Theorien zur Entstehung der Welt
Geheimnisvolle Dunkle Energie und Dunkle Materie
Aus wissenschaftlicher Sicht begann die Existenz der Welt direkt mit dem Urknall. Damit entstanden auch Raum und Zeit. Seit langem schon beschäftigen sich Wissenschaftler damit, wie es dazu kam. Eine der Theorien geht davon aus, es hätte davor ein anderes Universum gegeben, das sich in einen winzigen Punkt zusammenzog, um im Urknall erneut zu explodieren. Laut einer anderen Theorie kommt der Urknall aus dem Nichts, einem Vakuum, das man sich als höchsten Energiezustand des Universums vorstellen muss.
Vielleicht aber war der Urknall auch nur ein Ereignis in einer unermesslichen Vielzahl verschiedener Universen, die unfassbaren physikalischen Gesetzen gehorchen. Obwohl niemand weiß, was tatsächlich passierte, gibt es recht präzise Zeitangaben zu dem, was nach dem Urknall geschah. Dank der Vermessung der Strahlung können wir unser Universum ziemlich genau auf 13, 7 Milliarden Jahre datieren. Unmittelbar nach dem Urknall bläht sich das Universum in der Inflation in Sekundenbruchteilen mit mehr als Lichtgeschwindigkeit gigantisch auf. Es besteht aus einer dichten Suppe aus Elementarteilchen, die nach etwa hundert Sekunden beginnen, zu ersten Atomen zu verschmelzen.

Erste Sterne entstehen
Doch Materie im uns bekannten Sinn macht nur einen kleinen Teil des Universums aus - etwa 95 Prozent bestehen aus unsichtbarer Dunkler Energie und Dunkler Materie. Während der nächsten 370.000 Jahre etwa dominiert diese noch weitgehend unerforschte Dunkle Materie das Universum. Sie zieht ein unsichtbares kosmisches Netz und reißt dabei die normale Materie mit sich, aus der später die Galaxien entstehen. Die ersten Sterne bilden sich, als sich das Universum nach 200 bis 500 Millionen Jahren etwas abgekühlt hat.

Wenn große Sterne sterben und in einer Supernova explodieren, kann es zur Bildung von Schwarzen Löchern kommen. Das sind extrem massereiche Himmelsphänomene, denen noch nicht einmal das Licht entkommt. Astronomen nehmen an, dass Schwarze Löcher zu Keimzellen der Galaxien werden, die sich um sie herum gruppieren. Wie 2003 nachgewiesen werden konnte, gibt es Schwarze Löcher in den Zentren fast jeder Galaxie - auch in unserer Milchstrasse. Die Galaxien werden durch eine vor kurzem entdeckte, geheimnisvolle Dunkle Energie immer schneller auseinander getrieben.

Die große "Nancy Kerrigan-Frage"
Die Frage, warum Dunkle Energie und Dunkle Materie sich gerade noch so die Waage halten, dass unser Universum in seiner jetzigen Form existieren kann, bezeichnen einige Astrophysiker ironisch als "Nancy Kerrigan-Frage". Die erfolgreiche Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan hatte 1994, als sie auf Geheiß ihrer Kollegin Tonya Harding attackiert und verletzt worden war, auf einem legendären Video geschrien "Why? Why me? Why now?“. Um die traditionell mit der Religion verbundene Frage nach dem Warum zu klären, versucht der Vatikan mit seiner eigenen Sternwarte, Kosmologie und Schöpferglaube miteinander in Einklang zu bringen.

Überall da, wo die Kosmologen ratlos sind, führt die abendländische Tradition Gott ins Spiel. Die Glaubensgrundsätze des Buddhismus harmonieren noch besser mit den kosmologischen Theorien vom Werden und Vergehen aus dem Nichts. Einen Schöpfergott kennen die Buddhisten ohnehin nicht. Dass der Mensch aus polaren Teilchen besteht, die aus einer ursprünglichen Einheit kommen, entspricht in erstaunlicher Weise den Intuitionen fernöstlicher Glaubensrichtungen. Doch egal ob Religion oder Wissenschaft - niemand kann das Universum wirklich erklären.

Sendedaten
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Sendung zum Thema
"Zeitmaschine CERN"
Juni 2008 / Müller