geschaffen und damit die Sprache der Musik um die des Leitmotivs erweitert. Wie ein Kundschafter eilt das Orchester dem Helden voraus. Vorreiter - wenn man so will - für die Filmmusik. Eines ihrer Meisterstücke: Die rätselhafte Mundharmonika in "Spiel mir das Lied vom Tod".


Musik ist der Sprache am nächsten
In archaischen Kulturen war sie das Mittel zur Verschmelzung von Körper und Geist. Musik ist akustische Kommunikation und dem Sprechen am ähnlichsten. Es gibt Theorien, wonach es dem Menschen nicht möglich gewesen wäre, ohne Musik eine Sprache zu entwickeln. Es waren die rituellen Tänze, während denen komplexe Lautmuster entstanden, Lautmuster, die einfachen grammatischen Regeln folgen. Schreiben wir, wie unsere Vorfahren, noch immer mit dem Körper einen Text? Im Ritus gehörten der Gebärdenkanon und das liturgische Vokabular zusammen. Das war der Ausgangspunkt für die darstellende Kunst.


Selbstdarstellung durch Tanz
Spricht der Körper, so ist er es, der die Öffentlichkeit für das Selbst darstellt, oder das, was das Selbst im Moment vorgibt zu sein. Dafür braucht es nicht immer große Bühnen. Marcel Marceau hat die Stille perfektioniert und sie zum Reden gebracht, denn auch ein Gesicht kann viele Geschichten erzählen.

Sendedaten
"scobel"
immer donnerstags um 21 Uhr in 3sat
Sendung zum Thema
Mehr Wissen über: Sprache
November 2008 / euler