Reis könnte künftig nicht nur ein Segen für die Armen, sondern sogar Impfstoffträger gegen unheilbare Krankheiten werden
Gegen Krankheiten, Energiekrise und Hunger
Soll der Mensch in jahrhundertlange Züchtungsprozesse eingreifen?
Wenn im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, wird sich der Energiebedarf verdoppelt haben. Die grüne Gentechnik bietet Lösungsansätze, um diesen Energiehunger zu stillen. Neue Energiepflanzen wie Raps, Hirse und Topinambur sollen aus Licht, Wasser und Kohlendioxid Biomasse erzeugen. Sie sollen an das aufgeheizte Klima der Zukunft angepasst werden. Doch wer Energie erntet, produziert keine Nahrung.
Kartoffeln produzieren normalerweise die verschiedenen Stärketypen Amylose und Amylopektin. Schaltet man das "geradlinigere“ Gen für die Produktion von Amylose ab, stellt die Kartoffel nur noch das "verzweigte“ Amylopektin her. Diese Stärkeart ist der Rohstoff für die Papierindustrie. Dazu nutzen die Wissenschaftler die Fähigkeiten der Natur: Agro-Bakterien können von Natur aus in das Erbgut von Pflanzen eindringen und es verändern. Dabei entstehen mit geringem Energieaufwand wahre Vorratsspeicher für Stärke. Die Chemiefabrik "Kartoffel“ könnte also dazu beitragen, ganze Wälder zu retten.
Überträgt man die Gene auf andere Pflanzen, wie beispielsweise Raps oder Flachs, lassen sich auch so hochwertige Fettsäuren produzieren. Mit Hilfe dieser Genpflanzen werden dann "funktionale Lebensmittel“ auf den Markt kommen: Nahrung, die als Medizin wirkt. Missernten sind der Hauptgrund dafür, dass etwa 1.000 Menschen pro Stunde am Hunger sterben. Gentechnisch verändert könnten Nutzpflanzen wie Mais die Ernten auch in unwirtlichen Gebieten sichern. Dafür reicht es aus, nur ein Molekül - etwa die Resistenz gegen Schädlinge oder Trockenheit - mit neuer Erbinformation in eine Pflanze einzubringen. So lassen sich mit Hilfe der Gentechnik Pflanzen entwickeln, die auch bei Extremtemperaturen und Wassermangel noch gesunde Früchte tragen.
Nach über zehn Jahren Forschung scheint die Gentechnik eine Waffe gegen die Ernährungsnöte der Zukunft gefunden zu haben. Das Beta-Carotin im Reis kann der Körper ohne größere Schwierigkeiten in Vitamin-A umwandeln. Die Erbinformationen aus der Narzisse und dem Erwinia-Bakterium gelangen mit Hilfe eines Gentaxis in den Reis. Einmal eingepflanzt, hat der Reis nicht nur mehr Beta-Carotin und Spurenelemente, sondern ist zudem noch resistenter gegen Extremwetterereignisse. Reis ist in diesem Fall nicht nur ein Segen für die Armen, sondern vielleicht in Zukunft sogar Impfstoffträger gegen unheilbare Krankheiten. Stellt sich dennoch die Frage, ob der oft unwissende Mensch in jahrhundertlange Züchtungsprozesse eingreifen sollte.