Psychoanalyse soll bei Depressionen helfen
Bildgebende Verfahren zeigen, wie die Therapie das Gehirn beeinflusst
In der weltweit ersten Studie über die Auswirkungen der Psychoanalyse auf das Gehirn wird am Hanse-Wissenschaftskolleg bei Bremen erforscht, wie Psychoanalyse und Neurowissenschaften zusammenarbeiten. Ein umfangreiches, interdisziplinäres Projekt, an dem Psychotherapeuten und Neurowissenschaftler verschiedener deutscher Universitäten beteiligt sind. Ihr Ziel: Das Gehirn von depressiven und gesunden Menschen mit neuesten Verfahren bei der Arbeit zu beobachten.

Der Versuch des Gehirns, Krankheit zu verarbeiten
Die Patienten werden mit Bildern und Sätzen konfrontiert, die ihre persönlichen, psychischen Konflikte ansprechen. Dabei wird gemessen, welche Regionen besonders aktiv sind. Bezugspunkt für die Messungen ist eine gleich große Kontrollgruppe mit Gesunden, deren Reaktion ebenfalls auf "individuelle Stimulussätze" getestet wird. Der Unterschied: Die Teilnehmer der Kontrollgruppe führen ein befriedigendes Leben und haben funktionierende Beziehungen. Sie beziehen Probleme nicht automatisch auf sich und können Ärger insgesamt besser bewältigen. Entsprechend lassen sich die unterschiedlichen Reaktionen dann auch am Gehirnscan ablesen. Der Beobachtungszeitraum der Patienten beträgt 15 Monate.

Die Messungen finden zu Beginn der Psychoanalyse statt, dann nach sieben Monaten und schließlich nach 15 Monaten. Doch was sieht man wirklich mit Hilfe der inzwischen technisch sehr verfeinerten Messinstrumente? Henrik Kessler vom Hanse-Wissenschaftskolleg sagt: "Man kann erkennen, wie das Gehirn eines Depressiven auf Sätze reagiert, die seine persönlichen Probleme betreffen. Das könnte bedeuten, dass diese Gehirnveränderung zur Depression führt, oder umgekehrt, dass lange Depressionen die Veränderungen hervorrufen. Man könnte auch sagen, dass die gemessene Hirnaktivität der Versuch des Gehirns ist, mit der Krankheit fertig zu werden. Unterschiede zu erkennen ist schwierig, da es sich immer um Momentaufnahmen handelt. Da wir aber unsere Patienten über einen längeren Zeitraum beobachten, können wir vorher und nachher vergleichen.“

Sinnhaftigkeit der Therapie überprüfbar
Trotzdem sind die Messungen nur schwer zu interpretieren, daher sind ausführliche Vor- und Nachbesprechungen mit dem Patienten notwendig. Und auch wenn die Bilder vor allem über eine bestimmte Phase Auskunft geben, so soll der Vergleich mit den protokollierten Hirnaktivitäten doch zu neuen Erkenntnissen führen. "Man will natürlich wissen, warum in einem Fall die kognitive Verhaltenstherapie gut funktioniert und einem anderen die Psychoanalyse. Was passiert im Gehirn, wenn man psychisch krank ist, und wie wirkt eine Therapie? So lange diese grundlegenden Fragen nicht geklärt sind, kann man auch die Effektivität dieser Therapien nicht beschreiben. Genau das wollen aber die Geldgeber, die ihr Geld möglichst sinnvoll anlegen wollen. Es wird also keine Psychotherapie mehr ohne diesen Nachweis, wie sie denn im Gehirn wirkt, auskommen können."


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"Das Gehirn auf der Couch"
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Eugen Bleuler (1857-1939) führte 1911 den Begriff der Schizophrenie ein, um die Symptome der Zerrissenheit der Psyche zu beschreiben.
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April 2008 / euler