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Sonntag, 4. Dezember
Programmwoche 49/2016
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5:59
VPS 06:00

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Das Weltkulturerbe im Südwesten


Ganzen Text anzeigenAcht UNESCO-Welterbestätten befinden sich im Südwesten Deutschlands. Ihre Geschichten werden in dieser Entdeckungsreise erzählt.

Das mittlere Rheintal, Trier, der Limes, die Völklinger Hütte, der Dom zu Speyer, das Kloster Maulbronn, die Insel Reichenau und die ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenAcht UNESCO-Welterbestätten befinden sich im Südwesten Deutschlands. Ihre Geschichten werden in dieser Entdeckungsreise erzählt.

Das mittlere Rheintal, Trier, der Limes, die Völklinger Hütte, der Dom zu Speyer, das Kloster Maulbronn, die Insel Reichenau und die historischen Pfahlbauten rund um die Alpen sind die Welterbestätten, um deren Geschichte und Geschichten es geht.

Die Reise zu den Weltkulturerbestätten Südwestdeutschlands beginnen wir im mittleren Rheintal zwischen Bingen und Koblenz. Es zählt zu den anziehendsten Zielen für Touristen in Deutschland - schroffe Felsen, Burgen und Wein und natürlich die Mythen und Legenden, die sich um den Rhein ranken und zahlreiche Künstler und Literaten inspiriert haben.

Auch Trier ist ein beliebtes Reiseziel. Die Stadt wurde vor 2000 Jahren von Kaiser Augustus gegründet. Sie gilt als Deutschlands älteste Stadt und ist seit 1986 Weltkulturerbe der UNESCO.

Viel unbekannter und vor allem unsichtbarer als der Rhein, zieht sich auf fast 550 Kilometern der Obergermanisch-Raetische Limes - die Grenze Roms zu den Barbaren - quer durch Deutschland. Heute finden sich noch überall Spuren dieser riesigen Festungsanlage.

Zum kulturellen Erbe gehören auch Denkmäler des Industriezeitalters: 1873 gegründet, war die Völklinger Hütte über 100 Jahre lang Deutschlands größte Produktionsstätte für Eisenverhüttung. Eine Kathedrale der Arbeit.

Eine viel ältere und weniger weltliche Kathedrale ist der Dom zu Speyer - die größte heute noch erhaltene romanische Kirche. Die einzigartige Bedeutung des Kaiserdoms wurde 1981 dadurch gewürdigt, dass die UNESCO ihn in die Liste der schützenswerten Weltkulturdenkmäler aufnahm.

Ab 1147 entstand die Klosteranlage Maulbronn, eines von fast 300 Zisterzienserklöstern in Europa. Heute gilt es als die besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen.

Wer den Namen Reichenau hört, assoziiert damit Gemüse, vielleicht auch Segeln oder Baden. Doch die vom Klima so begünstigte Insel hat mehr zu bieten als Salatköpfe, Gurken und Bootsanleger. Die Reichenauer Benediktinerabtei ist ein Musterbeispiel mittelalterlicher Klosterarchitektur. Sie entwickelte sich im 10. und 11. Jahrhundert zu einem geistigen und kulturellen Zentrum, und ihre Malschule prägte die europäische Kunst des Mittelalters.

Am Bodensee liegen auch Teile des ersten archäologischen Welterbes unter Wasser: die Pfahlbauten des Alpenraumes. Ein Erbe so außergewöhnlich reich an prähistorischen Funden, dass es sogar mit "Weltwundern" wie den ägyptischen Pyramiden verglichen wurde. Doch es geht nicht nur um idyllische Bauten. In den Schichten der Seeböden und Moore haben selbst rasch verwesende Stoffe wie Textilien und Essensreste die Jahrtausende überdauert. Es ist kein "leichtes" Erbe, denn es kann unter Wasser nicht besichtigt werden, sondern nur in den Labors der Archäologen und in Museen.

Redaktionshinweis: Am Thementag "In 24 Stunden um die Welt" reist 3sat mit Max Moor zu den schönsten Welterbestätten der UNESCO.


(ARD/SWR)


7:30
HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Das UNESCO Erbe der Schweiz

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenIn der Schweiz finden sich neben meisterhaften Ingenieurleistungen auch Überreste aus grauer Vorzeit. Dieser Film zeigt eine Auswahl der UNESCO-Welterbestätten des Alpenlandes.

Der Film stellt die Vielfalt und Schönheit der eidgenössischen Welterbestätten vor: Von ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenIn der Schweiz finden sich neben meisterhaften Ingenieurleistungen auch Überreste aus grauer Vorzeit. Dieser Film zeigt eine Auswahl der UNESCO-Welterbestätten des Alpenlandes.

Der Film stellt die Vielfalt und Schönheit der eidgenössischen Welterbestätten vor: Von rauen Bergen zu sanfter Kulturlandschaft, von Dinosaurierknochen zur technischen Meisterleistung, von Klöstern zu Burgen.

Die filmische Reise durch die Schweiz beginnt in eisigen Höhen. Der Aletsch, ein Gigant aus Stein und Eis, der größte Gletscher der Alpen. 22 Kilometer ist diese gewaltige Eismasse lang, die in der Abgeschiedenheit und rauen Unwegsamkeit des Alpenmassivs ein bizzarres Eigenleben führt.

Die Reise durch Bern ist hingegen bequemer. Hier geht man auch bei Regen trockenen Fußes. Wuchtige Gewölbe schützen auf beiden Straßenseiten die Passanten vor Regen, Schnee oder allzu großer Hitze. Den Charme von Bern machen nicht nur die kunstreichen Straßenzüge aus, sondern auch die schöne Umgebung der Stadt. Eingebettet liegt sie zwischen Bergen und dem tief eingeschnittenen Aaretal.

Nicht nur Charme, sondern auch mittelalterliche Klosterkultur und Buchkunst zeichnen das Kloster St. Gallen aus. Wo heute die barocke Klosterkirche steht, baute der Mönch Gallus Anfang des 7. Jahrhunderts für sich eine Zelle. An seinem Grab gründete der alemannische Priester Otmar 100 Jahre später das erste Kloster nach den Regeln des heiligen Benedikt. Später entwickelte es sich zu einem bedeutenden geistigen Zentrum des europäischen Abendlandes. Bis heute hüten die Stiftsbibliothek und das Stiftsarchiv unschätzbare Zeugnisse aus dieser Zeit.

Südlich des St. Gotthardpasses ist von der Autobahn aus die markante Silhouette von Bellinzona mit den "Tre Castelli" sichtbar. Die drei mittelalterlichen Burgen mit der Sperrmauer sind die imposanten Wahrzeichen der Hauptstadt der schweizerischen Sonnenstube, dem Kanton Tessin. Doch Bellinzona ist kein Burgenmuseum. Die inzwischen weltberühmte Tessiner Architektur hat hier ihren Ursprung. Im Stadtbild vermischt sich moderne Architektur mit dem mittelalterlichen Bauwerk, Alt und Neu wird zur Einheit. Mit der Restaurierung der größten Burg, des mitten in der Stadt auf einem Felskopf stehenden Castelgrande, sollte nicht die militärische Festung als Festung erhalten, sondern den heutigen Bedürfnissen der Menschen angepasst werden.

Der Reichtum und die Vielfalt der versteinerten Überreste des Lebens auf der Erde ist am Monte San Giorgio weltweit einmalig. Die ruhige Schönheit dieses Bergs - mit der Weite der reizvollen Umgebung und dem Blick bis in die Alpen - war immer auch ein Ort für Einsiedler, ein Kraftort und ein Ort der Besinnung. Der Berg birgt die Geheimnisse der Urgeschichte des Lebens auf der Erde von vor mehr als zweihundert Millionen Jahren, also auch die Geschichte unserer eigenen Herkunft als Menschen.

Weniger lang zurück liegt die Geschichte der rhätischen Bahn. Die kühne Meisterleistung der Ingenieure und Arbeiter führt durch und über die Alpen von Nord nach Süd: Vom wildromantischen Albulatal durch den höchstgelegenen Eisenbahntunnel der Alpen auf 1800 Metern über Meer ins Licht durchflutete Engadin und vom mondänen Tourismusort St. Moritz über die hochalpine Gletscherwelt der Bernina bis ins mediterrane Veltlin.

Einmalig ist auch die Landschaft Lavaux am Genfer See, eine der schönsten Landschaften der Schweiz und wie geschaffen für den Weißwein, vor allem des Chasselas - Gutedels - eine der ältesten Rebsorten der Welt. Ihren typischen Geschmack verdanken die Weine des Lavaux den an Mineralien reichen Böden, die von den Gletschern zwischen den Felsen abgelagert wurden. Die Alpen halten die kalten Winde ab. Die Berge und der See sorgen für ein mildes Klima. Gute Bedingungen für Weinbau in einer alpinen Region. Wärme spendet auch der Genfer See. Selbst im härtesten Winter friert der See nicht zu. Gleich einem gigantischen Spiegel reflektiert er die Sonnenstrahlen und wärmt so Felsen und Mauern.

Auf den Höhenzügen des Schweizer Juras, 1000 Meter über dem Meer, liegen zwei Städte der Zeit - La Chaux de Fonds und Le Locle. Über Jahrhunderte wurde ihre Entwicklung bestimmt durch die Bedürfnisse des Uhrmacherhandwerks und die industrielle Produktion von Uhren. Dies zeigt sich bis heute in ihrer urbanen Gestalt. So reihen sich in La Chaux de Fonds - der größeren der beiden Uhrenstädte - in langen, geraden Straßen Gebäudeeinheiten an den Flanken des Tals. Ausreichendes Tageslicht war unverzichtbar für das Uhrmacher-Metier. Vor allem im 19. Jahrhundert entstand ein urbanes Kleinod. Aus Kunsthandwerk wurde Industrie. Ein Strom von Zuwanderern aus der deutschen Schweiz, dem Tessin, Frankreich, Italien und Deutschland suchte im Jura sein Glück. La Chaux de Fonds bewältigte einen beeindruckenden demographischen Zuwachs.


(ARD/SWR/3sat)


9:30
HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Österreichs Welterbe

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenKulturlandschaften, Städte, steinerne Erinnerungen an die Vergangenheit: In den UNESCO-Welterbestätten Österreichs spiegelt sich die Geschichte des einstigen Weltreiches.

Salzburg, Wien und Graz; die Landschaften der Wachau und des Neusiedlersees, das Salz ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenKulturlandschaften, Städte, steinerne Erinnerungen an die Vergangenheit: In den UNESCO-Welterbestätten Österreichs spiegelt sich die Geschichte des einstigen Weltreiches.

Salzburg, Wien und Graz; die Landschaften der Wachau und des Neusiedlersees, das Salz Hallstatts und die technische Meisterleistung der Semmeringbahn - Österreichs Welterbe ist sehr vielfältig und verschieden.

Seit dem 11. Jahrhundert wird die Stadt Salzburg von der Festung Hohensalzburg beschützt. Längst ist die mittelalterliche Burganlage selbst schützenswert. Gemeinsam mit der Altstadt wurde sie 1997 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die barocke Fröhlichkeit der Stadt, ihr südlicher Charme wirken geradezu italienisch. Nach dem Willen der Erzbischöfe des 16./17. Jahrhunderts sollte das mittelalterliche Städtchen in ein deutsches Rom verwandelt werden. Die besten Künstler Italiens wurden nach Salzburg geholt. Der berühmteste Sohn der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, hat zwar den Erzbischöfen früh den Rücken gekehrt, doch der Geist Mozarts ist heute noch in der Festspielstadt allerorts spürbar.

Ebenfalls im Salzkammergut liegt Hallstatt, das älteste Salzbergwerk der Welt. Schon zu prähistorischen Zeiten bauten Menschen in einer hoch entwickelten Kultur das weiße Gold ab. Die Zeugnisse ihrer Existenz hat das Salz konserviert. Hallstatt selber konnte wegen seiner Lage zwischen einem See und einem Berg nie sehr groß werden, aber das Salz brachte fortwährenden Wohlstand mit sich. Heute lebt die Stadt neben dem Salz auch vom Tourismus.

Auch die Wachau ist Ziel vieler Besucher: ein Achterl und ein Vierterl, Jodeln und Backhendl, Dirndl und Goldhauben, Ausflugsdampfer und heitere Gemütlichkeit. Alles richtig und genauso falsch. Die Wachau, das ist zunächst einmal ein etwa 30 Kilometer langer Donaudurchbruch zwischen Melk und Krems in Niederösterreich. Der Fluss bildet hier ein enges Felsental.

Ein Wahrzeichen der Wachau und eigentlich die Inszenierung dieser Landschaft ist das Stift Melk. Kernstück des Melker Klosterkomplexes ist die Bibliothek, mit 85 000 Bänden und 1200 Handschriften eine der größten der Welt. Es ist das ideologische Hauptquartier des Benediktinertums. Benedikts Geisteshaltung ist bei aller asketischen Strenge auch stets durchlässig für Lebensfreude und Sinnlichkeit. So billigte er jedem Mönch eine Tagesration von einer Hemina Wein zu, immerhin ein guter Liter. Der Wein wird in der Wachau schon seit keltischen Zeiten angebaut. Die Reben wachsen auf Terrassen, die in schweißtreibender Fronarbeit in das Urgestein geschlagen wurden. Barock wie die Klöster breitet sich die Landschaft mit all ihren Sagen und Geschichten vor dem Besucher aus. Die Wachau, das ist ein ganz reales, kleines Paradies, abseits der Welten Hektik. Eine Gratwanderung zwischen Kitsch und echter Romantik.

In kaum einer europäischen Stadt ist das Morbide so gegenwärtig wie in Wien. Nirgendwo sonst wurde der Tod so oft besungen und bedichtet wie in Wien. Wir besuchen die Hofburg, das Zentrum der über 600 Jahre währenden Habsburger Monarchie. Unser Spaziergang führt in die Augustinerkirche, in deren "Herzgrüfterl" die Herzen von 54 Habsburgern in Silberurnen bestattet wurden. In der Gruft der Michaelerkirche lagern über 250 Särge. Ganze Böden und Wandflächen sind hier mit Knochen bedeckt.

Am Höhepunkt habsburgischer Machtentfaltung zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als nach der Türkenbelagerung 1683 sich die wiedergewonnene Bedeutung des kaiserlichen Wien in den großen Leistungen der Barockkunst widerspiegelt, wird Schönbrunn eine der wichtigsten Bauvorhaben der Haupt- und Residenzstadt. Als zentrale Leistung im Werk des bedeutenden Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach zählen Schloss und Gartenanlage von Schönbrunn zu den Hauptwerken barocker Schlossbaukunst in Europa.

Von Wien geht es an die Grenze zu Ungarn, zu einem Naturerbe: Der Neusiedlersee ist der drittgrößte See in Mitteleuropa. Geologisch verläuft hier die Grenze nach Osteuropa. Nur anderthalb Meter ist der Steppensee im Durchschnitt tief. Der Wasserstand wird vor allem durch Regen und Schnee bestimmt. So eigentümlich der See selbst, so einmalig ist auch sein Umland. Zu den Besonderheiten gehören die Lacken im Seewinkel, kleine Weiher und Tümpel, die nicht mit dem eigentlichen See verbunden sind. Ein Paradies für Tiere, das seit 1992 als Naturpark in großen Teilen sich selbst überlassen bleibt.

Über den Gebirgspass Semmering führte der kürzeste Weg von Wien an die Adria. Es war ein verwegenes Unternehmen, hier eine Eisenbahnstrecke zu bauen. Die Bahnstrecke musste über Gräben hinweg, durch Berge hindurch und an Felswänden entlang gebaut werden. Planungschef Karl Ritter von Ghega plante 15 Tunnel und 16 zum Teil zweistöckige Viadukte. Zeitweise bauten bis zu 20 000 Arbeiter an der Bahnstrecke. Sie ist noch heute eine Erinnerung an die Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, als der Semmering zum Zauberberg wurde. In den Villen und Palästen feierten die Sommerfrischler rauschende Feste. Und die Künstler des Fin de Siècle pilgerten in eine Landschaft, die sich ausbreitet, als sei sie inszeniert. Der Semmering war zum Mythos geworden und der Traum von der Adria wahr.

In Graz, der Hauptstadt der Steiermark, scheinen die Uhren ein klein wenig langsamer zu gehen als anderswo. Im 15. Jahrhundert war Graz die Hauptstadt Innerösterreichs. So friedlich Graz uns heute auch scheint, es war immer eine wehrhafte Stadt. Gleichzeitig gilt es als die italienischste Stadt Österreichs. Das liegt vor allem an den Architekten, die im 16. Jahrhundert aus der Lombardei in die Stadt kamen. Mit einer viertel Million Einwohner ist Graz heute die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dank seiner Geografie ist es eine Drehscheibe zwischen West- und Südeuropa.


(ARD/SWR/3sat)


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11:31
VPS 11:30

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Meisterarchitekten

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenVon nichts sind wir so unentrinnbar umgeben wie von Architektur. Straßen, Plätze, Gebäude, Wohnungen - alles Architektur. Ihre Qualität und Wirkung ist daher von großer Bedeutung.

In diesem Film werden Architekten und ihre Werke rund um den Erdball vorgestellt, ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenVon nichts sind wir so unentrinnbar umgeben wie von Architektur. Straßen, Plätze, Gebäude, Wohnungen - alles Architektur. Ihre Qualität und Wirkung ist daher von großer Bedeutung.

In diesem Film werden Architekten und ihre Werke rund um den Erdball vorgestellt, die so bedeutend sind, dass sie von der UNESCO mit dem Titel "Welterbe" geehrt wurden. Es ist eine Kulturreise durch die vielen verschiedenen Stile und Epochen.

In dieser Sendung wird Max Moor begleitet von Joe Bauer, dem "Stadtflaneur" Stuttgarts. In seinen Kolumnen für die "Stuttgarter Nachrichten" portraitiert eräschonungslos zärtlich, oft aber auch wütend die Stadt, die er kennt wie kein anderer. Ihm ist es zu verdanken, dass Stuttgart die Kriegsfotografin Gerda Taro wiederentdeckte. Die gebürtige Stuttgarterin emigrierte nach Frankreich und wurde als Fotoreporterin im spanischen Bürgerkrieg bekannt, in dem sie jung starb. In ihrer Heimatstadt lange verkannt, ist heute ein Platz nach ihr benannt.

"Das wird hier nichts" soll Winston Churchill, damals englischer Mandatsverwalter der Region, im Qualm seiner Zigarre gegrummelt haben, als sich Architekten daran machten, an der Mittelmeerküste, nördlich der palästinensischen Hafenstadt Jaffa, eine Stadt zu planen - Tel Aviv. Das junge Land, das sich wenige Jahre später Israel taufen wird, braucht Platz für Tausende von Immigranten, die sich aus ganz Europa hierher flüchten, auf der Suche nach einer sicheren Heimat. Klare Linien herrschen vor. Keine Schnörkel des Jugendstils mehr, kein Historismus, keine Dekoration ohne Zweck. Nichts zum Repräsentieren, nichts zum Vortäuschen, alles hat seinen Sinn und Zweck, der Funktion angepasst. "Form follows function". Das ist die Leitidee der Moderne, die im Bauhaus von Weimar und Dessau geboren wurde und in Tel Aviv so konsequent gebaut wird, wie nirgendwo sonst.

Der Weg durch Barcelona ist auch ein Weg zu Antonio Gaudi. Er hat diese Stadt geprägt als Landschaftsarchitekt, Dekorateur, Städteplaner und Künstler. Gaudi ist zu einem Sinnbild der spanischen Architektur geworden, denn sein Stil zeigt ein Stück Landesgeschichte: Die Verschmelzung zwischen arabischen und christlichen Kultureinflüssen. Die meisten seiner Bauten stehen in Barcelona und es bedarf nur eines gemütlichen Spaziergangs, um sie alle an einem Nachmittag kennenzulernen. Der Weg führt durch den Parc Güell. Vorbei an einigen Wohnhäusern des Baumeisters zum Palacio Güell und zur Casa Battlo. Schließlich zur Casa Mila, dem wohl berühmtesten Wohnhaus, das Gaudi geschaffen hat.

Ein besonders Wohnhaus steht im Westen Virginias, in den USA. Monticello war der Landsitz Thomas Jeffersons. Er war nicht nur engagierter Politiker und dritter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, er war auch einer der letzten großen Universalgelehrten. Wissenschaft, Kunst und Politik betrachtete er als Ganzheit, die einem Volk zu nützen habe. Die Unabhängigkeitserklärung, in der er allen Menschen das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung bescheinigte, sah Jefferson als ersten Schritt in eine umfassende, geistig-kulturelle Unabhängigkeit vom britischen Mutterland. Deren sichtbares Zeichen sollte für den Architekten Jefferson eine neue, am Neoklassizismus orientierte Architektur sein, die sich stolz von dem, wie er sagte, "missgestalteten Haufen kolonialer Architektur" abhob. Mit seinem Landsitz Monticello, im Westen Virginias gelegen, kreierte der präsidiale Architekt sozusagen den Prototyp dafür. Das Haus, an dem er sein halbes Leben baute, wurde zum Sinnbild seiner politischen und ästhetischen Ideale und somit zu einer konkreten Utopie des überzeugten Aufklärers. Mit dem Bau der Universität von Virginia vollendet der Autodidakt am Ende seines Lebens gewissermaßen die Unabhängigkeitserklärung, die, als Grundrecht eines jeden, das Streben nach Glück festschreibt. Ohne Bildung ist für ihn dieses Streben erfolglos, denn nur sie ermöglicht eine sinnvolle Partizipation am Staat.

Die Casa Luis Barragán, gebaut 1948, in einem Vorort von Mexico City repräsentiert die Synthese eines ganzen Architektenlebens. Weltoffen und introvertiert zugleich war Luis Barragán, Asket und Dandy, Geschäftsmann und Künstler. Als langjähriger Vertreter einer spanischen Retroarchitektur änderte er seinen Stil nach einer Europareise radikal. In wenigen Jahren gelang es ihm, die traditionellen Stilelemente seiner Heimat mit der Formensprache der europäischen Moderne zu verbinden. Die "Casa Barragán" gilt heute mit ihrer genialen Raumaufteilung, der poesievollen Farbgestaltung, dem wilden Garten und einer surrealistisch anmutenden Terrasse als eine der bedeutendsten Bauten der Architekturgeschichte. Barragáns Arbeit steht ohne Zweifel für Ernsthaftigkeit und Tiefe - Raffinesse und Perfektion - und es ist ihm dazu noch gelungen, die oft nüchterne Funktionalität der europäischen Moderne um eine farbenfrohe und phantasievollere Variante zu bereichern.

Mitten im hässlich brodelnden Betondschungel von Caracas liegt die Zentrale Universität von Venezuela wie eine Insel der Ruhe und der Schönheit. 87 Bauten, eine Stadt in der Stadt. Damit schuf In den 1940er- bis 1960er-Jahren des vorigen Jahrhunderts der Venezolaner Carlos Raul Villanueva ein stadtplanerisches und architektonisches Meisterwerk, angereichert mit über hundert Werken großer europäischer, amerikanischer und einheimischer Künstler jener Zeit. Mit seinem virtuos geformten Beton hat Villanueva einen eigenen und noch immer aktuellen Baustil geprägt. Ein Versuch, mit den Mitteln der Architektur und der Ästhetik das Leben der Menschen zu gestalten - vor allem die Form ihres Zusammenlebens. Daher die - vom tropischen Klima begünstigte - Durchlässigkeit der Bauten zwischen Innen und Außen, die gewollte Aufhebung der Grenzen zwischen den Fakultäten sowie zwischen der Universität und dem Volk. Doch leider, stellt Villanueva am Ende bedauernd fest, hat er mit seinem Konzept die politische und soziale Entwicklung Venezuelas nicht aufhalten können, in der die Kluft immer größer wird zwischen dem Volk und der Elite.


(ARD/SWR/3sat)


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12:46
VPS 12:45

HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Vom Jugendstil zur Moderne - Die Architektur des

20. Jahrhunderts

Ganzen Text anzeigenArchitektur unterliegt einem steten Wandel. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Stile, die noch heute prägend sind und deren Vertreter unvergleichliche Bauwerke hinterließen.

In der Architektur des 20. Jahrhunderts spiegeln sich die Spannungen und ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenArchitektur unterliegt einem steten Wandel. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden Stile, die noch heute prägend sind und deren Vertreter unvergleichliche Bauwerke hinterließen.

In der Architektur des 20. Jahrhunderts spiegeln sich die Spannungen und Entwicklungen dieser Zeit. Von der Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, hin zur Funktionalität setzten sich die Architekten und Künstler mit ihnen auseinander.

Im Zentrum von Brüssel wird 1903 das Kaufhaus Waucquez gebaut. Das Gebäude ist Ausdruck einer Sehnsucht die zu Beginn des Jahrhunderts von vielen Menschen geteilt wird, zurück zur Natur, zum Ursprünglichen. Durch das weit gespannte Glasdach durchdringt das Licht das ganze Haus das nur wenige tragende Zwischenwände hat. Es ist eine für die damalige Zeit kühne Architektur die Bewegung in die erstarrten Formen bringt. "Warum sollte ein Architekt nicht ebenso kühn und ebenso unabhängig sein wie andere Künstler ?" Diese Frage beantwortet sich der Architekt Victor Horta selbst. Der "Art Nouveau", der "Jugendstil" wird von ihm in Vollkommenheit verwirklicht.

Das vielleicht schönste Beispiel des spanischen Modernismo, der Palau de la Musica Catalana, ein Palast zu Ehren der katalanischen Musik, findet sich mitten im engen Gewirr von Barcelonas Altstadt. Ein hymnisches Gebäude, gebaut für den in der Volksseele verwurzelten Gesang, in dem sich musische Ideale mit politischen Ideen verbinden. Die Grundsteinlegung des Palau ist 1905. Industrielle finanzieren das Gebäude. 1908 wird der Palau mit einem Konzert von Richard Strauss eröffnet. Die Formensprache des Jugendstils verkam spätestens nach dem ersten Weltkrieg zur Spielerei.

In den Niederlanden wurde während des ersten Weltkriegs die Künstlergruppe "De Stijl" gegründet. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde zählte auch der Maler Piet Mondrian. "De Stijl" proklamierte die ausschließliche Verwendung von Grundfarben und Grundformen. Ein anderes Mitglied von "De Stijl" ist der Architekt Gerrit Rietveld, ein gelernter Kunsttischler. "Wir mussten zu einer neuen Sprache für die Formen der Architektur kommen, zu neuen Buchstaben, neuen Worten, neuen Sätzen." 1924 baut Gerrit Rietveld in der bürgerlichen Kleinstadt Utrecht ein kleines Haus mit 125 Quadratmetern Wohnfläche. Es wird zu einer Ikone des Purismus und ist heute ein Weltkulturerbe. Truus Schröder, eine früh verwitwete Anwaltsgattin, der die bürgerliche Welt mit ihrer fest gefügten Ordnung wie ein Zerrbild erscheint, beauftragt Rietveld mit dem Entwurf ihres Hauses. Schröder fühlt sich in der spießigen Welt Utrechts als Gefangene, sie will ein anderes, ein radikales Leben, und dies soll sich auch in dem neuen Haus ausdrücken. Es manifestiert ihr gemeinsames Denken und Empfinden und ist das Dokument einer Lebensbeziehung.

Eine der negativen Konsequenzen der Industrialisierung war das unkontrollierte Wachstum der Großstädte. Als Reaktion darauf entwickelte sich in Großbritannien, dem um die Jahrhundertwende am meisten industrialisierten Land, die Idee der Gartenstädte. Durch sie sollten sich die negativen sozialen Auswirkungen des wirtschaftlichen Erfolgs zumindest mindern lassen. Schon bald kam diese Idee auch nach Deutschland. In Berlin wurden einige dieser "Gartenstädte" zum Weltkulturerbe erklärt. Der Architekt Bruno Taut baute die Gartenstadt Falkenberg und die Hufeisensiedlung, Hans Scharoun die Siedlung Siemensstadt. Siemensstadt wird in den Jahren zwischen den Weltkriegen zu einem prägenden Vorbild im internationalen Städtebau. Baugeschichtlich ist es freilich von Siemensstadt nur ein kleiner Schritt zum sozialen Wohnungsbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Büro des Berliner Architekten Peter Behrens lernten einige der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Mies van der Rohe ebenso wie Le Corbusier oder Walter Gropius. Dessen erstes eigenständiges Gebäude war das Faguswerk im niederländischen Alfeld. 1919 gründete Walter Gropius in Weimar das Bauhaus. Wie groß dessen Einfluss bis heute ist, sieht man daran, dass der Begriff "Bauhaus" als Synonym gilt für die "Moderne" in Architektur und Design. In seinem Bauhaus-Manifest verkündete Gropius: "Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers." Das Vorbild für diese Verbindung von Kunst und Handwerk sah Gropius in den mittelalterlichen Bauhütten bei den Kathedralen. Das Zusammenwirken der verschiedenen Künste sollte auch eine Veränderung hervorrufen, weg von der aktuellen sozialen Realität, hin zu einer veränderten, erneuerten Gesellschaft. Auch dafür sah sich das Bauhaus als Versuchslabor. Und das war natürlich revolutionär im damaligen Weimar. Zu revolutionär: 1925 musste das Bauhaus umziehen, nach Dessau. Dort verwirklichte er die Idee des Bauhaus mit einem Lichtkubus. Ohne diesen Kubus wäre der Mythos Bauhaus vielleicht nie entstanden.

Unter der Leitung von Mies van der Rohe entstand die Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Sie war Teil der Werkbundausstellung "Die Wohnung". 17 Architekten sollten 21 Häuser mit 63 Wohnungen entwerfen. Sein Meisterstück baut Mies van der Rohe aber nicht in Stuttgart, sondern in Brünn. Das Haus Tugendhat wird zu einem Schlüsselwerk des Neuen Bauens. Der offene Grundriss erzeugt hier einen Raum, der auch vor der Natur nicht halt macht. Eine riesige Glasfront hält den permanenten Dialog zwischen Architektur und Natur in Gang. Mies Leidenschaft für hochwertige und haltbare Materialien sind in diesem Bau keine Grenzen gesetzt, Geld spielt bei den Tugendhats keine Rolle. Sie können sich auch den verschwenderischen Einsatz kostbarer Tropenhölzer ebenso leisten wie eine monumentale Onyxwand.

Neben Mies van der Rohe und Walter Gropius gilt der Schweizer Le Corbusier als Vater der Moderne. Er träumte von einer "Synthese der Künste". Seine Häuser nannte er "Maschinen zum Wohnen". In der Stuttgarter Weißenhofsiedlung wurde eine seiner "Wohnmaschinen" originalgetreu wieder aufgebaut. Ein funktionaler Raum zum Schafen und Wohnen. Die "Individualräume" wie Le Corbusier sie nannte, sollten auf das absolut Notwendige reduziert werden. Und so gestaltete er diese Wohnung nach dem Vorbild der Schlaf- und Salonwagen der Eisenbahnen. Während seiner Ausbildungszeit arbeitete Le Corbusier bei Auguste Perret und dieser Architekt durfte nach dem Zweiten Weltkrieg Le Havre vollkommen neu aufbauen.

Le Havre war über Jahrhunderte ein europäischer Auswandererhafen. Am 6. September 1944 wird die Stadt von Englischen Bombern dem Erdboden gleichgemacht. 5000 Menschen sterben. Mehr als die Hälfte aller Gebäude werden zerstört. Die komplette Infrastruktur der Hafenstadt existiert nicht mehr. Keine Stadt wird so entschieden wieder aufgebaut wie Le Havre. Der französische Staat reagiert kompromisslos. Eine Rekonstruktion ist nicht mehr möglich. Mit dem Masterplan eine neue urbane Einheit zu bauen wird Auguste Perret beauftragt. Perret ist da schon 71 Jahre alt, ein anerkannter Architekt und ein Meister des Beton. Der Traum fast aller Architekten ist es, eine ganze Stadt nach ihren Vorstellungen bauen zu können. Auguste Perret war dies vergönnt.

Ebenso erhält Oscar Niemeyer eine große Gelegenheit: Er entwarf die wichtigsten Gebäude der brasilianischen Hauptstadt Brasilia. Mit seinen Bauwerken wollte er "das alltägliche Glück ins flüchtige Leben" bringen. Das Credo des bekennenden Kommunisten: "Wir müssen die Welt verändern". Wenn Le Corbusier, mit dem der Brasilianer schon in den 1930er-Jahren zusammen gearbeitet hat, dem rechten Winkel huldigte, so ersetzte Niemeyer die Rechtecke durch elegant geschwungene Linien. Dadurch schuf er extravagante, kapriziöse Gebäude. Das Bauhaus hat Niemeyer verachtet. Mit seinen monotonen Regeln habe es die Entwicklung der Architektur verhindert.

Der dänische Architekt Jörn Utzon sagte einmal "Das wunderbare daran Architekt zu sein, liegt darin für Menschen etwas zu schaffen, was sie mögen und lieben. Das habe ich immer im Sinn." Wie die benachbarte Harbour Bridge wurde das Opernhaus von Sydney zu so etwas wie dem Markenzeichen der Stadt. Die visuelle Skulptur wird zum kulturellen Mittelpunkt der Nation. 2007 wird es zum Weltkulturerbe ernannt und damit als eine der großen architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts anerkannt. Utzon bezeichnete die Dachkonstruktion des Opernhauses als die fünfte Fassade. Ohne Zweifel ist es eine der bekanntesten Fassaden der Welt. Der Architekt Louis Kahn sagt beim Anblick des Opernhauses: "Die Sonne wusste nicht wie wunderschön ihr Licht war, bis es von diesem Gebäude gespiegelt wurde."


(ARD/SWR)


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13:30
HDTV Ausstrahlung (hochauflösendes Bildsignal)

Die Renaissance - Aufbruch in eine neue Zeit


Ganzen Text anzeigenRenaissance - Wiedergeburt - nannte man im Nachhinein die Kulturepoche des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie hat viele Genies hervor gebracht. Max Moor stellt einige von ihnen vor.

Etwa das uneheliche Kind einer arabischen Sklavin: Leonardo da Vinci. Mit 30 Jahren wurde ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenRenaissance - Wiedergeburt - nannte man im Nachhinein die Kulturepoche des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie hat viele Genies hervor gebracht. Max Moor stellt einige von ihnen vor.

Etwa das uneheliche Kind einer arabischen Sklavin: Leonardo da Vinci. Mit 30 Jahren wurde der gelernte Goldschmied von den Medici an den Mailänder Herzog empfohlen. Dort präsentierte er sich als Militärtechniker, Ingenieur, Architekt, Maler und Bildhauer.

Eingesetzt wurde er aber vor allem als Regisseur rauschender Feste. Seine vielen Notizbücher füllte er sozusagen im Nebenjob mit den berühmten Skizzen von Kriegs- und Flugmaschinen. Er betrieb das Studium an der Natur. Über religiöse Tabus setzte er sich einfach hinweg, er sezierte Dutzende von Leichen. Schon damals schrieb Giorgio Vasari in einer Biografie: "Wohin er den Geist auch lenkte, verhalf ihm seine Begabung, die schwierigsten Dinge mit Leichtigkeit zur Vollendung zu bringen."

Vorbild für die Architekten der Renaissance war der römische Baumeister Vitruv. Seine theoretischen Schriften wurden damals neu aufgelegt. Vitruv hat sich bei seinen Bauten am Maß des Menschen orientiert. Die Proportionen einer Säule zum Beispiel sollten den Proportionen des menschlichen Körpers entsprechen. Die italienischen Architekten der Renaissance wollten die gotische Ästhetik überwinden.

Das Kernland der Renaissance war Italien. Hier war die Verstädterung am weitesten fortgeschritten und in Folge waren es auch der Fernhandel und das Bankenwesen. In Italien hat es seit der Antike kontinuierlich urbanes Leben gegeben. In Deutschland und Frankreich lebte der Adel in der Provinz auf ihren Burgen, in Italien dagegen in der Stadt. Und Kultur wächst bekanntlich vor allem dort, wo Überfluss vorhanden ist. Das Großbürgertum Italiens eroberte entsprechend früher als anderswo die politische Macht.

Das Wissen der Menschen über die Welt nahm während der Renaissance explosionsartig zu. Zwar wurden die Eroberung Asiens und die Entdeckung Amerikas zunächst nur in Spanien und in Portugal zur Kenntnis genommen. Das übrige Europa registrierte diese Erweiterung des Horizonts erst mit einiger Verzögerung - vor allem, nachdem aus dem neuen Kontinent Gold und Silber flossen. Adam Riese schrieb das erste Rechenbuch. Peter Henlein konstruierte die erste Taschenuhr, Martin Behaim ließ den ersten Globus bauen, noch ohne Amerika. Der Arzt Paracelsus begründete die Wurzeln der heutigen Schulmedizin. Und Nikolaus Kopernikus brach mit der althergebrachten Welten-Ordnung: Nicht die Erde, sondern die Sonne sei der Mittelpunkt des Universums. Der Philosoph Ludwig Feuerbach kommentierte das später so: "Er hat die Menschheit um ihren Himmel gebracht." Prompt hat die katholische Kirche diese neue Lehre verboten. Allein es half nichts: Die Erkenntnisse Kopernikus' bildeten das Fundament der Forschungen von Galileo Galilei. In Pisa, am schiefen Turm, führte Galileo Galilei seine Experimente zum freien Fall durch.

Nachdem der Buchdruck durch Johannes Gutenberg revolutioniert wurde, war es vorbei mit dem Monopol der Mönche, alle geistige und weltliche Weisheit in handgeschriebenen Kopien zu verbreiten. Schon im 15. Jahrhundert gab es 30.000 verschiedene Druckwerke. "Die Reformation hätte ohne die Druckmedien nicht stattfinden können", schrieb der Historiker Burkhardt. Eingeleitet hat die Reform ein Augustinermönch aus Wittenberg: Martin Luther. An die Tür der Schlosskirche in Wittenberg soll er seine 95 Thesen geschlagen haben. In ihnen wandte er sich gegen den Ablasshandel der Kirche. Durch den Buchdruck wurden Luthers Thesen und seine nachfolgenden Schriften zur Reformierung der Kirche schnell bekannt.

Luthers Glaubenssätze läuteten aber zugleich auch das Ende der Renaissance ein. Mit der Kirchenspaltung begann ein neues Zeitalter. Der Kampf um den rechten Glauben, das Ringen um Dogmen verdrängte das individuelle Denken, und der Mensch quälte sich wieder in Selbstzweifeln. Politisch dämmerten am Horizont bereits das Massaker an den Hugenotten in Frankreich, die Bartholomäusnacht und der Dreißigjährige Krieg. Die großen künstlerischen und intellektuellen Errungenschaften der Renaissance aber überdauerten das alles. Der Humanismus prägt die Gelehrtenwelt bis heute. Und die Kunst hat sich damals einfach weiter entwickelt: in den Barock.


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14:15
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Metropolen der Antike

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenAntike Orte üben eine besondere Faszination aus. Die antike Hochkultur beeinflusst noch heute Kunst, Geschichtsschreibung, Literatur, Wissenschaft und Politik in Europa.

Rund um das Mittelmeer liegen Stätten, die von den Errungenschaften und dem Wissen der Antike ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenAntike Orte üben eine besondere Faszination aus. Die antike Hochkultur beeinflusst noch heute Kunst, Geschichtsschreibung, Literatur, Wissenschaft und Politik in Europa.

Rund um das Mittelmeer liegen Stätten, die von den Errungenschaften und dem Wissen der Antike erzählen. Es sind alte Metropolen der Hochkultur. Ehemals pulsierend und sprühend vor Leben, sind einige von ihnen heute bedroht, wie Palmyra, die Oasenstadt in Syrien.

Palmyra war eine reiche Handelsoase im griechisch-römischen Stil. Ihre Paläste, Theater und Tempel zeugen vom Wohlstand und Einfluss des Ortes. Zweimal wurde die Oase zerstört, 272 nach Christus ließ Kaiser Aurelian den Ort schleifen, um einen Aufstand gegen die römischen Besatzer zu unterdrücken. Im Jahr 2015 zerstörte der IS die wichtigsten Tempel der Oase, um ein Exempel zu statuieren und missbrauchte die Anlage für Hinrichtungen. Ende März 2016 wurde die Stätte von der syrischen Armee rückerobert. Die Zerstörungen können nicht rückgängig gemacht werden, die Zukunft ist noch ungewiss.

Die weißen Terrassen von Pamukkale gehören zu den größten Naturwundern der Türkei. Am Hügelsaum des Mäander, einer geologischen Bruchzone, entspringen an mehreren Stellen Thermalquellen mit einer Temperatur von 36 Grad Celsius. Beim Durchsickern des Kalkgesteins haben sie sich mit mineralischen Stoffen angereichert, die beim Abkühlen an der Erdoberfläche zu Kalksinter erstarren. Nirgendwo ist dies eindrucksvoller zu sehen als in der Nähe der antiken Stadt Hierapolis, auf griechisch: Die Heilige Stadt. Noch ist wenig bekannt über ihre Geschichte, ihren Ursprung. Eines aber ist sicher: Ohne die Quellen wäre hier nie eine Stadt entstanden.

Wer kennt nicht die Geschichte von Troja, von Homer in der Ilias besungen, die so tragisch in völliger Zerstörung geendet haben soll. Zwei Jahrtausende galt Troia als sagenumwobene Metropole ägäischer Hochkultur. Ein literarischer Ort, den es wirklich gegeben haben soll. Und den es tatsächlich gegeben hat, wie sich jetzt mehr und mehr herausstellt. Troias Ruinen liegen auf dem Hügel Hisarlik bei Canakkale an den Dardanellen in der Türkei. Neun Siedlungsschichten liegen übereinander, von der frühen Bronzezeit bis ins Römische Reich, mit mehreren Blütezeiten.

Auch das Heiligtum in Delphi blickt auf eine lange Geschichte zurück: über 1000 Jahre lang war es Anlaufstelle für Ratsuchende aus der ganzen antiken Welt. Könige und einfache Bürger begaben sich zum 'Nabel der Welt', um die Pythia um ein Orakel zu bitten. Die Seherin stand in direkter Verbindung mit Apollo, einem für damalige Verhältnisse überaus fortschrittlichen Gott. Hatte er doch zum Beispiel die Erinnyen, die Rachegöttinnen, für abgesetzt erklärt. Statt der üblichen Blutrache verkündete er schon im 5. Jahrhundert vor Christus Ideale wie Toleranz, Barmherzigkeit, Rechtstaatlichkeit. Über viele Jahrhunderte zählte die Priesterschaft von Delphi zur Elite der antiken Welt.

Zur Elite zählten auch die Teilnehmer der Olympischen Spiele. Es ist August, flimmernde Hitze, 40 000 Menschen im Stadion, Kopfbedeckung verboten, Wasser ist knapp, aber es ist Volkfeststimmung in Olympia. Zelte, Buden und Kleinkunst. Und fünf Tage lang sportliche Glanzleistungen. Ein Bestechungsskandal ist bekannt geworden, ein Fünfkämpfer wurde bestraft. Ein Ringkämpfer hat seinen Gegner durch Fingerbrechen besiegt. Am Rande der Wettkämpfe Gespräche von Politikern. Ein Historiker stellt sein neustes Werk vor. So ähnlich könnte sich die Chronik ganz gewöhnlicher Olympischer Spiele lesen, wie sie seit 776 vor Christus auf dem Peleponnes abgehalten wurden. Bis zur Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert schlummerten die heilige Hallen, Siegerstatuen, Trainingslager, Schatzhäuser und vieles mehr vier Meter unter der Erde.

Die historische Ruinenstadt Butrint ist ein "zweites Troja im Kleinformat" schreibt der römische Dichter Vergil. Es liegt an der Straße von Korfu im Süden Albaniens. Die Halbinsel in einer Lagune ist so geschützt und exponiert, dass sie seit jeher Eroberer, Reisende und Erholungssuchende anzieht. Schon vor 2500 Jahren war die Stadt für ihre mineralhaltigen Quellen bekannt. Butrint entwickelte sich zum Kur- und Festspielort der Antike. Heilungssuchende pilgerten von weither zu den Opferplätzen, Tempel und Brunnen. Eine heilige Prachtstraße führt zum Zentrum mit Äskulap-Tempel und Theater. Jede Epoche hat ihre steinernen Zeugen hinterlassen. Butrint ist ein Mikrokosmos mediterraner Geschichte.

Von welcher Seite man sich Castel del Monte auch nähert, der mächtige achteckige Bau mit einen Kranz von ebenfalls achteckigen Türmen erscheint immer gleich. Doch variiert der helle Stein im Laufe des Tages seine Farbe vom warmen Goldton bis zum gleißenden Weiß, und die wandernden Licht- und Schattenzonen geben den schlichten Randflächen ständig wechselnde Raumtiefe. Das Licht wird zum Teil der Architektur, es formt den Baukörper, formt ihn zur "steinernen Krone Apuliens".

Der Bauherr Friedrich II. trug vier goldene Kronen: Er war Deutscher König, römischer Kaiser, König von Jerusalem, und schon als 3-Jähriger wurde der Stauferkaiser in Palermo zum König über Sizilien gekrönt. Friedrich II. wurde bewundert und gehasst, als Erlöser prophezeit und als Antichrist verflucht. Verflucht und gebannt von drei Päpsten. Der Kaiser, das Schwert Gottes und das weltliche Oberhaupt der Christenheit, verfolgte zwar die Ketzer, doch Andersgläubigen gewährte er Religionsfreiheit. Er nahm sich die Freiheit - in einer Zeit in der die Kirche der Wissenschaft und dem Wissen ihre Grenzen setzte, Fragen zu stellen, und Überliefertes in Frage zu stellen "Stupor mundi", das Staunen der Welt wurde er genannt. Er gründete eine Universität in Neapel, führte mit Philosophen Gespräche, auch mit den Gelehrten anderen Glaubens, mit islamischen Weisen. Er war an der Magie interessiert und bewandert in den mystischen Lehren, - auf den Gesetzen der Zahlenmystik beruht auch der Grundriss des Castel del Monte, ein Grundriss, wie er sonst nur sakralen Räumen eigen ist. Ob Friedrich II., der "Puer Apuliae" - der Knabe aus Apulien, je das Castel del Monte betrat, darüber gibt es kein Zeugnis. Das Mittelalter beherrschte die Sprache der Bilder und Zeichen, und das Castel del Monte ist Bauwerk und Symbol. Ein Wahrzeichen von Macht und Mystik.

Das antike Griechenland beschränkte sich keinesfalls nur auf die Ägäis, sondern griff weit nach Westen aus, und einige der bedeutendsten griechischen Städte lagen in Unteritalien. Zu ihnen gehört Paestum, das um 500 vor Christus gegründet wurde. Seine drei großen Tempel sind in beeindruckenden Ruinen erhalten geblieben - im 18. Jahrhundert wieder entdeckt, wurden sie schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder italienischen Bildungsreise. Hier lernte Europa, was ein Tempel ist - den Einfluss Paestums auf das europäische Stil- und Formempfinden kann man wohl kaum überschätzen.

50 Kilometer südlich von Paestum liegt Velia/Elea, ebenfalls eine griechische Stadt. Hier steht kein einziger Tempel mehr, außer einem mächtigen Stadttor ist alles zerstört, was die Griechen und später die Römer bauten. Dennoch geht ein Zauber von den Ruinen Eleas aus, mehr noch aber von seinem Namen. Die Philosophen aller Jahrhunderte wussten nicht, wo Elea lag, aber sie wussten, was Elea war: Der Ort, an dem die philosophische Schule der Eleaten beheimatet war. Ihr Gründer hieß Parmenides. Bis heute beschäftigt sich die Philosophie unablässig mit diesem großen Denker. Und auch die Naturwissenschaften, die sich erst im Versuch entwickelten, Parmenides zu widerlegen, sind immer noch nicht über ihn hinweg.

Gesprächspartner Max Moors in dieser Sendung ist der Restaurator Roland Welsch. Der gelernte Stuckateur-Meister arbeitet mit verschiedenen Materialien und Techniken und restauriert Gebäude aus ganz verschiedenen Epochen. Welsch gibt im Gespräch einen Einblick in die Vielfalt der Methoden, mit denen ein Restaurateur neu gestalten und Altes wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen kann. Er restauriert historische Gebäude auch mit ganz alten Techniken, die seit Jahrhunderten handwerklich genutzt und weitergegeben werden.


(ARD/SWR/3sat)


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16:14
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Das Erbe der vorkolumbianischen Zeit

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenAn vielen Orten haben die Ureinwohner Amerikas Spuren hinterlassen: die Blackfeet in Kanada, die Bewohner des Taos-Pueblos in New Mexico, die Maya und Inka in Mittel- und Südamerika.

Der Film führt zu UNESCO-Welterbestätten auf dem amerikanischen Kontinent, die viel ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenAn vielen Orten haben die Ureinwohner Amerikas Spuren hinterlassen: die Blackfeet in Kanada, die Bewohner des Taos-Pueblos in New Mexico, die Maya und Inka in Mittel- und Südamerika.

Der Film führt zu UNESCO-Welterbestätten auf dem amerikanischen Kontinent, die viel erzählen können: von frühen Hochkulturen, vom Leben der Ureinwohner vor der Entdeckung Amerikas und auch vom fragilen Zustand der Welt und der Endlichkeit von Zivilisationen.

Der "Abgrund der zu Tode gestürzten Bisons" ist ein Ort, der an eine Zeit erinnert, in der sich die Ureinwohner Nordamerikas das Land mit den Bisons teilten. "Head-Smashed- In Buffalo Jump" gilt als einer der ältesten und besterhaltenen Jagdplätze in Nordamerika. Der Abgrund liegt in der kanadischen Provinz Alberta, etwa 175 Kilometer südlich von Calgary. Die Ausläufer der Rocky Mountains gehen hier in die Great Plains, ein halbtrockenes Vorland, über. Bei der historischen Bisonjagd versuchten getarnte Jäger die Tiere in eine Richtung zu locken, aus der sie nur in einen Abgrund fliehen konnten. In Lagern ganz in der Nähe der Klippen wurden die Bisons verarbeitet - zu allem, was die Blackfeet Indianer im darauffolgenden Jahr benötigten: Nahrung, Kleidung, Decken, Zelte und vieles mehr. So erzählen Stätten wie diese viel über das Leben und Selbstverständnis der Plains-Indianer.

Weiter südlich entdeckten an einem kalten Dezembertag im Jahr 1888 zwei Cowboys - auf der Suche nach entlaufenen Rindern in Mesa Verde - Pueblosiedlungen, in denen einst Hunderte von Indianern gelebt haben mussten. Die geheimnisvollen Bauwerke wurden einem, bis dahin geheimnisvollen Indianerstamm zugeschrieben, dessen Name "Anasazi" nur aus Legenden bekannt war. Die "Ahnen" oder "ehrwürdigen Alten" sollten sich vor über 1400 Jahren auf der fruchtbaren Hochebene niedergelassen und eine im Norden Amerikas völlig untypische, fast städtische Kultur entwickelt haben. Ob in ihrem sozialen Gefüge, der Architektur, oder ihren Kunstwerken - in allen Bereichen schienen sie den zur gleichen Zeit durch das Land ziehenden Nomadenstämmen weit überlegen. Vor allem in ihrer Töpferkunst zeigten die Anasazi eine faszinierende Formensprache, die gleichzeitig so revolutionär und einfach war, dass sie sogar noch heute ungewöhnlich modern wirkt. Die Ornamentik - meist nur schwarz-weiß, schien die harten Lichtkontraste in den Siedlungen und Canyons zu spiegeln.

Nach einer langen Blütezeit von fast 700 Jahren verließen die Anasazi um 1200 plötzlich ihre Siedlungen in Mesa Verde und über die Gründe für diesen plötzlichen Exitus wird auch heute noch spekuliert. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass im Untergang dieses Indianerstammes auch das Geheimnis des Erhalts seiner Siedlungen steckte. Hätten die Anasazi in Mesa Verde ihren Traum von einer sesshaften und blühenden Gemeinschaft verwirklichen können, wären sie von den Einwanderern aus Europa genauso gnadenlos bekämpft worden, wie alle anderen Stämme des nordamerikanischen Kontinents. So blieben ihre Bauten aber jahrhundertelang vergessen und zeugen auch heute noch von ihrer einmaligen und unvergleichlichen Kultur.

Im Tal des Rio Grande in New Mexico, rund 70 Meilen nördlich von Santa Fe, liegt das wahrscheinlich älteste Dorf der USA: Taos Pueblo. Im 10. Jahrhundert ließen sich hier Nachfahren der Anasazi-Indianer nieder. Seit damals hat sich dieser Ort kaum verändert. Um die vom Taos Pueblo River durchflossene Plaza gruppieren sich zwei im Adobestil erbaute Langhäuser, zwei Kirchen und mehrere Kivas. Auf der Südseite stehen mehrere einstöckige Bauten. Vor den Häusern erheben sich igluartige Brotbacköfen sowie hölzerne Gestelle zum Trocknen von Früchten oder zur Lagerung von Holz. Die Taos-Indianer betreiben Landwirtschaft, Pferde- und Rinderzucht oder gehen außerhalb des Pueblos zur Arbeit. Die Bewohner von Taos gelten als besonders traditionsbewusst und religiös. Sie leben im Einklang mit der Natur. Diese Harmonie, sagen sie, darf nicht gestört werden. Wenn sie außer Balance gerät, sei die menschliche Existenz gefährdet. Alles was der Mensch von der Natur bekomme, müsse er ihr auch wieder zurückgeben. Taos Pueblo ist kein Museumsdorf. Es ist ein lebendiges Kulturerbe und ein Symbol der Ureinwohner Nordamerikas.

Im Süden Mexikos, dem flachen Land zwischen Pazifik und Karibik, lag einst das große Reich der Maya. Ihre Zeitrechnung und Geschichte reichte zurück bis ins vierte Jahrtausend vor Christus. Die Tempelstadt Palenque gilt als eine der prächtigsten Kultstätten der Maya. Das von Archäologen freigelegte Gelände zeigt nur einen kleinen Teil der einstigen Mayastadt, über die sich viele Jahrhunderte lang der Urwald ausbreitete. Der Palast, Zentrum der Tempelstadt, liegt auf einer großen künstlichen Plattform, die über eine mächtige, fast 70 Meter hohe Treppe zu erreichen ist. Überragt wird der Gebäudekomplex von einem vierstöckigen Turm, der wahrscheinlich als Observatorium diente. Warum Palenque im 10. Jahrhundert nach Christus verlassen wurde, können wir nur erahnen. Vermutlich gab es wegen der Bodenerosion nicht mehr genügend Nahrungsmittel und die Mayas wanderten in andere Städte ab.

In ihrer Blütezeit, der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends nach Christus, bauten die Maya die Stadt Chichen Itza. Doch schon wenige hundert Jahre später, noch bevor die spanischen Eroberer in Mexiko eintrafen, gingen die Maya samt ihrer hochentwickelten Kultur auf rätselhafte Weise unter. Urwald überwucherte die verwaiste Stadt, bis sie Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und freigelegt wurde. Seitdem suchen Archäologen nach dem Grund für den Untergang der Maya. Bis heute suchen sie vergeblich.

Ohne Zweifel steht sie an erster Stelle aller Mayastädte, was die Vielzahl der Skulpturen, Altäre und Stelen anbelangt: Copán. In der Blütezeit der Stadt lebten hier etwa 24 000 Menschen. Auf den meisten dieser Stelen ist der 13. Mayaherrscher abgebildet, der als "König der Künste" in die Geschichte eingegangen ist. Nach seinem Tod baute sein Nachfolger eine riesige Treppe. Auf ihr wurde in unzähligen Glyphen die Geschichte Copáns erzählt. Es ist die größte zusammenhängende Maya-Inschrift, die man bisher gefunden hat.

Machu Picchu, "Alter Gipfel" ist eine der größten Touristenattraktionen in Südamerika. Täglich besuchen mehr als 2000 Personen die Sehenswürdigkeit. Die UNESCO fordert eine Reduktion, um das Kulturerbe nicht zu gefährden und wehrt sich auch vehement gegen den geplanten Bau einer Seilbahn nach Machu Picchu, die den Touristenstrom weiter ansteigen ließe. Über die Stadt existieren keine Überlieferungen, weshalb nur Vermutungen angestellt werden können. Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt bis zu 4000 Einwohner hatte und Mitte des 15. Jahrhunderts gebaut wurde. Auch das Ende von Machu Picchu ist bis heute ungeklärt. Vermutlich war mit dem Zusammenbruch des Inkareichs auch der Untergang dieser Stadt unabwendbar. Dann holte sich der Urwald die Häuser, Tempel und Mauern zurück. Die Inka-Stadt Machu Picchu fiel in einen dreihundertjährigen Schlaf.

In dieser Sendung unterhält sich Max Moor mit dem Spitzenkoch Vincent Klink, der in Stuttgart sein Restaurant "Wielandshöhe" betreibt. Er ist nicht nur Koch, sondern auch Schriftsteller, Musiker, Entdecker und vor allem Genießer und Schwabe. Seine Philosophie beim Kochen: Tradition ohne Heimattümelei. Molekularküche und Amuse-Bouches sind seine Sache nicht. Ein Gericht, sagt er, soll wie eine Wanderung sein und mit jedem Biss besser werden. Er kocht für Menschen, die gerne genießen. Dazu gehört auch, die Zutaten so wenig wie möglich zu verfälschen - keine künstlichen Aromen, auch keine "Gemüseschnitzereien". Sein Ziel ist die Harmonie des Gerichtes, das mit Zunge und Gaumen, nicht mit den Augen, genossen werden soll.


(ARD/SWR/3sat)


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18:14
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Wo Kuba am schönsten ist

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Ganzen Text anzeigenDie Karibikinsel Kuba war jahrzehntelang geprägt durch seine schlechten Beziehungen zu den USA. Kuba war abgeschnitten vom Rest der Welt und konnte so seinen eigenen Charme entwickeln.

Eine Architektur zwischen Glamour und Zusammenbruch, Musik und Genuss, sie machen ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie Karibikinsel Kuba war jahrzehntelang geprägt durch seine schlechten Beziehungen zu den USA. Kuba war abgeschnitten vom Rest der Welt und konnte so seinen eigenen Charme entwickeln.

Eine Architektur zwischen Glamour und Zusammenbruch, Musik und Genuss, sie machen Kuba aus. So entführt der Film nicht nur in die Städte Kubas, sondern auch zu den berühmten Tabakplantagen im Valle de Vinales und zu Kubas zweitgrößter Stadt Santiago de Cuba.

Die Reise durch die größte Karibikinsel beginnt in Havanna. Diese schwül-warme Stadt mit ihrem morbiden Charme zehrt noch immer vom längst vergangenen Ruhm und Glamour. Die nächste Station ist "Valle de Vinales", die schönste Landschaft Kubas. Berühmt ist das Tal aber nicht nur seiner bizarren Kalksteinkegel wegen, hier wächst der angeblich beste Tabak der Welt. Aus ihm werden die berühmten "Havannas" gewickelt.

Weiter geht es nach Trinidad an Kubas Südküste. Die Stadt ist berühmt für ihre luxuriösen Prachtpaläste in spanisch-maurischer Mudéjar-Architektur. Zuckerbarone erbauten diese Häuser, ihren Reichtum verdankten sie den Arbeitern im nahen "Valle de los Ingenios", dem Tal der Zuckermühlen. Bis heute ist das Zuckerrohr, aus dem auch Rum hergestellt wird, Kubas wichtigstes Produkt.

Santiago de Cuba, die zweitgrößte Stadt Kubas, steht zu Unrecht im Schatten Havannas. Die Santiagueros sind temperamentvoller, auf den Straßen ist es fröhlicher als im fernen Havanna. In keinem anderen Ort Kubas sind dessen indianische, afrikanische und europäische Wurzeln so spürbar. Santiago de Cuba ist die Stadt des Karnevals und des Son, der Musik, die sich aus den Tänzen der afrikanischen Sklaven entwickelte.


(ARD/SWR/3sat)


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19:00
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Europas Hafenstädte

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Ganzen Text anzeigenDer Film stellt fünf sehr unterschiedliche Weltkulturerbestätten vor, die eines gemeinsam haben: Es sind europäische Häfen - Handelsplätze, Sehnsuchtsorte und Tore in die Welt.

Gezeigt wird das britische Liverpool, das belgische Brügge, die van Nelle Fabrik in ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDer Film stellt fünf sehr unterschiedliche Weltkulturerbestätten vor, die eines gemeinsam haben: Es sind europäische Häfen - Handelsplätze, Sehnsuchtsorte und Tore in die Welt.

Gezeigt wird das britische Liverpool, das belgische Brügge, die van Nelle Fabrik in Rotterdam, Speicherstadt und Chilehaus in Hamburg, sowie die sizilianische Hauptstadt Palermo.

Liverpool war im 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte des britischen Imperiums. 40 Prozent des Welthandels wurden damals über Liverpool abgewickelt. Ihren Wohlstand verdankte die Stadt auch dem Sklavenhandel. Zeugen dieser nicht immer ruhmreichen Vergangenheit sind die so genannten "Drei Grazien". Am Ufer des Mersey thronen prachtvoll das Royal Liver Gebäude, das Haus der Cunard - Reederei und das der Hafenbehörde. Sie sind Wahrzeichen von Liverpool.

Eine Naturkatastrophe hat den Aufstieg Brügges zu einem der bedeutendsten Handelsplätze Europas im Mittelalter zumindest begünstigt. Eine Sturmflut pflügte 1134 eine Rinne in die Meeresbucht Zwin und schuf einen direkten Zugang zur Nordsee. Brügge entwickelte sich zu einem der meistangelaufenen Häfen im Norden Europas, war bald Drehscheibe im internationalen Handel. Brügge erlebte sein Goldenes Zeitalter. Das Ende des 15. Jahrhunderts brachte den Niedergang. Der Zwin - Brügges Verbindung zur Nordsee - versandete. In der Folge lähmte jahrhundertelanger Stillstand die Stadt. Und auch die Industrielle Revolution ging an Brügge vorbei. Im Rückblick ein großes Glück - nichts wurde abgerissen, um Platz für Fabriken zu schaffen. Da auch die beiden Weltkriege Brügge verschonten, blieb die Altstadt nahezu erhalten.

Die Van Nelle Fabrik, erbaut 1926-1931, verkörpert wie das deutsche Bauhaus die architektonische Avantgarde der Klassischen Moderne. Funktionalität und Ästhetik gehen eine Symbiose ein, die bis heute Architekten inspiriert. Der Industriebau wurde nach dem amerikanischen Vorbild der Daylight Factory konzipiert. Um die Fabrikräume optimal zum Licht hin zu öffnen, fanden neue Techniken Anwendung. Dabei wurden Vorhangfassaden mit durchgehenden Fensterbändern vor eine tragende Konstruktion mit pilzförmigen Stahlbetonsäulen montiert. Rotterdam, der größte Seehafen Europas, wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig durch deutsche Bomben zerstört. In Schiedam, einem westlichen Vorort, steht die Van Nelle Fabrik. Bis 1995 werden hier Tabak, Kaffee und Tee verarbeitet.

Mit der Verwirklichung des Industriebaus profiliert sich Chefarchitekt Leendert van der Vlugt als vielversprechender Protagonist des Neuen Bauens. Doch die Van Nelle Fabrik ist eigentlich das Projekt des jungen Kees van der Leeuw, der von der Eigentümerfamilie bestimmt wird, die Verwirklichung in die Hand zu nehmen. Den Jungunternehmer interessieren amerikanische Produktionsmethoden. Er begeistert sich für moderne Architektur und abstrakte Malerei, ist Mitglied der Theosophischen Gesellschaft und Anhänger des spirituellen Lehrers Jiddu Krishnamurti. Mit der Van Nelle Fabrik verfolgt Kees van der Leeuw nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk, das die Rationalität industrieller Produktion, die Kunst des Neues Bauens sowie die Suche nach einem ganzheitlichen Menschenbild in sich vereinen soll. Der Bau selbst ist eine Pionierleistung der Ingenieurskunst.

Noch bis Ende 2002 trennt eine der letzten europäischen Grenzen "Zollausland" des Hamburger Freihafens von der Altstadt. 1888 als größtes Lagerhausensemble der Welt erbaut, trägt die Speicherstadt mit benachbartem "Chile Haus" seit Juni 2015 das Etikett UNESCO-Weltkulturerbe. Den Freihafenstatus ringt die Hansestadt 1881 Reichskanzler Bismarck ab: vereinfachter Handel als Gegenleistung für den Beitritt zum Deutschen Zollverein. In nur sechs Jahren stampfen die Hamburger das größte Lagerhausensemble der Welt aus dem Boden. Dafür muss ein ganzer Stadtteil weichen, knapp 20 000 Menschen werden in die bereits übervölkerte Altstadt vertrieben. Ein Opfer "zum Wohle des Handels".

Die Hansestadt steigt bis zu Beginn des ersten Weltkrieges nach London, New York und Rotterdam in die Liga der bedeutendsten Häfen der Welt auf. Lange gilt die Keimzelle des Hamburger Hafens als Monument der ruhmreichen Geschichte von hanseatischem Kaufmannsgeist und feinen Profiten in einer Stadt, die bis heute die meisten Millionäre des Landes zählt. Dass dieses rapide Wachstum nicht nur der Speicherstadt zu verdanken ist, sondern vor allem der von hanseatischen Kaufleuten angestoßenen rigorosen deutschen Kolonialpolitik, wird bis heute gerne unterschlagen. Reparationszahlungen nach dem ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise dämpfen den hanseatischen Kaufmannsgeist.

Dennoch beschließen die Hamburger, das bereits abgerissene "Gängeviertel" gegenüber der Speicherstadt neu zu bebauen. Devisen sind gefragt. In diese Bresche springt der reichste Hamburger Kaufmann seiner Zeit: Henry Barens Sloman, der mit dem Handel von Salpeter aus Chile ein Vermögen machte. Sloman beauftragt Fritz Höger, einen Absolventen der Hamburger Baugewerbeschule, mit Planung und Bauausführung des ersten "Hamburger Wolkenkratzers". Kaum ist das "Chile Haus" an Hamburgs Fischertwiete 1924 eingeweiht, nimmt es als "Ikone des Backsteinexpressionismus" einen prominenten Platz in der Architekturgeschichte ein. Während Sloman's Chile Haus, die Bombardements der Alliierten nahezu unbeschadet übersteht, überleben bis Kriegsende von 100 Speichern nur 58 die Hamburger Bombennächte. Bereits kurz nach Kriegsende beauftragt die "Hamburger Hafen- und Lagerhaus-AG" den jungen Altonaer Architekten Werner Kallmorgen mit dem Wiederaufbau der Speicherstadt. Bis Anfang der 1970er-Jahre beherbergen die wieder aufgebauten Speicherblöcke bis zu 25 000 Hafen- und Lagerarbeiter. Erst als der Schutenverkehr auf den Fleeten durch LKW abgelöst und der Handel auf Containertransport umgestellt wird, haben Quartiersmänner, Schauerleute, Winschmänner, Wäger, Tallymänner, Ewerführer und Küper ausgedient. Die einst umsatzstarken Tee- und Kaffeekontore ziehen ins Hamburger Umland, ebenso Gewürz-, Speiseöl- und Textilhandel. Was bleibt ist neben einigen Teppichhändlern wenig mehr als Folklore.

Anfang 2013 verliert die Speicherstadt auf Antrag des Hamburger Senats schließlich vollständig ihren Freihafenstatus und dadurch den entscheidenden Teil ihres ursprünglichen Zwecks. Um einem Totalabriss vorzubeugen, soll das einstige "Reich der Backsteingotik" möglichst attraktiv bleiben: als Milieugeber für die angrenzende HafenCity, einem gigantischen Neubauprojekt mit sündhaft teurem Wohnraum. Die Seele der alten Speicherstadt hingegen habe sich verflüchtigt, glaubt man einigen längst pensionierten Speicherarbeitern. Geblieben seien lediglich Fassaden für Agenturen, Theater, Kneipen und Souvenirläden.

Die Sizilianer erinnern sich gerne an die ferne, zwei Jahrhundert währende, arabische Episode ihrer Insel. Überall finden sich arabische Reminiszenzen: in der Architektur, in der Sprache, in Küche, Bräuchen, Grabmalen und auch im Prunk der Kathedralen. Doch vieles was arabisch scheint, ist in Wahrheit normannisch, so auch der Palast von Maredolca. Ein Beispiel für das Normannisch-Arabische Erbe, das die UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat.

Die Kulturgeschichte Siziliens ist labyrinthisch. Wie die unterirdischen Bewässerungssysteme. Der Palast befindet sich in Restauration, er wird auch Palast La Favara genannt und liegt in Brancaccio, einem der Viertel Palermos, die dem Besucher nicht ganz geheuer sind. Palazzo d'Emiro ist ein weiterer Name für dieses Gebäude, und als Emirspalast galt er auch in der wissenschaftlichen Literatur. Denkt man sich die abenteuerlichen Ein- und Anbauten weg, in denen bis vor einigen Jahren arme Familien, mit Genehmigung der zuständigen Paten und ohne Kenntnis der Behörden, ihre karge Bleibe hatten, so könnte man sich nichts leichter an diesem Ort vorstellen als einen arabischen Potentaten und seinen Hofstaat. Vor allem des riesigen Bassins wegen, heute bestenfalls ein Sumpf. Damals ragte der Palast wie eine Halbinsel in das Bassin und spiegelte sich in seinem Wasser.

Jüngste Ausgrabungen jedoch bewiesen: Sowohl der Palast als auch das Bassin wurden von Normannen gebaut, auf einem Fundament aus der Römerzeit. Normannische Ritter hatten Sizilien den Arabern im 11. Jahrhundert entrissen und ein eigenes Königreich begründet. Trotz aller über Jahrzehnte andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen waren sie es vermutlich, die als erste die arabische Epoche "mit einem gewissen Behagen" sahen. Denn sie zerstörten nicht, was sie vorfanden, sondern übernahmen, was ihnen gefiel. Die Eroberer, in der klugen Erkenntnis, dass sie keinen eigenen Stil zu bieten hatten, außer auf dem Schlachtfeld, passten sich den Eroberten an.

Noch einmal trifft Max Moor den Journalisten und Schriftsteller Joe Bauer, der mit scharfem Auge und scharfer Feder auch und besonders seine Stadt Stuttgart beobachtet. Sie treffen sich dieses Mal am Neckar und unterhalten sich über Städte am Wasser - Flüsse haben in Städten eine ganz besondere Bedeutung. Auch der Neckar taucht in Joe Bauers Kolumnen immer wieder auf.


(ARD/SWR/3sat)


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Faszination Wüste

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Ganzen Text anzeigenWüsten - so lebensfeindlich sie scheinbar sind, so sehr faszinieren diese Landschaften auch. Besonders Wüstenstädte vor dem Panorama der kargen Landschaft schlagen in den Bann.

Menschen, Tiere und Pflanzen können sich dem Leben in der Wüste anpassen und tun dies, ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenWüsten - so lebensfeindlich sie scheinbar sind, so sehr faszinieren diese Landschaften auch. Besonders Wüstenstädte vor dem Panorama der kargen Landschaft schlagen in den Bann.

Menschen, Tiere und Pflanzen können sich dem Leben in der Wüste anpassen und tun dies, seit tausenden von Jahren. Wo ausreichend Wasser vorhanden ist, sind Stätten und Zivilisationen entstanden, deren Kulturleistungen von der UNESCO gewürdigt wurden.

Ein grünes Paradies, wie die Sahara noch vor 10 000 Jahren, war die Namib am südlichen Ende von Afrika nie. Mit Landschaften, deren Ursprünge mehr als eine halbe Milliarde Jahre zurückreichen, ist die Namib eine der ältesten Wüsten der Erde. Namib bedeutet in der Sprache der Ureinwohner "Ort an dem Nichts ist". Endlose Fahrten über Sandpisten, einem Horizont entgegen, der kaum näher kommt, an dem flimmernde Berge und Seen locken, die sich als Fata Morgana erweisen, bestätigen zuerst den Eindruck des grenzenlosen "Nichts".
Nirgends auf der Erde hatte die Evolution mehr Zeit, sich den extremen Bedingungen anzupassen. Es gibt Gegenden in der Namib, in denen es fast nie regnet. Dass dort trotzdem Tiere und Pflanzen existieren, liegt an deren genialen Überlebensstrategien, die in Anbetracht des ungebremsten Klimawandels neue Bedeutung gewinnen.

Die vielleicht bekannteste Wüste der Welt ist die Sahara. Sie ist weit mehr als nur einförmige Dünenlandschaft. Im Süden der Sahara liegen zwei ganz unterschiedlichen Landschaften nebeneinander: Das Aïr, ein Gebirge, Mondlandschaft, Steinwüste, Felsenmeer, grau, schwarz, menschenfeindlich, schroff. Gleich daneben die Ténéré mit ihren ockerfarbenen, lieblichen Dünen von stetig wechselnden Formen. Vereinzelt Wadis, Täler mit spärlicher Vegetation in denen die letzten Wüstenbewohner als Nomaden zu überleben versuchen. Kamelkarawanen ziehen mit dem Salz der Wüste nach Süden. Eine Reise durch eine Landschaft die weder Straßen hat noch Wege. Die Wüste, sie verändert sich ständig, verschiebt ihre Grenze immer weiter nach Süden. Ihr Inneres trocknet immer weiter aus, Menschen und Tiere müssen die Wüste verlassen.

An den Ufern des Niger, im Herzen Malis, liegt die alte Handelsstadt Djenné. Die über tausend Jahre alte Stadt ist berühmt durch ihren Markt und ihre Moschee. Schon immer war Djenné ein Umschlagplatz für Waren aller Art, besonders für das Gold aus den westafrikanischen Minen. Als im 13. Jahrhundert der Sultan der Stadt zum Islam übertrat, schenkte er seinen Palast den Gläubigen, damit sie darin Allah verehren könnten. Die jetzige Moschee wurde nach dem Vorbild des Palastes genau an derselben Stelle errichtet. Der größte und schönste Lehmbau in der Sahelzone bietet 3000 Gläubigen Platz. Die Lehmarchitektur der Moschee ist Zeugnis davon, wie sich die Menschen in der Sahelzone den widrigen Gegebenheiten ihrer Umgebung angepasst und sich die Natur gefügig gemacht haben.

Zentrum islamischer Gelehrsamkeit - so zumindest stellte sich Timbuktu den Menschen des 19. Jahrhunderts dar, als nach Timbuktu zu gelangen noch ein gefährliches Abenteuer war. Einer, der diesen mythischen Ort in die Realität holte, war Heinrich Barth. Zwei Jahre lebte der deutsche Afrikaforscher in der Stadt, beschrieb die Leute in dem riesigen Haufen von Lehmwürfeln, die uralten Moscheen - ebenfalls aus Lehm und heute der Grund, dass Timbuktu Welterbe ist. Das Welterbe ist heute aber bedroht, sowohl von Umwelteinflüssen als auch durch Zerstörungen durch Islamisten, die besonders in den Jahren 2012 und 2013 zahlreiche Mausoleen und Gebäude verwüsteten.

Eine Oase am Dreiländereck zu Algerien und Tunesien, ein legendärer Ort in der libyschen Sahara ist Ghadames. Längst ist die Blütezeit der Stadt vergangen, als sich hier fünf Karawanenwege kreuzten und reiche Großhändler die Fäden des Saharahandels spannen. Heute leben die Menschen in der Neustadt, die in den 1970er Jahren von der Regierung bereitgestellt wurde. Allerdings pflegen sie noch ihre Wohnungen in der alten Lehmstadt. Dort verlaufen Gassen und Gänge wie in einem Labyrinth. Sie sind von Häusern überbaut, und so wähnt man sich unter der Erde. Umgürtet wird die Stadt von einem Ring aus Dattelpalmen. Die verlassene Stadt mit ihren altehrwürdigen Moscheen wird noch regelmäßig zum Freitagsgebet aufgesucht - und zum Mittagsschlaf älterer Leute. Und manch einer von ihnen umhegt noch den Palmengarten seiner Vorväter.

Bizarr und legendär, zählt das Wadi Rum in Jordanien zu den großartigsten Landschaften der Erde. Das Weltkulturerbe der UNESCO beherbergt zwischen Bergmassiven und Wüstensand seit 12 000 Jahren nomadische Kulturen. Im Freiheitskampf der Arabischen Völker gegen die Kolonialmächte, angeführt durch den Briten Thomas Edward Lawrence, wurde das sonst stille Wadi Rum 1917 zum Schlachtfeld und weltberühmt durch die Heldentaten von "Lawrence von Arabien" im gleichnamigen Hollywoodfilm, der am Originalschauplatz gedreht wurde. Das Wadi Rum in Jordanien ist ein Drama aus Stein, Sand, Licht und Zeit. Mensch und Tier sind angesichts der Monumentalität kleine, flüchtige Erscheinungen.

Die zivilisatorischen Dokumente im Wadi Rum reichen weit zurück. Mehr als 4000 Felszeichnungen, eingeritzt in den weichen Sandstein, stenographieren hieroglyphisch von Jagd und Tieren die Alltagsgeschichten jener Stämme vor 12 000 Jahren, die offensichtlich keine Mühe hatten in der extremen Natur zu überleben. Wasserquellen gab es bis heute genügend. Unter der Wüste des Wadi Rum befindet sich ein enormer Wasserspeicher. Die sogenannte Quelle von Lawrence von Arabien sprudelt noch immer, tränkt die Kamele, die Bewohner und den einsamen Baum, der, so die Einheimischen, 1000 Jahre alt sein soll. Es ist in manchen Bereichen auffällig grün in dieser Wüste, bodendeckendes Buschwerk, das den Kamelen als Futter und den Menschen als Holz zum Kochen dient.

Schon vor der Zeitrechnung durchwanderten die Karawanen das Land im vorderen Orient von Asien ans Mittelmeer und hinterließen bei den ansässigen Beduinen kulturelle Spuren. Wie auch die Nabatäer, die sich in dem Land zwischen Jordan und dem Roten Meer niederließen. Die Geschichte des Wadi Rum ist ewig und aktuell zugleich. Seine heutige Lage im Südwesten Jordaniens, zwischen Israel, Saudi Arabien und dem Roten Meer hat es immer als Land des Transits ausgewiesen. Ein bestechend schönes Terrain, ein Stück Erde, das sich trotz aller vorübergehenden Vereinnahmungen seinen Charakter und seine natürliche Anmut bewahren konnte - ein Stück Ewigkeit, in dem die Zeit still zu stehen scheint, während in den umliegenden territorialen Nachbarschaften die Weltgeschichte tobt.

Ein Schloss in der jordanischen Wüste, auf dem Weg von Bagdad nach Amman, erbaut im 8. Jahrhundert: Quasr Amra war nicht nur der Ort für geheime Gespräche. Im geräumigen Badetrakt ließen sich die omajadischen Kalifen verwöhnen. Das ganze Schloss zieren - heute verblasst und beschädigt - Fresken. Die Araber selbst waren ungeübt im Malen und ließen byzantinische Künstler zum Beispiel das Bild der Großen Badenden entwerfen.

Ein Ort, der von seinen Extremen lebt, zwischen satten Oasen und der lebensfeindlichen Bedrohung durch die Wüste. Al Ain, am östlichen Rand des Emirates Abu Dhabi gelegen, ist eine Stadt der Grenzbereiche. Geografisch gesehen dicht an der Landesgrenze zu Oman, aber geologisch betrachtet war die Oase immer ein Scheitelpunkt zwischen Zivilisation und dem "unendlichen Nichts" - der "großen Leere", wie die Beduinen die raue Wüste der arabischen Halbinsel seit jeher nennen. Seit rund 5000 Jahren ist die Oase besiedelt, das belegen die archäologischen Funde der einzigartigen Grabhäuserkultur aus der frühen Bronzezeit.

Grundlegend aber für die Existenz der Siedlung, die immer prächtiger mit Forts und Palästen ausgebaut wurde, war und ist noch immer ein raffiniertes, ebenfalls Jahrtausende altes Bewässerungssystem, Aflaj genannt. Die oft unterirdischen Kanäle versorgen die Oase mit reichlich frischem Wasser aus dem nahen Hadschar-Gebirge. 1350 Meter hoch, der Berg Jebel Hafit, eine überwältigende Aussichtsplattform im Rücken von Al Ain, an dessen Ausläufern die Beduinen ihre Toten bestatteten. Hier bläst der Wüstenwind und rundherum ein Meer aus über 1 Million Dattelpalmen, eine der größten Oasen überhaupt. Mit der Kultivierung der Dattelpalmen konnte Al Ain, das Quelle oder Auge bedeutet, seinen wichtigen Standort als Handelsplatz über Tausende von Jahren sichern.


(ARD/SWR/3sat)


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22:16
VPS 22:15

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Arabiens Metropolen

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenDie Metropolen der arabischen Welt sind in Aufruhr: Die teilweise jahrtausende alten Städte stehen unter dem Druck der Moderne, der Zerstörung und der Abwanderung.

Einige der hier vorgestellten Welterbestätten sind heute zerstört, oder in großer Gefahr. Besonders ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenDie Metropolen der arabischen Welt sind in Aufruhr: Die teilweise jahrtausende alten Städte stehen unter dem Druck der Moderne, der Zerstörung und der Abwanderung.

Einige der hier vorgestellten Welterbestätten sind heute zerstört, oder in großer Gefahr. Besonders die beiden syrischen Städte Aleppo und Damaskus wurden durch den Bürgerkrieg so zerstört, dass von deren einstiger Schönheit nur Filme wie dieser erzählen können.

Shibam, das sind 500 Hochhäuser aus Lehm auf engstem Raum, eine Skyline, die an Manhattan oder Chicago erinnert. Nur liegt Shibam in der Wüste, ist fast 2000 Jahre alt und war einst Hauptstadt der Oase Hadramaut im Jemen, eine reiche Stadt am Ausgangspunkt der Weihrauchstraße. In Hochhäusern lebte man aus Sicherheitsgründen, denn der Reichtum lockte stets fremde Krieger. Heute fühlen sich nur Touristen noch von Shibam angezogen. Die Shibamis selber ziehen nach und nach aus, denn es gibt längst keinen Grund mehr, in Hochhäusern zu wohnen - so eng beieinander. Deshalb ist die Stadt dem Verfall preisgegeben. Unaufhaltsam bröckelt die Skyline aus Lehm. Shibam steht auf der Liste der bedrohten Denkmäler des Weltkulturerbes.

Um den Titel der ältesten bewohnten Stadt der Welt streitet sich Sanaa mit Jericho. Unbestritten aber ist die Altstadt von Sanaa die schönere von beiden: 6000 reich verzierte Hochhäuser, 140 Moscheen, enge, verwinkelte Gassen voller Leben und ein Marktviertel, in dem das Handwerk noch blüht. Es ist eine Stadt zwischen Tradition und Moderne - wobei die Moderne deutlich die Oberhand gewinnt und das historische Bild der Stadt allmählich verändert. Alte Häuser werden durch neue, noch höhere ersetzt, und der alte Baustil muss zum Teil den neuen Wohnbedürfnissen weichen.

Vom dritten Jahrhundert vor Christus bis zur Übernahme durch das Römische Imperium im Jahre 106 unserer Zeitrechnung war Petra das Zentrum eines mächtigen Stammes im vorderen Orient, der Nabatäer. "Fels" bedeutet der Name der Totenstadt Petra im Tal Moses in Jordanien. Als Johann Ludwig Burckhardt, verkleidet als Scheich Ibrahim, 1812 die ehemalige Kultstätte der Nabatäer entdeckte, hatte die Natur diesen Platz bereits zurückerobert. Die hohen Fassaden, Gesimse, Halbsäulen und Giebel, der aus dem Stein herausgehauenen Monumente waren mit dem Stein gealtert. Wind und Regen haben ihr übriges getan. Natur und Kultur waren eins geworden. In diesem Zusammenspiel zeigt sich die über 2200 Jahre alte Nekropole dem heutigen Besucher.

Wenn die Karawanen damals in das Stadtgebiet von Damaskus einzogen, wurden sie empfangen von üppigem Grün, sprudelnden Wasserfontänen, kühlender Architektur. Die Dichter priesen die syrische Stadt als die Geheimnisvolle, die Lebendige, die Mutter aller Städte, die Perle des mittleren Ostens. Aleppo, die alte syrische Stadt, besaß den größten überdachten Markt der Welt. Hinter dem Antiocha-Tor aus dem 12. Jahrhundert begann der Suk - ein Basar aus kilometerlangen, größtenteils überdachten Ladenstraßen, die nach Waren streng geordnet waren. Der Bürgerkrieg hat dieses Welterbe zerstört. Ein großes Feuer vernichtete den historischen Basar im Jahr 2012. Der Film zeigt das quirlige Leben im Basar, die Arbeit der Händler und Handwerker vor der Zerstörung.

"Wer Kairo nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen. Ihre Erde ist aus Gold, ihr Nil ist ein Wunder, ihre Frauen sind wie schwarzäugige Jungfrauen aus dem Paradies, ihre Häuser sind Paläste, ihre Luft ist weich und duftend wie Aloeholz. Und wie könnte Kairo anders sein, ist es doch die Mutter der Welt." So steht es in den Geschichten aus 1001 Nacht geschrieben. Zahllose Geschichten findet man in an diesem Ort. Die Stadt ist so alt wie ihre Geschichten. Von den über 500 Moscheen stammen einige noch aus dem 9. und 10. Jahrhundert.

In dieser Sendung unterhält sich Max Moor mit Roland Welsch, einem Stuckateur und Restaurator. Sie sprechen unter anderem über den Baustoff Lehm, seine Geschichte und seine Verwendungsmöglichkeiten. Lehm und Kalk sind Spezialgebiete Welschs bei historischen Restaurierungen. Außerdem trifft Moor Bassam Al Machout, einen Stuttgarter Kaufmann. Er importiert und verkauft Alepposeife, eine spezielle und sehr alte Olivenöl- und Lorbeerseife - wahrscheinlich die erste feste Seife, die je hergestellt wurde. Trotz des Krieges wird sie noch immer in Familienbetrieben in Aleppo hergestellt und in die ganze Welt - auch nach Stuttgart - exportiert.


(ARD/SWR/3sat)


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23:46
VPS 23:45

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Kaiser, Konkubinen und Konfuzius - Chinas Welterbe


Ganzen Text anzeigenDie Ausstellung "Die 8 der Wege - Kunst in Beijing" ist die Ausgangsstation für Max Moors Reise zu den wichtigsten UNESCO-Welterbestätten Chinas.

Der Titel verweist auf die Suche der Kuratoren nach den vielfältigen Ausdrucksformen der jüngeren Künstlergeneration ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenDie Ausstellung "Die 8 der Wege - Kunst in Beijing" ist die Ausgangsstation für Max Moors Reise zu den wichtigsten UNESCO-Welterbestätten Chinas.

Der Titel verweist auf die Suche der Kuratoren nach den vielfältigen Ausdrucksformen der jüngeren Künstlergeneration im heutigen Peking. Die Zahl Acht gilt in der chinesischen Kultur als Glückszahl. Und im Deutschen klingt in "acht" "Achtung" an.

Zum Beispiel die Achtung vor den Künstlern und ihrer Arbeit. Die Ausstellung zeigt, dass es vielen chinesischen Künstlern immer weniger um ästhetische Fragen geht, sondern um die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Politik, Wirtschaft und Kultur ihres Landes.

Fast 9000 Kilometer windet sich die Chinesische Mauer durch die Landschaft. Kein anderes Menschenwerk kann man mit ihr vergleichen. Ihre Entstehung ist eine Geschichte des Leidens und der Erfolge. Chinas erster Kaiser Qin Shi Huangdi musste um 220 vor Christus die Angriffe der Hunnen abwehren. Um sich abzuschotten, ließ er eine Mauer errichten. Die Große Mauer aber war das noch nicht. Die wurde erst über 1000 Jahre später gebaut. Am Juyongguan-Pass nahe Peking hat sich ein Stück Mauer aus ältesten Zeiten erhalten - die sogenannte Wolkenterrasse. Von Buddhisten gebaut, kündet sie vom friedlichen Nebeneinander verschiedener Kulturen. Sie war einem Gott geweiht, dem "König des Himmels". Er sollte China beschützen, seine Krieger sollten die Feinde schrecken. Denn Abschreckung tat not: Immer wieder rannten Feinde gegen die Mauer an. Beim Bau der Mauer wurden zuerst zwei sieben Meter hohe Ziegelsteinmauern errichtet. Diese hatten einen Abstand von sieben Metern voneinander. Zwischen die beiden Mauern wurde Erde geschüttet und festgestampft. Hunderttausende Arbeiter sind bei dem Bau gestorben.

Vor 2200 Jahren formten Zwangsarbeiter die Armee des Qin Shi Huangdi aus Ton. Die Krieger waren als Schutztruppen für den Herrscher bestimmt. Denn der Kaiser fürchtete den Tod. Im Jenseits sollten die tönernen Soldaten erwachen und für ihn kämpfen. Gleich nachdem er den Thron bestiegen hatte, ließ Qin Shi Huangdi auch seine Grabanlage errichten. 700 000 Menschen mussten dafür zwölf Jahre lang arbeiten. In elf jeweils 230 Meter langen Reihen stehen des Kaisers Soldaten in Schlachtordnung. Selbst die Pferde ließ der Kaiser in Lebensgröße nachbauen. Auch sie sollten ihn im Jenseits beschützen. 1974 wurde die Terrakotta-Armee entdeckt. Beim Bau eines Brunnens fand ein Bauer den ersten Soldatenkopf. Eine Halle schützt heute die Ausgrabungen. Neben der Großen Mauer und der Verbotenen Stadt sind die Tonsoldaten Chinas größte Attraktion. Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Xian, der Hauptstadt des ersten chinesischen Kaiserreiches.

Konfuzius war vor 2500 Jahren einer von vielen Wanderpredigern und Weisen. Nach seinem Tod wurde er zum Begründer der chinesischen Staatsdoktrin. Konfuzius war schon lange tot, als ihm zu Ehren ein Tempel gebaut wurde. Von Dynastie zu Dynastie wurde dieser vergrößert. Wer früher den Konfuzius-Tempel in Qufu besuchte, hatte viel erreicht. Er war ein Anwärter auf ein hohes Staatsamt. Für die Mandarine, die hohen Beamten, war es Pflicht, nach Qufu zu pilgern. Beamte, ausgebildet nach Konfuzius Regeln, bestimmten bis ins 20. Jahrhundert die Geschicke Chinas. Jeder Kaiser besuchte vor seiner Inthronisation Qufu, Von Konfuzius selbst ist nichts Schriftliches überliefert. Erst Generationen später wurden seine Texte niedergeschrieben.


(ARD/SWR)


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0:31
VPS 00:25

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Russlands wilder Osten


Ganzen Text anzeigenDer Film zeigt drei Weltnaturerbestätten im Osten Russlands: Der Baikalsee, einer der größten Seen der Welt; die Polarinsel Wrangel Island und die Halbinsel Kamtschatka.

Im Herzen Sibiriens, an der Südostgrenze Russlands zur Mongolei, liegt ein Fünftel aller ...
(ARD/SWR)

Text zuklappenDer Film zeigt drei Weltnaturerbestätten im Osten Russlands: Der Baikalsee, einer der größten Seen der Welt; die Polarinsel Wrangel Island und die Halbinsel Kamtschatka.

Im Herzen Sibiriens, an der Südostgrenze Russlands zur Mongolei, liegt ein Fünftel aller flüssiger Süßwasserreserven der Erde. Der Baikal ist der tiefste und älteste See der Welt, seine Wasserfläche bedeckt ein Gebiet größer als Belgien.

Den Burjaten, den Ureinwohnern Zentralsibiriens, gilt der "Baygal nuur" - der "reiche See", als magischer Ort, als Wiege und Seele ihres Volkes. Der Rest der Welt sieht im Baikal schlicht ein Gewässer der Superlative.

Die Baikal-Region gilt Biologen als Galapagos-Archipel Russlands, als eines der artenreichsten Frischwasserbiotope unseres Planeten. Im Baikal lebt die weltweit einzige ausschließlich im Süßwasser vorkommende Robbenart, die "Nerpa" oder Baikalrobbe. 128 Fischarten bevölkern den See, zwei davon sind endemisch: der "Omul", eine Maränenart, und der "Golomjanka", der am tiefsten vorkommende Süßwasserfisch der Erde. Über 230 Arten winziger Flohkrebse klären das Wasser des Baikal auf natürliche Weise und sorgen damit für den extrem hohen Reinheitsgrad des Sees. Für die Bewohner der Dörfer entlang des Ufersaums eine nie versiegende Trinkwasserquelle. Gründe genug für die UNESCO, das "Blaue Auge der Erde" seit 1996 als Weltnaturerbe zu führen.

Die russische Halbinsel Kamtschatka ist ein Eldorado für Vulkanforscher. 168 Vulkane, unzählige Geysire und Schwefelseen markieren hier nur den sichtbarsten Rahmen für ein Phänomen, das Geowissenschaftler als das Herz des "Pacific Ring of Fire" deuten. Erdbeben und Vulkaneruptionen erschüttern die 1200 Kilometer lange Halbinsel im Wochenrhythmus. Ein Inferno, das Kamtschatkas Ureinwohner bereits seit knapp 14 000 Jahren als "Tor zur Hölle" fürchten. Die Fischer und Rentierhirten leben im Einklang mit den Elementen. Ihr Schicksal delegieren sie in eine Götterwelt, die sie vielfach noch heute aus der unberechenbaren Natur rekrutieren. Von all dem wusste man bis 1991 nahezu nichts. Die Russen riegelten die Halbinsel vor allem wegen ihrer Bodenschätze hermetisch ab. Im kalten Krieg war sie militärisches Sperrgebiet. In der Bucht vor der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskji lag die atomgetriebene U-Bootflotte der Sowjetmarine. Erst im Zuge des politischen Tauwetters zu Beginn der 1990er-Jahre fiel auch hier der Eiserne Vorhang. Geowissenschaftler und Völkerkundler entdecken nun allmählich ein nahezu unberührtes Paradies.

Verborgen hinter ganzjährigen Blizzards und einer monatelangen Polarnacht liegt Wrangel Island nur wenige Seemeilen vor der arktischen Packeisgrenze. Es ist das letzte unberührte Naturparadies nordwestlich der Beringstraße. Bei Wintertemperaturen bis unter - 40 Grad Celsius leben mehr als 1000 Polarbären, Moschusochsen und Rentiere neben Walrosskolonien, Robbenfamilien, Polarfüchsen, Wölfen und unzähligen kleineren endemischen Tier- und Pflanzenarten auf einer 7608 Quadratkilometer großen "Arche Noah" der letzten Eiszeit. Walfänger und Fischer lebten einst hier - bis das Militär kam. Heute ist die Natur wieder sich selbst überlassen. "Wir wissen mehr über die dunkle Seite des Mondes als über die Eiswüsten der Arktis": selten hat das Bonmot der Polarforscher mehr Gültigkeit als auf der "Ostrova Wrangel", einem abgelegenen Archipel am nordöstlichen Ende der Welt.


(ARD/SWR)


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1:16
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Glanz und Elend im Reich der Zaren -

Das Russische Welterbe

Erstausstrahlung

Ganzen Text anzeigenRussland ist reich an UNESCO-Weltkultur- und -naturerbestätten. Der Film unternimmt eine Reise zu diesen und erzählt ihre Geschichte.

Von Moskau geht die Reise über Sankt Petersburg, weiter zu den Holzkirchen Kishi Podgosts, zu den ehemaligen Lagern auf den ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenRussland ist reich an UNESCO-Weltkultur- und -naturerbestätten. Der Film unternimmt eine Reise zu diesen und erzählt ihre Geschichte.

Von Moskau geht die Reise über Sankt Petersburg, weiter zu den Holzkirchen Kishi Podgosts, zu den ehemaligen Lagern auf den Solowetzky Inseln, zum Kloster Sergijew Possad und in die Kleinstädte Wladimir und Susdal.

Die UNESCO hat den Kreml und den Roten Platz in Moskau zum Welterbe erklärt. Auf den Kreml mit seinen unzähligen Kirchen, prächtigen Palästen und der Schatzkammer richten sich immer noch die Blicke der Welt. Fürst Yuri aus Suzdal ließ im 11. Jahrhundert auf einem Hügel über der Moskwa eine Jagdhütte errichten. Aus dieser Hütte erwuchs die Festung Russlands, der Kreml. Es gibt ein russisches Sprichwort das lautet: "Über der Stadt ist der Kreml, über dem Kreml nur Gott." Das Wahrzeichen des Roten Platzes ist die Basiliuskathedrale. Sie erinnert an das Trauma Russlands, den Mongolensturm. Als Denkmal für den Sieg über die Mongolen ließ Iwan der Schreckliche diese Kirche erbauen. 8 Tage dauerte der entscheidende Kampf, für jeden Schlachttag wurde um den Hauptturm eine Kapelle errichtet.

Sankt Petersburg musste oft seinen Namen wechseln. Nach der Russischen Revolution hieß sie Petrograd. Nach Lenins Tod, Leningrad. Bis 1991 das Volk abstimmen durfte und den alten Namen wieder aufleben ließ. Max Moor erinnert in dem Film an den Mythos der Stadtgründung. Dort wo die Newa in die Ostsee mündet, suchte an einem nebligen Frühjahrstag im Jahr 1703 ein russisches Reitertrüppchen eine geeignete Stelle an der man für den Krieg gegen Schweden einen Hafen und eine Festung erbauen könne. Für den Zaren war dieses Sumpfgebiet ein Bild der Verheißung. Mit seinem Bajonett schnitt er zwei Streifen Torf aus dem Boden, legte sie in Kreuzform übereinander und sprach: "Hier soll eine Stadt entstehen."

Für die künftige Hauptstadt des größten Landes Europas hätte es keinen weniger geeigneten Ort geben können. Dennoch, an dieser Flussmündung entstand innerhalb von wenigen Jahren eine Stadt. 250 000 Leibeigene und Soldaten schufteten rund um die Uhr, um sie zu erbauen. Als Sankt Petersburg schließlich fertig war, wirkte sie wie eine Zauberstadt. Alles an ihr schien so glanzvoll, dass die Menschen sie schon bald mythisch überhöhten. Peter der Große wollte ein "Fenster zum Westen". Nur so könne sich im rückständigen Russland Kunst und Zivilisation entwickeln. In Amsterdam hatte der Zar als Zimmermann gearbeitet und dabei erfahren, was Modernität bedeutet. Deshalb sollte seine neue Stadt eine Hafenstadt sein mit Kanälen und Brücken. Das heutige Bild von St. Petersburg ist ein Mix aus Barock, Rokoko und Klassizismus.

Viele russische Adelige idealisierten das Bauernleben. Wie dieses Bauernleben einmal ausgesehen hat, das kann man auf der Insel Kishi Podgost im Onegasee sehen. Vielleicht ist hier die viel beschworene "russische Seele" ganz bei sich. Die Kirchen auf Kishi sind aus Holz. Wie viel wurde nicht sinniert und gedichtet über den Zusammenhang von Holz und russischer Seele. Holz, das Warme. Holz, das Starke, woran man sich stoßen aber nicht wirklich verletzen kann. Mit ihren 22 Holzkuppeln ist die Verklärungskirche der kühnste erhaltene Holzbau Russlands. Der Innenraum wird seit Ewigkeiten restauriert. Weit über die Hälfte der Balken ist völlig morsch. Ohne ein Gerüst würde die Kirche einstürzen. Sie ist ein Weltkulturerbe. Der Pfarrer würde sie trotzdem am liebsten abreißen. "Einfach auseinander nehmen und neu aufbauen. Kommt es auf das alte Holz an", meint er. "Nein. Auf den Glauben kommt es an." Aber jeder Tourist zahlt 12 Dollar Eintritt, und werden diese Touristen auch noch kommen, wenn die Kirche neu ist?

Fjodor Dostojewski schrieb einmal "Ich glaube, das wesentlichste geistige Bedürfnis des russischen Volkes ist das Bedürfnis, immer und unaufhörlich zu leiden. Mit diesem Lechzen nach Leid scheint es von jeher infiziert zu sein. Das russische Volk findet in seinem Leiden gleichsam Genuss." Diese russische Neigung zur Schwermut ist nach dem Philosophen Berdjajew das Ergebnis von historischen Ereignissen. In den Geschichtsbüchern kaum eines anderen Landes findet man eine derartige Anhäufung von Gräueln. Angefangen im Mittelalter mit der gnadenlosen Unterjochung durch die Tataren, über den erbarmungslosen Despotismus der Kirche und Zarentum bis hin zur lähmenden und bleischweren Atmosphäre auch geistiger Unterdrückung unter Stalin. An diese Leidenszeit erinnern die Solowetzky Inseln. Hier war das erste große Häftlingslager nach der russischen Revolution, das Modell des sowjetischen Lagersystems. Als Alexander Solschenizyn den Begriff Archipel Gulag prägt, dachte er dabei an den Archipel Solowki.

Die Religion spielte in Russland immer eine große Rolle. All seine Dichter des 19. Jahrhunderts fanden im Laufe ihres Lebens zur Kirche. Zu einer Kirche, die sich immer schon dem Zaren unterworfen hat. Seine Autorität durchzusetzen und zu bestätigen das war die Aufgabe des Klerus. Staatliche Erlasse wurden verkündet von der Kanzel herab, die Kirche übernahm auch staatliche Verwaltungsaufgaben und sie war in aller Regel auch zuverlässiger Spitzel. So manches Beichtgeheimnis landete bei der Polizei.

Die Kirche sorgte dafür, dass die Untertanen sich nicht auflehnten. So schrieb einer der Mitbegründer des Dreifaltigkeitsklosters von Sergijew Possad: "Gehorsam bedeutet, dass man auf jegliches Argumentieren verzichtet, angesichts alles überstrahlender Vernunft". Demütige Untertanen lassen sich nun mal leichter regieren. In Sergijew Possad, Russlands bekanntestem Kloster, zeigt sich aber auch, wie tief der Glaube in Russland noch immer sitzt und dass das Dreifaltigkeitskloster, wie andere Klöster und Kirchen in Russland auch, kein Denkmal sondern ein lebendiges Heiligtum der russisch-orthodoxen Christen ist.

In Wladimir steht die älteste erhaltene Kirche Russlands, "Maria Schutz und Fürbitte", 1165 gebaut. Ganz in der Nähe liegt Susdal, 180 Kilometer von Moskau entfernt und heute eine Kleinstadt, in der die Zeit still zu stehen scheint. Zur Zarenzeit mussten auf den Feldern fast sechstausend Bauern Fronarbeit leisten. Sie arbeiteten für die Klöster von Susdal. Fron und Feste, Tage und Jahre - das ganze Leben war im alten Russland nach dem Heiligenkalender geordnet. 988 nahmen die vereinigten Stämme der Rus das orthodoxe Christentum an. Diese Stämme bildeten später Russland.


(ARD/SWR/3sat)


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Von Nordlichtern, Geysiren und Wikingern

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Ganzen Text anzeigenEine Reise durch den Norden Europas, zu einer Vielfalt an Weltnatur- und -kulturerbestätten der UNESCO. Es geht vom Baltikum durch Skandinavien bis nach Grönland.

Von der Hansestadt Riga, über eine Holzkirche in Finnland geht es zu Landschaften in Schweden und ...
(ARD/SWR/3sat)

Text zuklappenEine Reise durch den Norden Europas, zu einer Vielfalt an Weltnatur- und -kulturerbestätten der UNESCO. Es geht vom Baltikum durch Skandinavien bis nach Grönland.

Von der Hansestadt Riga, über eine Holzkirche in Finnland geht es zu Landschaften in Schweden und Norwegen und schließlich noch weiter gen Norden, nach Thingvellir in Island und zu den Eisbergen des Ilulissat-Eisfjordes.

Die lettische Hansestadt Riga am Meer wurde von Bremer Kaufleuten gegründet. Für deutsche Ritter war das befestigte Bollwerk der Ausgangspunkt für die Eroberung des Baltikums. Baustile verschiedener Zeiten bestimmen das Stadtbild, hier findet man mittelalterliche Hansespeicher ebenso wie den sozialistischen Betonklotz. Besonders der Jugendstil hatte es den Einwohnern von Riga angetan. Um die Jahrhundertwende wurden ganze Stadtviertel in diesem Baustil erbaut. Durch die verschiedenen fremden Einflüsse entstand eine Mischkultur aus lettischen, deutschen, russischen und polnischen Elementen.

Die kleine Holzkirche von Petäjävesi im Herzen Finnlands ist ein Denkmal der einfachen Gläubigkeit der Menschen und des handwerklichen Könnens der Erbauer. In 35 Tagen entstand die Kirche im damals typischen Blockhausstil. Sie zählt heute zu den schönsten noch erhaltenen Schöpfungen finnischer Holzarchitektur. Der Grundriss der Kirche ist ein Kreuz mit gleichlangen Armen. Die logischen Proportionen dieser Kirchenkonstruktion mit ihrer achteckigen Kuppeldecke und kunstvollen Details haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Das Holz - innen wie außen - blieb unbemalt und entwickelte über 300 Jahre eine ungewöhnlich schöne Patina.

Verlässt man das schwedische Festland mit seinen dichten Wäldern auf der Kalmarsundbrücke gen Osten, begibt man sich schlagartig in eine andere, fast fremdartige Welt. Fast endlos zieht sich Stora Alvaret hin. Die baumlose große Felsebene im Süden Ölands ist eine der bizarrsten Landschaften Nordeuropas, ein extremer und nur schwer zu besiedelnder Lebensraum. An den meisten Tagen im Jahr weht ein unablässiger Wind über sie hinweg. An vielen Stellen tritt nacktes Gestein zu Tage. Eisige Stürme begraben im Winter die Alvar unter Eis und Schnee, während sie im Frühjahr an vielen Stellen unter Wasser steht. Und schon zeitig im Sommer liegt brütende Hitze über dem Land, lässt alles im Staub versinken. Doch wie durch Zauberhand verwandelt sich Stora Alvaret immer wieder in einen Blumengarten. Es ist ein Frühling fast wie am Mittelmeer.

Trotz der Widrigkeiten wurde die Alvar schon früh von Menschen besiedelt. Waren es zunächst große Trutzburgen, in denen sie wohnten, kamen später Streusiedlungen und in der fruchtbareren Küstenebene Reihendörfer hinzu. Ihren bescheidenen Wohlstand erwirtschafteten die Öländer vor allem durch Vieh, das sie auf die unfruchtbare Alvar trieben. Und selbst dem Fels konnten sie, wenn auch mit großen Mühen, noch etwas abgewinnen, denn gebrochen war der Kalkstein als Baumaterial im ganzen Ostseeraum begehrt. In Genügsamkeit und kluger Anpassung verstanden sie es, mit der kargen Alvar zu leben, einer archaischen Landschaft, die sich über Jahrtausende fast unverändert erhalten hat.

Unter den Fjorden Westnorwegens nimmt der Geiranger einen besonderen Rang ein. Wie kein anderer lockt der tief im Land zwischen hohen Bergen gelegene Fjord seit weit über hundert Jahren Touristen an: Naturfreunde, "Nordlandfahrer", wie einst der letzte Deutsche Kaiser, Wilhelm II., der immer wieder mit seiner Yacht "Hohenzollern" hier aufkreuzte. Sie alle ließen sich von einer Landschaft gefangen nehmen, die selbst Norwegens Königin Sonja nicht anders als mit dem Wort "majestätisch" zu kennzeichnen weiß. Sie tat dies in einem Gästebuch auf einem jener alten Bauernhöfe an den Steilufern des Fjords. Die Höfe liegen meist auf hohen Klippen und sind nur über steile Pfade zu erreichen. Bewirtschaftet wird heute keiner mehr, die letzten wurden in der Mitte des vorigen Jahrhunderts verlassen. Zu karg, zu mühselig und auch gefährlich war das Leben dort, in solch einer Einsamkeit.

Auf einer Landzunge, die tief in den Luster-Fjord reicht, steht die älteste Holzkirche Norwegens - die Stabkirche von Urnes. Von den 750 mittelalterlichen Holzkirchen zum Zeitpunkt der Reformation stehen heute noch knapp 30. Und obwohl archäologische Funde beweisen, dass es überall Stabkirchen in Nordeuropa gab, blieben sie nur in Norwegen erhalten. Vor über 850 Jahren ist die Stabkirche von Urnes gebaut worden. Auf einem besonderen Platz. Man nimmt an, dass hier bereits früher ein heidnisches Heiligtum gestanden hat. Diese Kirche ist nicht unbedingt typisch - keine Drachenköpfe, keine rätselhaften vorchristlichen Masken. Ihre Bögen und Kapitelle erinnern eher an eine romanische Basilika aus Stein. Die Vorbilder stehen in Rom, Ravenna oder Avignon, nicht in Skandinavien.

Was die kleine Kirche einzigartig macht, sind ein Portal und einige Wandplanken. Sie stammen von der Vorgängerkirche, die gerade hundert Jahre alt war, als man sie aus unbekanntem Grund abriss. Beim Bau der neuen Kirche wurden Bauteile der alten verwendet. Ihr Schnitzwerk ist einmalig, und der Name Urnes-Stil bezieht sich heute auf alle Arbeiten des Mittelalters, in der man diese Art von ineinander verschlungenem Getier und Gewächs wiederfindet. Nie jedoch in solcher Vollendung wie am Nordportal der Stabkirche von Urnes.

In Island kann man den Urgewalten bei der Arbeit zuschauen. Flüsse und Seen prägen das Bild der Landschaft, Gestein zerbröselt, Vulkane brechen aus, Wasserfälle springen aus den Bergen. Im Nationalpark Thingvellir trifft Islands Geschichte auf die Geologie. Hier treffen die eurasische und die nordamerikanische Erdplatte aufeinander. Die "Grenze" zwischen beiden Kontinenten ist eine fünf bis sechs Kilometer breite Zone, durchzogen von mehr oder weniger parallelen Klüften. Und hier wurde auch der Grundstein für die Republik Island gelegt. Die ersten Siedler kamen aus Norwegen und ließen sich um 870 nieder. Die Bevölkerungszahl wuchs rasch. Bald wurde der Ruf nach einem gemeinsamen Thing, einer Volksversammlung, laut. 930 trat im heutigen Thingvellir das erste gemeinsame Parlament, das Althing zusammen und markiert damit die Gründung des isländischen Staates.

Nirgendwo auf der nördlichen Halbkugel lässt sich das Kalben eines Gletschers eindrucksvoller beobachten, als am Ilulissat-Fjord an der grönländischen Westküste, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 35 Metern pro Tag schieben sich die Eismassen des Sermeq-Kujalleq-Gletschers unter mächtigem Getöse in den 1000 Meter tiefen Eisfjord. Nur aufgrund dieser Tiefe können die Eisberge, von denen nur rund ein Zehntel zu sehen ist, schwimmend den Fjord passieren, bis sie von der Isfjellbanken aufgehalten werden.

Die Isfjellbanken ist eine Moränen-Ablagerung, 200 Meter unter der Wasseroberfläche. An ihr laufen die großen Eisberge auf Grund und bewirken einen Stau. Erst wenn der Druck zu groß ist oder die Eisberge auseinander brechen, können sie die Schwelle überwinden und gelangen ins freie Meer, wo sie über die Baffinbucht nach Süden driften. Obwohl sie auf ihrer Reise immer kleiner werden und sich schließlich auflösen, können sie Schiffen gefährlich werden. So geschehen 1912, als an Bord der Titanic über 1500 Menschen den Tod fanden.

Bedeutsam ist der Ilulissat-Eisfjord, der seit 250 Jahren unter wissenschaftlicher Beobachtung steht, vor allem für die Gletscher- und Klimaforschung. So beobachten Wissenschaftler seit Jahren einen immer dramatischeren Rückgang des Sermeq Kujalleq Gletschers - Auswirkungen des globalen Klimawandels.


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Preußens Welterbe

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Ganzen Text anzeigenPreußen - ein Obrigkeitsstaat mit Hang zum Militärischen. Aber auch ein Staat, der vor allem unter Friedrich dem Großen kulturell viel geleistet und bleibende Werte geschaffen hat.

In Berlin und Brandenburg wollten die preußischen Herrscher die ideale Landschaft ...
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Text zuklappenPreußen - ein Obrigkeitsstaat mit Hang zum Militärischen. Aber auch ein Staat, der vor allem unter Friedrich dem Großen kulturell viel geleistet und bleibende Werte geschaffen hat.

In Berlin und Brandenburg wollten die preußischen Herrscher die ideale Landschaft und ein intellektuelles Zentrum schaffen. Lange vernachlässigt, sind sie heute Weltkulturerbestätten der UNESCO und erblühen zu neuem Leben.

Die Berliner Museumsinsel mit ihren fünf großen Sammlungsgebäuden, dem Alten und dem Neuen Museum, der Alten Nationalgalerie, dem Pergamon- und dem Bode-Museum bildet mitten in Berlin ein historisch gewachsenes Ensemble. Im Verlauf von 100 Jahren vollendet, spiegelt sie die architektonischen und museumspolitischen Vorstellungen mehrerer Generationen wider.

Die Museumsinsel war und ist auch Manifest deutscher Kulturpolitik. Im Krieg stark zerstört, wird sie denkmalgerecht wieder aufgebaut und restauriert. Dabei gilt es die Rekonstruktion mit den Kriterien des Denkmalschutzes zu vereinen. Die Museumsinsel, über 100 Jahre gebaut, Spielwiese von Monarchen und Ideologien, zerschnitten von Eisenbahn, Eitelkeit und Museumsstreit, die Prachtbauten, die sich einander gram den Rücken zuwenden, sie werden bald eine Einheit. Die Berliner Museumsinsel wird endlich zum Gesamtkunstwerk, zur Schatzinsel.

Inmitten eines kriegerischen Staates schuf sich Friedrich der Große mit den Schlössern von Sanssouci ein intellektuelles Zentrum, in dem er Europas geistige Elite um sich versammeln konnte. Die Schlösser in den eindrucksvollen Gartenanlagen sind Refugium in all den Kriegsgeschehnissen und Musentempel. Hier musizierte er, hier musste er nicht regieren, hier konnte er einfach nur Mensch sein.

Und so sind die Gebäude nicht prunkvoll und majestätisch, ihre Schönheit liegt vielmehr im Detail. Dem großen europäischen Geist war an der Harmonie von Kunst und Natur gelegen. Allein das Neue Palais bezeichnete er bewusst als Prahlerei, als Demonstration seiner Siege. Nicht nur die Bauten ziehen die Bewunderung der Besucher auf sich. Eine Parkanlage von erlesener Ruhe lädt zum Verweilen ein. An diesem Ort fühlte er sich ohne Sorge: "Quand je serai là, je serai sans souci."

Wer sich dem Weltkulturerbe "Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin" nähert, läuft Gefahr, von Schloss Sanssouci und seiner direkten Umgebung angezogen zu werden, wie die Motte vom Licht. Der Park Sanssouci mit seinem Lustschloss auf dem Weinberg ist so etwas wie das Herz der preußischen Parklandschaft. Er steht im Mittelpunkt, aber er steht nicht allein.

Das Kurfürstentum Brandenburg wurde, als es in die Hände der Hohenzollern kam, gemeinhin als landschaftlich reizlos und wirtschaftlich hoffnungslos betrachtet. In seinem Zentrum, um Potsdam und Berlin herum, eine ideale Landschaft schaffen zu wollen, war eine verwegene Idee. Anfangs ließen die Landesherren, jeder nach Geschmack, Talent, Neigung, Mode und Staatskasse, ihre Schlösser bauen und ihre Parks dazu gestalten. Friedrich der Große den Park Sanssouci voller offener und versteckter Bezüge und Bedeutungen, sein Neffe, Friedrich Wilhelm II., den Neuen Garten geheimnisvoll und esoterisch, die Pfaueninsel exzentrisch und irreal. Spätestens mit der Berufung des jungen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné jedoch begann die Zusammenfassung der Parks zu einem großen Landschaftskunstwerk.

In der Nachkriegszeit wurde es mit der Teilung der Welt in Ost und West zerschnitten, teilweise Sperrgebiet und Todesstreifen. Der Wert dieses Gesamtkunstwerks wurde nicht mehr erkannt. Auf der Pfaueninsel plante der West-Berliner Senat etwa einst den Bau eines Atomkraftwerks.


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Europas Osten

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Die Kulturdenkmäler hier deuten auf einen tiefverwurzelten Glauben hin. Viele Städte bezeugen die wechselhafte Geschichte Osteuropas und ...
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Text zuklappenVon Rumänien über Budapest und Prag nach Polen und in die Ukraine geht die Reise zu den UNESCO-Welterbestätten in Osteuropa.

Die Kulturdenkmäler hier deuten auf einen tiefverwurzelten Glauben hin. Viele Städte bezeugen die wechselhafte Geschichte Osteuropas und die vielfältigen Einflüsse, denen sie ausgesetzt waren. Sie künden auch von Kriegen und von Wiederaufbau.

Nach dem Fall Konstantinopels an die Türken, Mitte des 15. Jahrhunderts, sah sich Rumänien als letzte christliche Bastion des Abendlandes. Der Kampf gegen die irdischen Feinde, gegen Türken, Tartaren und Sarazenen war für die Bewohner Nordmoldawiens wie jener Kampf, den der Gläubige gegen den Teufel zu kämpfen hat. Aus diesem Glauben heraus wurden damals die Klöster Nordmoldawiens erbaut.

Sieben von ihnen zählen zum Weltkulturerbe, darunter Humor, Voronet, Sucevita und Moldovita. Um die Fülle des Glaubens darzustellen, wurden die Klosterkirchen nicht nur innen bemalt, sondern auch außen. Das war damals neu und einzigartig. Einzigartig auch die Art, wie die Bilder komponiert, wie Architektur und Fresko eine innere Einheit sind. Um die Farben wetterfest zu machen, wurden sie mit Kasein angemischt. Ihre Leuchtkraft hat bis heute nicht nachgelassen.

Die Hauptstadt Ungarns, Budapest, liegt in einer beeindruckenden Landschaft: Beiderseits der Donau zwischen ungarischem Mittelgebirge und großem Tiefland. Das Bild der Stadt ist geprägt von Zerstörung und Wiederaufbau. Auf den Fundamenten des Alten entstand das neue, heutige Budapest. Am rechten Donauufer liegen die Stadtteile Buda mit dem Burgberg und Obuda mit den Ruinen des alten römischen Legionslagers Aquincum, am linken Ufer der Stadtteil Pest. Türken und Römer hinterließen ihre Spuren. Im 18. Jahrhundert kamen die Habsburger unter Maria Theresia als Besatzer. Ihren Architekten verdankt die Burg ihre Wandlung zum heutigen Barockschloss.

Die Fülle an Kunstschätzen in Prag ist überwältigend. Die Majestätik der Burg, der Prunk der Adelspaläste und der Glanz barocker Kirchen, Zeugen einer tausendjährigen Stadtgeschichte. Hier wurde europäische Geschichte geschrieben: ausgelöst durch den Prager Fenstersturz, begann der Dreißigjährige Krieg, der ganz Europa in ein Schlachtfeld verwandelte. Unabhängig von Aufstieg und Fall war die Stadt an der Moldau immer eine Stadt mit drei Seelen: Tschechen, Deutsche und Juden prägten ihr Gesicht.

Die Bedeutung von Krakau liegt nicht in seiner Größe. Die Stadt hat 750 000 Einwohner. "Aber was für Menschen!" sagen die Krakauer. Die wahre Bedeutung Krakaus liegt darin, dass in der Stadt an der Weichsel die Wurzeln der polnischen Nationalidentität liegen. In der stürmischen tausendjährigen Geschichte des polnischen Staates war Krakau stiller Zeuge seines Anfangs, seiner Höhepunkte und seiner Untergänge. Schon im Jahre 1000 wurde hier ein Bistum gegründet und 1038 wurde Krakau vom König Kasimir dem Erneuerer zur polnischen Hauptstadt ernannt. Aus dieser Zeit stammen erste Bauten auf dem Wawalhügel.

Über Jahrhunderte wurden in Krakau polnische Monarchen gekrönt und auch begraben. In Krakau wurde die älteste Universität Polens gegründet. Durch sie wurde die Stadt zum Wissenschafts- und Kulturzentrum Osteuropas. n seiner Geschichte wurde Krakau mehrmals verwüstet und zertrümmert, u.a. von Tataren und Schweden. Jede Zerstörung der Stadt oder einzelner Teile war eine Gelegenheit, architektonische Änderungen einzuführen.

Während des zweiten Weltkriegs wurde das historische Zentrum von Warschau systematisch von den deutschen Truppen zerstört. Eine militärisch sinnlose Maßnahme mit dem Ziel, den Polen ihre Identität zu nehmen. Nach dem Krieg wurde die Warschauer Altstadt komplett wieder aufgebaut - so originalgetreu wie möglich. Entstanden ist ein mittelalterliches Viertel, an dem man genau studieren kann, wie damals gebaut und gelebt wurde. Auch das Königsschloss, das bedeutendste Symbol des selbständigen polnischen Staates, erstand in neuem Glanz. Heute ist das historische Zentrum von Warschau die jüngste Altstadt Europas - doch man sieht es ihr nicht im Geringsten an.

Lwow, L'vov, Lviv. Wo liegt Lemberg? In Galizien, Lodomerien, Wolhynien? Sagen wir: in der Ukraine. Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier und Italiener, Juden prägten die Stadt. Es gibt zwei Lesarten dieses Miteinanders: eine multikulturelle Erfolgsgeschichte und eine regelmäßige Wiederkehr von Aufständen, Pogromen. Je nachdem wie sich das europäische Machtgefüge und die Landkarten veränderten. Am besten beginnt man die Reise dort, wo die Geschichten enden: auf dem Friedhof Lytschakiv. Mausoleen mit kyrillischer Inschrift, die neben gefallenen Engeln thronen, die wiederum einen polnischen Helden beweinen. In schwarzen Marmor gemeißelte Porträts streng blickender sowjetischer Offiziere neben lieblichen Frauenköpfen über österreichischen Adligen. Nebeneinander und in Frieden - so wie in den legendären Zeiten, in denen Lemberg Zentrum war. Zentrum für Handel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Europa und Asien. Zentrum der Wissenschaften. Zeiten, zu denen Lemberg Tor war und nicht Sackgasse, bunt und nicht grau.


(ARD/SWR/3sat)