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November 2017
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Allerheiligen - Montag, 1. November
Programmwoche 44/2010
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6:05
Stereo-Ton16:9 Format

Hexenberg und Nebelgeister

Eine Winterreise zum Brocken

Film von Katrin Lindner

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100 Jahre alt ist die Wetterwarte ganz oben auf dem Brocken. "Blocksberg" oder "Hexenstieg" wird er auch genannt. Dort arbeitet Ingo Nitschke. Jeden Tag fährt der Meteorologe auf den Berg, der zwar nur knapp über 1.000 Meter hoch ist, es aber mit den klimatischen ...

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100 Jahre alt ist die Wetterwarte ganz oben auf dem Brocken. "Blocksberg" oder "Hexenstieg" wird er auch genannt. Dort arbeitet Ingo Nitschke. Jeden Tag fährt der Meteorologe auf den Berg, der zwar nur knapp über 1.000 Meter hoch ist, es aber mit den klimatischen Verhältnissen eines 3.000 Meter hohen Alpengipfels aufnehmen kann. Seit den ersten Wetteraufzeichnungen steht fest: Über 300 Tage im Jahr ist der Brocken im Nebel. Hart ist das Wetter dort zu allen Jahreszeiten, und von "hart" hat der Harz auch seinen Namen. Wenn sie dampft, stöhnt und ächzt, dann schmelzen Eisenbahner-Herzen: die Harzer Schmalspurbahn, ein 60 Tonnen schwerer Riese, liebevoll gepflegtes Relikt aus alten Zeiten. Obwohl das Steuern Knochenarbeit ist, ist sie auch heute noch beliebt. Bewerber für den Lehrberuf gibt es Hunderte, und Schulungen zum Ehrenlokführer sind immer ausgebucht. Es sind Ärzte, Ingenieure, Bäckermeister oder Handwerker, die in wenigen Tagen feuern und steuern lernen. Von alten "Haudegen" erfahren sie, wie dieses Wunderwerk der Technik ohne Zahnräder oder Seile den Berg erklimmt - und können es am Ende selbst fahren, vorbei am Hochmoor in Richtung Gipfel mit vom Wind gebeugten und entnadelten Bäumen. Am Fuß des Brockens hat Familie Thielecke ganz andere Sorgen: Es gilt, ihr Harzer Höhenvieh in Sicherheit zu bringen. Wird der Schnee im nördlichsten Mittelgebirge zu hoch, muss das seltene Rindvieh schnellstens in den Stall. Einst waren die rötlich-braunen Rinder überall im Harz zu Hause. Doch dann verkündete die DDR mit einem Parteitagsbeschluss das Ende der Zucht. Vor elf Jahren wurden in einer Samenbank zufällig die Spermien von einem Stier entdeckt. Seitdem züchtet das Ehepaar Thielecke das Harzer Höhenvieh wieder. Mit Erfolg, inzwischen besteht die Herde aus 225 Tieren.
Katrin Lindner war rund um den Brocken unterwegs und erzählt vom Leben der Menschen im winterlichen Harz.


6:20
Stereo-Ton16:9 Format

Die begehbare Bratwurst ...

... und andere Wunder des deutschen Ostens

Film von Gert Anhalt

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Es gibt kaum ein Land im Nahen, im Mittleren und im Fernen Osten, das Reporter Gert Anhalt nicht bereist hat. Aber der andere, der nahe liegende Osten, blieb ihm auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch fremd: "Der deutsche Osten war für mich eine Landkarte voller schwarzer, ...

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Es gibt kaum ein Land im Nahen, im Mittleren und im Fernen Osten, das Reporter Gert Anhalt nicht bereist hat. Aber der andere, der nahe liegende Osten, blieb ihm auch 20 Jahre nach dem Mauerfall noch fremd: "Der deutsche Osten war für mich eine Landkarte voller schwarzer, mitunter sogar tiefschwarzer Flecken", gibt Anhalt zu. "Ich hatte keine Ahnung, wo das sächsische Vogtland liegt, und dass 'Tote Oma' nicht notwendigerweise einen Trauerfall in der Familie, sondern auch eine Grützwurst bezeichnet. Und von Fassbrause hatte ich auch noch nie was gehört. Echte Wissenslücken!" Also fasst sich Gert Anhalt ein Herz und bricht auf. Am liebsten navigiert er abseits von großen Menschenansammlungen. Dabei entdeckt er etwa das Grabgelege der sprichwörtlichen Pappenheimer in Gräfenthal und eins der wenigen gut erhaltenen subaqualen Darmbäder in der ehemaligen Arbeiterheilstätte Bad Gottleuba. Gert Anhalt findet heraus, warum Eric Clapton und Johnny Cash ohne den Ort Markneukirchen so nicht denkbar wären und lernt in Rockensußra, worauf man achten muss, wenn man einen Kampfpanzer zerlegen will. Mit dem Besuch eines engagierten Schlossherrn kann er beweisen, dass durchaus nicht alle Westdeutschen mit ihren Ost-Immobilien unglücklich geworden sind, und im Spreewald begreift er, dass das vereinte Deutschland immer noch tief gespalten ist - vor allem zwischen den Liebhabern milchsaurer und den Liebhabern essigsaurer Gurken.
Eine "Safari" in jene geheimnisvollen Bundesländer, die immer noch als "neu" bezeichnet werden.


7:05
Stereo-Ton16:9 Format

Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland (1/5)

Vom Dreiländereck ins Coburger Land

Film von Ralf Blasius und Michael Gärtner

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Überquert man die frühere Trennlinie zwischen Ost und West, sucht man oft vergebens nach den letzten Überbleibseln ehemaliger deutscher Zweistaatlichkeit. Denn nachdem die Grenze 1989 gefallen war, fassten Naturschützer einen kühnen Plan: Der gesamte Grenzstreifen vom ...

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Überquert man die frühere Trennlinie zwischen Ost und West, sucht man oft vergebens nach den letzten Überbleibseln ehemaliger deutscher Zweistaatlichkeit. Denn nachdem die Grenze 1989 gefallen war, fassten Naturschützer einen kühnen Plan: Der gesamte Grenzstreifen vom tschechischen Dreiländereck bis hinauf zur Ostsee sollte zum Naturschutzgebiet erklärt werden. Mit über 1.400 Kilometern wäre dies das längste Naturschutzgebiet Europas geworden. Der Plan ließ sich zwar nicht vollständig in die Tat umsetzen, doch immerhin stehen heute fast 80 Prozent des ehemaligen Grenzstreifens unter Naturschutz. Das "Grüne Band" ist zwar eher eine "Grüne Kette" von Naturschutzgebieten, aber immer noch ein großer Erfolg.
In der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland" macht sich Tierfilmer Andreas Kieling auf den Weg, um die Landschaft entlang des Grenzstreifens neu zu entdecken. Der Weg beginnt im Dreiländereck bei Hof und endet an der Nordsee zwischen Lübeck und Mecklenburg. Die erste Folge führt vom Dreiländereck ins Coburger Land.

Die weiteren Folgen der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland" zeigt 3sat im Anschluss, ab 7.50 Uhr.


7:50
Stereo-Ton16:9 Format

Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland (2/5)

Hohe Rhön und weites Werratal

Film von Ralf Blasius und Michael Gärtner

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Die Basaltfelsen der Rhön sind vulkanischen Ursprungs und über 20 Millionen Jahre alt. Im Mittelalter gab es dort noch weite Buchenurwälder. Durch großflächige Rodungen entstand "das Land der offenen Fernen", wie man es heute kennt.
In der zweiten Folge der ...

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Die Basaltfelsen der Rhön sind vulkanischen Ursprungs und über 20 Millionen Jahre alt. Im Mittelalter gab es dort noch weite Buchenurwälder. Durch großflächige Rodungen entstand "das Land der offenen Fernen", wie man es heute kennt.
In der zweiten Folge der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland", einer Entdeckungsreise entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, besucht Andreas Kieling das Schwarze Moor, eines der größten Hochmoore Europas, und macht einen kurzen Halt bei den Rhönschafen. Im Werratal findet er ein wunderschönes Gebiet vor, in dem Industrie und Natur allerdings sehr nahe beieinander liegen. Der Reichtum dieser Region ist Salz, das dort in den Tiefen des Bodens liegt. Salzberge wie der "Monte Kali" sind weit verbreitet, aber die Natur dieser Region und besonders die Werra leiden unter dem erhöhten Salzgehalt des Grundwassers.


8:35
Stereo-Ton16:9 Format

Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland (3/5)

Wildnis Harz

Film von Ralf Blasius und Michael Gärtner

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Mit dem Brocken ist der Harz das höchste Gebirge Norddeutschlands. In den urwüchsigen Wäldern gibt es einen heimlichen Herrscher - den Luchs. Die elegante und scheue Katze ist seit der Jahrtausendwende wieder heimisch. Ihr Überleben und das einiger anderer seltener ...

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Mit dem Brocken ist der Harz das höchste Gebirge Norddeutschlands. In den urwüchsigen Wäldern gibt es einen heimlichen Herrscher - den Luchs. Die elegante und scheue Katze ist seit der Jahrtausendwende wieder heimisch. Ihr Überleben und das einiger anderer seltener Harzbewohner ist eng mit der Geschichte des Eisernen Vorhangs verknüpft. Die Naturschutzgebiete der ehemaligen Grenzregion liefern ihnen die nötigen Rückzugsräume, und seit es die Grenze nicht mehr gibt, haben sie auch ausreichend Bewegungsfreiheit.
In der dritten Folge der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland", einer Entdeckungsreise entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, stehen die letzten Raubtiere Deutschlands im Mittelpunkt.


9:20
Stereo-Ton16:9 Format

Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland (4/5)

Berlin grenzenlos

Film von Ralf Blasius und Michael Gärtner

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Berlin, die deutsche Metropole, ist eine "Landschaft", bei der die Kontraste besonders stark hervortreten. Isoliert musste die Stadt als Insel mehrere Jahrzehnte überstehen. Nun entsteht langsam ein neuer Kontakt mit der Umgebung. Wildschweine und Füchse machen den ...

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Berlin, die deutsche Metropole, ist eine "Landschaft", bei der die Kontraste besonders stark hervortreten. Isoliert musste die Stadt als Insel mehrere Jahrzehnte überstehen. Nun entsteht langsam ein neuer Kontakt mit der Umgebung. Wildschweine und Füchse machen den Anfang und kehren in die Berliner Parks zurück - nicht immer zur Begeisterung der Bewohner. Neben diesen kleinen Paradiesen inmitten der Steinwüste sind auch die Randbereiche und Grenzzonen attraktiv für Tiere.
In der vierten Folge der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland" stellt sich Andreas Kieling der Herausforderung, die Natur der Großstadt zu entdecken.


10:00
Stereo-Ton16:9 Format

Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland (5/5)

Von der Elbe an die Ostsee

Film von Ralf Blasius und Michael Gärtner

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Die beiden nördlichsten Länder Deutschlands, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, sind gleichzeitig auch diejenigen mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Dort ist die Natur noch am ursprünglichsten. Genau deshalb hat Mecklenburg-Vorpommern einen ...

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Die beiden nördlichsten Länder Deutschlands, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, sind gleichzeitig auch diejenigen mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Dort ist die Natur noch am ursprünglichsten. Genau deshalb hat Mecklenburg-Vorpommern einen Sonderstatus. Die wirtschaftlich schwache Region ist auf den Tourismus angewiesen, und mit ihrer verträumten Seenplatte und den vorgelagerten Inseln hat die Landschaft beste Voraussetzungen. Im Grenzbereich ist es die Elbe, die die Landschaft geprägt hat, wie kein zweiter Fluss. Die Erinnerung an die Elbhochwasser ist immer noch hellwach und damit auch die Gewissheit, dass man mit der Natur und nicht gegen sie leben muss.
Die letzte Folge der fünfteiligen Reihe "Andreas Kieling: Mitten im wilden Deutschland" führt nach Norddeutschland.


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10:45
Stereo-Ton16:9 Format

Der Neandertaler-Code -

Das Geheimnis des ersten Deutschen

mit Guido Knopp

(aus der Reihe "ZDF-History")

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Er ist eine Ikone der Archäologie: der Neandertaler. Seit der Entdeckung des Eiszeitmenschen 1856 im Neandertal bei Düsseldorf treibt die Wissenschaft die Frage um, wieviel vom Neandertaler im modernen Menschen steckt. Das Rätsel ist jetzt gelöst: Bis zu vier Prozent ...

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Er ist eine Ikone der Archäologie: der Neandertaler. Seit der Entdeckung des Eiszeitmenschen 1856 im Neandertal bei Düsseldorf treibt die Wissenschaft die Frage um, wieviel vom Neandertaler im modernen Menschen steckt. Das Rätsel ist jetzt gelöst: Bis zu vier Prozent Neandertaler-Gene trägt jeder moderne Mensch in sich. Das ergibt die Entschlüsselung des Neandertalergenoms durch ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts in Leipzig. Ein Quantensprung in der Wissenschaft. Wann und wo mischten sich moderne Menschen und der rätselhafte Urzeitjäger, der vor rund 30.000 Jahren von der Bildfläche verschwand? Welche menschlichen Fähigkeiten und Eigenschaften gehen auf den Neandertaler zurück? Warum starben die Neandertaler aus?
Der Film präsentiert den Stand der Erforschung eines der größten Rätsel der Menschheit.


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11:30
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Die Deutschen (1/10)

Otto und das Reich

Film von Christian Feyerabend

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Als Otto I. in der Pfalzkapelle von Aachen zum König gekrönt wurde, ließ er sich nach altem Brauch von den deutschen Fürsten huldigen. Um solche Ehrerbietung musste er künftig allerdings ringen, denn immer wieder lehnten sich die Territorialherrscher gegen den ...

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Als Otto I. in der Pfalzkapelle von Aachen zum König gekrönt wurde, ließ er sich nach altem Brauch von den deutschen Fürsten huldigen. Um solche Ehrerbietung musste er künftig allerdings ringen, denn immer wieder lehnten sich die Territorialherrscher gegen den Monarchen auf. Die vier Ur-Stämme, Sachsen, Bayern, Schwaben und Franken, empfanden sich wohl erstmals im Jahre 955 als eine Schicksalsgemeinschaft: Die Ungarn waren immer wieder zu räuberischen Streifzügen in das ostfränkische Reich Ottos I. eingedrungen. In der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg stellten sich Aufgebote der "deutschen" Stämme den Angreifern entgegen und besiegten sie. Dieses Erlebnis einte, stärkte den Monarchen und schuf so etwas wie gemeinsame Identität. Otto I. ließ sich 962 in Rom von Papst Johannes XII. zum Kaiser krönen und blieb mit seinem Gefolge mehr als zehn Jahre in Italien. Dort wurden die Männer aus dem Norden, ob Franken oder Sachsen, von den Einheimischen pauschal "tedesci" - "Deutsche" - genannt - in Anlehnung an das germanische Wort "thiudisc" - "die Sprache des Volkes redend". Otto der Große galt nicht nur als Einiger, sondern auch als Förderer des geistigen und kulturellen Lebens. Sein Reichskirchensystem stärkte den Klerus, die Klöster erlebten ihre erste Blüte. Durch die Krönung Ottos in Rom verschmolz deutsches Königtum mit der Tradition christlich-römischen Kaisertums. Dies war nicht nur eine Zier, sondern auch eine Bürde, denn damit hatte Otto die Pflicht, außer deutschen Landen auch Papst und Kirche mitsamt Ländereien zu beschützen.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Erste Folge.

Die weiteren neun Folgen von "Die Deutschen" zeigt 3sat im Anschluss, ab 12.15 Uhr.


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12:15
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Die Deutschen (2/10)

Heinrich und der Papst

Film von Friederike Haedecke

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Es ist der Moment der tiefsten Erniedrigung: Barfuß im Büßergewand kniet der deutsche König Heinrich IV. im Schnee vor der Burg Canossa und fleht um die Aufhebung des Kirchenbanns, den der Papst über ihn verhängt hat. Vergibt der Papst ihm nicht, verliert Heinrich ...

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Es ist der Moment der tiefsten Erniedrigung: Barfuß im Büßergewand kniet der deutsche König Heinrich IV. im Schnee vor der Burg Canossa und fleht um die Aufhebung des Kirchenbanns, den der Papst über ihn verhängt hat. Vergibt der Papst ihm nicht, verliert Heinrich seine Krone. Der "Gang nach Canossa" steht seit Jahrhunderten sprichwörtlich für die schlimmste Selbsterniedrigung eines Kontrahenten in einer Auseinandersetzung. Im Winter 1077 fand eine Auseinandersetzung ihren Höhepunkt, die die mittelalterliche Welt erschüttert hatte. Im sogenannten Investiturstreit stritten Papst Gregor und der deutsche König Heinrich um nichts Geringeres als die beherrschende Machtposition in der christlichen Welt. Im Kern ging es um die Frage, ob der Papst über dem Kaiser steht oder der Kaiser über dem Papst. Als Heinrich dem Papst trotzig den Gehorsam verweigerte, belegte ihn der Pontifex mit dem Bann, was einer faktischen Absetzung gleichkam. Heinrich zahlte mit gleicher Münze heim und erkannte dem "falschen Mönch", wie er den Papst nannte, die Amtsgewalt ab. Als sich die deutschen Fürsten auf die Seite des Papstes schlugen und sich gegen Heinrich IV. stellten, musste der Salier-König einlenken. Durch Schnee und Eis begab er sich über die Alpen und fiel vor dem Papst in Canossa auf die Knie. Hatte so viel Demut das deutsche Königtum nicht beschädigt? Vielleicht war es auch eine historische Tat, mit der Heinrich IV. sein "regnum teutonicum" zusammenhielt. Womöglich hätte der deutsche Hochadel das einende Band gelöst, falls der Monarch sich nicht unterworfen hätte. Heinrichs Rechnung jedenfalls ging auf. Indem er sich selbst erniedrigt hatte, rettete er seine Macht als deutscher König. Seinen Kontrahenten unter den Fürsten, den "Gegenkönig" Rudolf von Rheinfelden, bezwang er auf dem Schlachtfeld.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Zweite Folge.


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13:00
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Die Deutschen (3/10)

Barbarossa und der Löwe

Film von Friedrich Klütsch und Daniel Sich

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Friedrich I., "Barbarossa" - Rotbart - genannt, aus der Dynastie der Staufer galt als glanzvoller, tatkräftiger, tugendhafter Herrscher. Als König von Deutschland, von Burgund und Italien sowie als Kaiser des Römischen Reiches kämpfte er für Deutschland, nahm aber ...

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Friedrich I., "Barbarossa" - Rotbart - genannt, aus der Dynastie der Staufer galt als glanzvoller, tatkräftiger, tugendhafter Herrscher. Als König von Deutschland, von Burgund und Italien sowie als Kaiser des Römischen Reiches kämpfte er für Deutschland, nahm aber seine Aufgabe als Schutzherr der Römischen Kirche besonders ernst. So war er hin und her gerissen zwischen deutschen und internationalen Belangen. Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, war Vetter und Gefolgsmann, aber auch Gegner Friedrich Barbarossas. Er galt als skrupelloser Mehrer seiner Besitztümer, erschloss aber auch neue Ostgebiete für das Reich, betrieb eine planmäßige Siedlungspolitik und Christianisierung. Als Städtegründer machten sich "der Löwe" wie auch Barbarossa einen Namen. Als der Herzog dem Kaiser die Gefolgschaft verweigerte, wurde er in die Verbannung geschickt. Bald nach seinem Aufbruch zu einem Kreuzzug nach Jerusalem ertrank der Kaiser.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Dritte Folge.


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13:45
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Die Deutschen (4/10)

Luther und die Nation

Film von Friedrich Klütsch und Daniel Sich

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Zunächst war er nur ein einfacher Mönch, ein zweifelnder und mit sich hadernder Theologe. Dann wurde aus Martin Luther eine epochale Figur, die wie kein anderer zuvor die Deutschen einte und spaltete. Der Reformator war einer der ersten, der Geschichte schrieb, indem er ...

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Zunächst war er nur ein einfacher Mönch, ein zweifelnder und mit sich hadernder Theologe. Dann wurde aus Martin Luther eine epochale Figur, die wie kein anderer zuvor die Deutschen einte und spaltete. Der Reformator war einer der ersten, der Geschichte schrieb, indem er explizit an nationale Gefühle appellierte. Es war die Epoche des Habsburger Kaisers Karl V., der sich nach alter Tradition als Herrscher von Gottes Gnaden und Verteidiger der christlichen Einheit verstand. Weltliche und geistliche Macht standen damals nach wie vor auf den Fundamenten des römischen Christentums. Doch ob Fürsten oder Stände, Bauern oder Bürger der Städte: Viele witterten im Laufe der Reformation die Chance, auf Distanz zu Rom und dem Kaiser zu gehen und ihre Stellung im Machtgefüge der Zeit zu verbessern. Anders als der Habsburger Karl V., der nicht einmal der deutschen Sprache mächtig war, entwickelte sich Luther zur Identifikationsfigur, wurde ungemein populär. "Wie kämen die Deutschen dazu, sich die Räuberei und Schinderei durch Fremde gefallen zu lassen", hieß es in einer Schrift. Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, verbreitete damit Sprache und Wissen, legte auch dadurch ein Fundament wachsender deutscher Identität. Die Menschen sollten in den Genuss kommen, "dass man deutsch mit ihnen redet".
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Vierte Folge.


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14:30
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Die Deutschen (5/10)

Wallenstein und der Krieg

Film von Martin Carazo Mendez

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Der Friede zwischen den Konfessionen blieb brüchig. Weiterhin stritten Protestanten und Katholiken um die politische und religiöse Vorherrschaft im Reich und in Europa. Durch den Prager Fenstersturz 1618 eskalierte der Konflikt. Er mündete in einem der schrecklichsten ...

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Der Friede zwischen den Konfessionen blieb brüchig. Weiterhin stritten Protestanten und Katholiken um die politische und religiöse Vorherrschaft im Reich und in Europa. Durch den Prager Fenstersturz 1618 eskalierte der Konflikt. Er mündete in einem der schrecklichsten aller Kriege auf deutschem Boden: Der Dreißigjährige Krieg dezimierte die Bevölkerung, verwüstete das Land und machte Deutschland zum europäischen Schlachtfeld. Ferdinand II., machtbewusster Vertreter der Gegenreformation und mit habsburgischen Herrschaftsansprüchen auf den Kaiserthron, wollte in letzter Minute das Rad der Geschichte zurückdrehen und den Protestantismus gewaltsam eindämmen. Das dazu notwendige Heer beschaffte ihm der böhmische Landedelmann und Kriegsorganisator Albrecht von Wallenstein. Unter seinem Kommando wurde die kaiserlich-katholische Herrschaft wieder bis an die norddeutschen Meere vorgeschoben, bis Schweden auf der Seite der Protestanten eingriff - ein entscheidender Wendepunkt. 1635 kam es in Prag zu einem vom Kaiser und von den Fürsten ausgehandelten Frieden "für das geliebte Vaterland der hochedlen Teutschen Nation". In einer nationalen Aufwallung beschlossen die deutschen Fürsten, Protestanten und Katholiken, nie wieder gegeneinander zu kämpfen. Doch einmal mehr zeigte sich, dass ein deutscher Alleingang von den Mächten in Europa nicht hingenommen wurde. Das Gemetzel dauerte noch weitere 13 Jahre, bis der Westfälische Frieden 1648 geschlossen wurde, der zwar nicht künftige Kriege, aber ein "fundamentalistisches" Inferno wie in den Jahren zuvor verhindern konnte. Es war ein Schritt hin zum modernen Völkerrecht.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Fünfte Folge.


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15:15
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Die Deutschen (6/10)

Preußens Friedrich und die Kaiserin

Film von Annette Tewes

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Österreich war bereits eine Großmacht, Preußen wollte es noch werden. Es kam zu einer dramatischen Rivalität zweier Monarchen, die unterschiedlicher kaum sein konnten: die lebensfrohe Habsburgerin Maria Theresia aus dem katholischen Wien und der verschlossene ...

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Österreich war bereits eine Großmacht, Preußen wollte es noch werden. Es kam zu einer dramatischen Rivalität zweier Monarchen, die unterschiedlicher kaum sein konnten: die lebensfrohe Habsburgerin Maria Theresia aus dem katholischen Wien und der verschlossene Hohenzollern-König Friedrich II. aus dem protestantischen Potsdam. Die eine baute das gigantische Schloss Schönbrunn nach dem Vorbild von Versailles, der andere ließ sich das kleine Rokokoschloss Sanssouci errichten. Zwei Regenten, die sich nie persönlich begegneten. Beide wollten uneingeschränkte Alleinherrscher sein, aber keine Despoten. Ihrem eigenen Staat zu dienen, hielten sie für ihre oberste Pflicht. Die Interessen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aber waren zweitrangig. Unter beiden Regentschaften herrschten kulturelle Blüte und Vielfalt. Johann Sebastian Bach komponierte Musik für Friedrich den Großen, in den vielen kleinen Territorien gab es viele kleine Mäzene, die ihre Architekten, Poeten, Maler und Musiker beschäftigten. Es war die Zeit des aufkommenden Sturm und Drang, Lessing, Goethe und Schiller verfassten zeitlose Werke, die Wiege der deutschen Kulturnation. Der "Dualismus" der beiden Mächte - verkörpert durch die Herrscher Friedrich II. "der Große" und Maria Theresia - läutete schließlich das Ende des alten Reiches ein und bestimmte die deutsche Geschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Sechste Folge.


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16:00
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Die Deutschen (7/10)

Napoleon und die Deutschen

Film von Stefan Brauburger

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Ausgerechnet ein fremder Kaiser, nämlich der französische Kaiser Napoleon I., katapultierte die Deutschen durch Eroberungen und Reformen in ihr nationales Zeitalter. Kein anderer zuvor hatte mehr dazu beigetragen, dass die Deutschen zueinander fanden - auch wenn dies nur ...

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Ausgerechnet ein fremder Kaiser, nämlich der französische Kaiser Napoleon I., katapultierte die Deutschen durch Eroberungen und Reformen in ihr nationales Zeitalter. Kein anderer zuvor hatte mehr dazu beigetragen, dass die Deutschen zueinander fanden - auch wenn dies nur geschah, um den verhassten Korsen wieder los zu werden. Der Eroberer veränderte die Landkarte, erzwang die Abdankung des Habsburgers Franz II. als römisch-deutscher Kaiser und gab dem alten Reich den Todesstoß. Er schaffte sich 1806 mit dem sogenannten Rheinbund ein deutsches Protektorat - unter Ausschluss Preußens und Österreichs. In den deutschen Staaten fanden grundlegende Reformen statt, doch Männer wie Freiherr vom Stein, einer der prominentesten "preußischen Reformer" und der Antagonist Napoleons auf deutschem Boden, wollten durch mehr Freiheit und Mitbestimmung Kräfte wecken, aus Untertanen patriotische Bürger machen, aus Berufssoldaten eine Volksarmee, die Bonaparte die Stirn bieten sollte. Als Napoleon im Juni 1812 mit 600.000 Soldaten in Russland einmarschierte, waren mehr als ein Drittel seiner Truppen Deutsche: Der Drang zur Weltmacht führte in die militärische Katastrophe. Mit Napoleons letzter Schlacht 1815 in Waterloo war sein Schicksal besiegelt. Auf dem Wiener Kongress wurde über die Zukunft Deutschlands und Europas entschieden. Träumten manche deutschen Bürger seit den Befreiungskriegen von der nationalen Einheit, kam es nun immerhin zu einem lockeren Zusammenschluss von 35 souveränen Fürsten und vier freien Städten.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Siebte Folge.


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16:45
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Die Deutschen (8/10)

Robert Blum und die Revolution

Film von Peter Hartl

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Werdegang und Wirken des liberalen Leipziger Stadtverordneten Robert Blum stehen geradezu prototypisch für das revolutionäre Ringen um mehr Demokratie in Deutschland. Mit Leidenschaft kämpfte er für eine echte Teilhabe des Volkes an der Macht und glaubte dabei an einen ...

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Werdegang und Wirken des liberalen Leipziger Stadtverordneten Robert Blum stehen geradezu prototypisch für das revolutionäre Ringen um mehr Demokratie in Deutschland. Mit Leidenschaft kämpfte er für eine echte Teilhabe des Volkes an der Macht und glaubte dabei an einen friedlichen Wandel auf dem Boden von Recht und Verfassung. Freiheit und Einheit, das waren die Ziele vieler Deutscher, die genug von polizeistaatlicher Bevormundung und Fremdbestimmung hatten. Im März 1848 wurden aus braven Untertanen entschiedene Barrikadenkämpfer - ob in Wien, Berlin oder anderen Städten. Es war ein Volksaufstand, wie es ihn nie zuvor in der deutschen Geschichte gegeben hatte. Bauern verbrannten die Grundbücher ihrer Gutsherren: Tagelöhner, Handwerker und Studenten lieferten sich blutige Straßenschlachten mit fürstlichen Soldaten. Die Fürsten sahen sich gezwungen, ihre Regierungen auszutauschen und Mitsprache zu gewähren. Zum ersten Mal trat am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche eine frei gewählte Nationalversammlung zusammen, um über Grundrechte und die nationale Einheit zu beraten: Dies war die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland. Einer der maßgeblichen Wortführer der Paulskirche war Robert Blum.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation".
Achte Folge.


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17:30
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Die Deutschen (9/10)

Bismarck und das Deutsche Reich

Film von Friedrich Scherer

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Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck ebnete den Weg zum ersten deutschen Nationalstaat. Mehr als ein Jahrhundert lang hatte der Dualismus Preußen-Österreich die Politik bestimmt. 1866 kam es zum Bruderkrieg. In der Schlacht von Königgrätz siegte überraschend ...

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Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck ebnete den Weg zum ersten deutschen Nationalstaat. Mehr als ein Jahrhundert lang hatte der Dualismus Preußen-Österreich die Politik bestimmt. 1866 kam es zum Bruderkrieg. In der Schlacht von Königgrätz siegte überraschend Preußen dank der Eisenbahn und eines besseren Gewehrs, Österreich wurde damit förmlich aus der deutschen Geschichte gedrängt. Der Norddeutsche Bund von 1866, unter preußischer Führung, war die Vorstufe zum geeinten Deutschland wenige Jahre später - die südlichen Länder wie Bayern, Baden und Württemberg blieben zunächst außen vor. Das änderte sich mit dem Krieg gegen Frankreich 1870. Der gemeinsame Gegner schmiedete die Deutschen zusammen. Im Januar 1871 hob Bismarck im Schloss von Versailles den preußisch-deutschen Nationalstaat aus der Taufe. Die nationale Hochstimmung der Bevölkerung übte einen derartigen Druck auf die Kabinette der süddeutschen Staaten aus, dass der Zusammenschluss mit dem Norddeutschen Bund geradezu alternativlos erschien. Das von Bismarck geschaffene Reich war das erste geeinte Deutschland, aber es war ein Fürstenbund. Nicht das Volk war der Souverän, die Reichs-Regierung wurde nicht vom Parlament gewählt. Bismarck dachte in den Dimensionen des europäischen Gleichgewichts. Für ihn war Deutschland "saturiert", gerade groß genug, um - neben Frankreich - nicht noch andere Gegner auf den Plan zu rufen. Bismarcks Bündnispolitik ist ein Paradebeispiel für den Umgang mit der sensiblen deutschen Mittellage. Aber bald mehrten sich die Stimmen, dass Deutschland unbedingt Weltmacht sein müsse.
Neunte Folge.


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18:15
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Die Deutschen (10/10)

Wilhelm und die Welt

Film von Ricarda Schlosshan

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"Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich Euch entgegen", verkündete der junge Hohenzollern-Kaiser Wilhelm II. 1892, zu Beginn der Epoche, die später nach ihm benannt wurde. Für die Mehrheit des deutschen Bürgertums aber wurde er zum Sinnbild ...

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"Zu Großem sind wir noch bestimmt, und herrlichen Tagen führe ich Euch entgegen", verkündete der junge Hohenzollern-Kaiser Wilhelm II. 1892, zu Beginn der Epoche, die später nach ihm benannt wurde. Für die Mehrheit des deutschen Bürgertums aber wurde er zum Sinnbild eigenen Strebens nach Glanz und Größe. Die Fassade von Pickelhauben und Paraden war symptomatisch für die "verspätete Nation". Der Pomp überspielte vieles. Die innere Einigung Deutschlands war ins Stocken geraten, der junge Staat blieb in sich gespalten. Alte territoriale wie konfessionelle Gegensätze boten Konfliktstoff, im industriellen Aufschwung taten sich tiefe soziale Gräben auf. Der Reichstag, allen voran die stark anwachsende Sozialdemokratie, forderte mit der Zeit ein Ende des "persönlichen Regiments" Wilhelms II. Der Kaiser beschimpfte die Partei der Linken als "vaterlandslose Gesellen". Wilhelm II. verfolgt andere Visionen als der Gründungskanzler Bismarck. Dieser hatte der Welt vor Augen führen wollen, dass sich der neu gegründete Staat friedlich in das Konzert der Mächte einfügen konnte. Der junge Hohenzoller aber wollte Kaiser einer Weltmacht sein, die mit den anderen Großmächten mithalten konnte. "Am deutschen Wesen", hieß es in nationalistischen Kreisen, "solle die Welt genesen", notfalls unter militärischem Druck. So bildete sich ein internationales Bündnis gegen Wilhelms Reich. Der daraus resultierende Erste Weltkrieg wurde zum ersten industriellen Vernichtungskrieg, zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.
Die zehnteilige Dokumentarreihe zur Geschichte der Deutschen spannt den Bogen von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Sie zeichnet ein Jahrtausend wechselvoller Vergangenheit nach und rekonstruiert die Entstehungsgeschichte einer "föderativen Nation". Letzte Folge.


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heute

anschl. 3sat-Wetter


Aktuelle, informative Beiträge und Live-Schaltgespräche zu den Topthemen des Tages aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft und Sport liefert die ZDF-Nachrichtensendung.


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Krupp - Mythos und Wahrheit

Die Dokumentation

Von Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg

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Der Name ist ein Mythos. Ihr Stahl galt als der härteste der Welt: Die Krupps waren über 100 Jahre lang Deutschlands mächtigste und erfolgreichste Industriellendynastie. Sie herrschten über das größte Rüstungsunternehmen des Deutschen Reichs und schmiedeten die ...

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Der Name ist ein Mythos. Ihr Stahl galt als der härteste der Welt: Die Krupps waren über 100 Jahre lang Deutschlands mächtigste und erfolgreichste Industriellendynastie. Sie herrschten über das größte Rüstungsunternehmen des Deutschen Reichs und schmiedeten die Waffen für Preußens Könige, Kaiser und den Diktator Adolf Hitler. In der Familiengeschichte der Krupps spiegelt sich die deutsche Geschichte des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts wider. Die Familienmitglieder selbst galten als scheu und zurückhaltend. Der Erfolg verlangte einen hohen Preis von ihnen. Immer wieder musste das persönliche Glück hinter den Erfordernissen des Unternehmens zurücktreten. Viele Firmeninhaber starben, obwohl reich und angesehen, einsam und verlassen, bis der letzte Krupp 1967 das Unternehmen von der Familie löste.
Für den Film "Krupp - Mythos und Wahrheit" blicken Sebastian Dehnhardt und Manfred Oldenburg hinter die Kulissen dieser außergewöhnlichen Familie. Sie decken bislang unbekannte Fakten auf und zeigen, welche Tragik hinter dem unaufhaltsamen Aufstieg der Familie steckte. Nachkommen der Krupps äußern sich in überraschender Offenheit über ihre Familiengeschichte und gewähren intime Einblicke in die Welt ihrer Vorfahren.


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20:00
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Tagesschau



ARD-Nachrichten aus dem In- und Ausland auf den Punkt gebracht.
(ARD)


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20:15
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Krupp - Eine deutsche Familie (1/3)

Fernsehfilm, Deutschland 2009

Darsteller:
Bertha Krupp (alt)Iris Berben
Bertha Krupp (jung)Valerie Koch
Alfried Krupp (alt)Benjamin Sadler
Alfried Krupp (jung)Theo Trebs
Margarethe KruppBarbara Auer
Fritz KruppFritz Karl
und andere
Buch: Christian Schnalke
Regie: Carlo Rola

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1957: Im Speisesaal der Villa Hügel sitzt die Familie in angespanntem Schweigen beisammen. Arndt, der 19-jährige Sohn und Alleinerbe von Alfried Krupp, ist zum Abendessen gekommen - doch seine Großmutter Bertha schiebt Kopfschmerzen vor, um ihn nicht willkommen heißen ...

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1957: Im Speisesaal der Villa Hügel sitzt die Familie in angespanntem Schweigen beisammen. Arndt, der 19-jährige Sohn und Alleinerbe von Alfried Krupp, ist zum Abendessen gekommen - doch seine Großmutter Bertha schiebt Kopfschmerzen vor, um ihn nicht willkommen heißen zu müssen. Der sensible, extravagante Enkel Arndt entspricht nicht ihren Erwartungen an einen Kruppschen "Thronfolger". Als Alfried seine Mutter zur Rede stellt und fordert, sie müsse seinen Sohn akzeptieren, kommt es zu einem heftigen Streit: Es ist die erste offene Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen, die jahrzehntelang ihren Groll und ihre Enttäuschung voreinander verborgen haben.
Erste Folge des dreiteiligen Fernsehfilms über die einstmals mächtigste deutsche Industriellenfamilie. Das historische Drama, das einen Zeitraum von 1900 bis 1967 umspannt, verbindet packende Emotionalität mit authentischer Geschichtsdarstellung. Die Familiengeschichte, von der Glanzzeit bis zum Niedergang der Firma und der Familie Krupp, wird in großen, chronologisch geordneten Rückblenden erzählt. Der Film konzentriert sich dabei auf die beiden wichtigsten Gestalten der Krupp-Dynastie im 20. Jahrhundert, Bertha Krupp und ihren Sohn Alfried, gespielt von Iris Berben und Benjamin Sadler. In weiteren Hauptrollen sind unter anderen Barbara Auer, Fritz Karl, Heino Ferch, Thomas Thieme und Valerie Koch zu sehen.

3sat zeigt die weiteren Folgen von "Krupp - Eine deutsche Familie" im Anschluss ab 21.45 Uhr.


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21:45
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Krupp - Eine deutsche Familie (2/3)

Fernsehfilm, Deutschland 2009

Darsteller:
Bertha Krupp (alt)Iris Berben
Bertha Krupp (jung)Valerie Koch
Alfried Krupp (alt)Benjamin Sadler
Alfried Krupp (jung)Theo Trebs
Margarethe KruppBarbara Auer
Fritz KruppFritz Karl
und andere
Buch: Christian Schnalke
Regie: Carlo Rola

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1957: Bertha erleidet einen gefährlichen Rückfall. Auch Alfried, der sich noch immer nicht mit ihr versöhnen kann, hat der Streit innerlich aufgewühlt. Mit Harald spricht er darüber, wie sie ihre Kindheit erlebt haben und was Krupp für beide bedeutet. Rückblende auf ...

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1957: Bertha erleidet einen gefährlichen Rückfall. Auch Alfried, der sich noch immer nicht mit ihr versöhnen kann, hat der Streit innerlich aufgewühlt. Mit Harald spricht er darüber, wie sie ihre Kindheit erlebt haben und was Krupp für beide bedeutet. Rückblende auf 1920: Die Krupps sind den Unruhen im Ruhrgebiet glücklich entkommen und verbringen den Sommer in Schloss Blühnbach, dem österreichischen Jagdschloss der Familie. Dort bekommt Bertha ihr sechstes Kind: Waltraud. Für die Kinder ist es eine befreiende Erfahrung, so viel Zeit im Freien und fernab des strengen Hügel-Regiments verbringen zu dürfen. Doch bei Krupp in Essen ist die Umstellung auf "Friedensproduktion" nicht leicht: Gustav sieht sich gezwungen, Tausende Arbeiter zu entlassen. Alfried, der bisher von einem Hauslehrer unterrichtet wurde, möchte auf eine öffentliche Schule gehen. Er sehnt sich nach Kontakt mit "normalen" Gleichaltrigen. Doch die Distanz zwischen ihm und den anderen Jungen scheint unüberwindbar.
Zweite Folge des dreiteiligen Fernsehfilms über die einstmals mächtigste deutsche Industriellenfamilie. Der Film konzentriert sich dabei auf die beiden wichtigsten Gestalten der Krupp-Dynastie im 20. Jahrhundert, Bertha Krupp und ihren Sohn Alfried, gespielt von Iris Berben und Benjamin Sadler. In weiteren Hauptrollen sind unter anderen Barbara Auer, Fritz Karl, Heino Ferch, Thomas Thieme und Valerie Koch zu sehen.


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23:10
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Krupp - Eine deutsche Familie (3/3)

Fernsehfilm, Deutschland 2009

Darsteller:
Bertha Krupp (alt)Iris Berben
Bertha Krupp (jung)Valerie Koch
Alfried Krupp (alt)Benjamin Sadler
Alfried Krupp (jung)Theo Trebs
Margarethe KruppBarbara Auer
Fritz KruppFritz Karl
und andere
Kamera: Frank Küpper
Buch: Christian Schnalke
Regie: Carlo Rola

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Alfried berichtet seinem Bruder Harald, warum er nach dem Krieg die Firma wieder aufbauen wollte - und weshalb es ihm so wichtig ist, dass Bertha seinen Sohn Arndt endlich akzeptiert. Zu Arndt, der von einem teuren Internat aufs nächste geschickt wird, findet Alfried ...

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Alfried berichtet seinem Bruder Harald, warum er nach dem Krieg die Firma wieder aufbauen wollte - und weshalb es ihm so wichtig ist, dass Bertha seinen Sohn Arndt endlich akzeptiert. Zu Arndt, der von einem teuren Internat aufs nächste geschickt wird, findet Alfried keinen Zugang. Der sensible und etwas überspannte Junge ist zutiefst enttäuscht von dem Mangel an menschlicher Wärme, den er bei seinem Vater erlebt. Alfried wandelt schließlich das Unternehmen in eine Stiftung um. 1967 stirbt er.
Letzte Folge des dreiteiligen Fernsehfilms über die einstmals mächtigste deutsche Industriellenfamilie. Der Film konzentriert sich dabei auf die beiden wichtigsten Gestalten der Krupp-Dynastie im 20. Jahrhundert, Bertha Krupp und ihren Sohn Alfried, gespielt von Iris Berben und Benjamin Sadler. In weiteren Hauptrollen sind unter anderen Barbara Auer, Fritz Karl, Heino Ferch, Thomas Thieme und Valerie Koch zu sehen.


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0:45
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Das Wunder von Bern

Die wahre Geschichte

Film von Guido Knopp und Sebastian Dehnhardt

(Erstsendung: 27.4.2004)

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Am 4. Juli 1954 warteten Millionen Deutsche vor ihren Radiogeräten auf das erlösende Wort: "Aus, aus, auuus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister, schlägt Ungarn mit drei zu zwei Toren im Finale in Bern!", jubelte Rundfunkreporter Herbert Zimmermann. Seine ...

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Am 4. Juli 1954 warteten Millionen Deutsche vor ihren Radiogeräten auf das erlösende Wort: "Aus, aus, auuus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister, schlägt Ungarn mit drei zu zwei Toren im Finale in Bern!", jubelte Rundfunkreporter Herbert Zimmermann. Seine Stimme erklang an diesem Tag nicht nur in den Wohnzimmern und Kneipen zwischen Kiel und Konstanz, sondern ebenso von Rostock bis Suhl: Die Menschen in der DDR fieberten mit. Es war mehr als eine Sensation, denn die westdeutsche Mannschaft war als Außenseiter in dieses Spiel gegangen. Auf ungarischer Seite hingegen wirbelte ein wahres "Puszta-Ballett", das in über 30 Spielen ungeschlagen war. Diese Top-Mannschaft besiegen - das war wie der Steinschlag Davids gegen Goliath.
Der Film "Das Wunder von Bern", ausgezeichnet mit dem Deutschen Fernsehpreis 2004, zeichnet ein präzises und zugleich bewegendes Bild der Fußballweltmeisterschaft von 1954 - mit umfangreichen Ausschnitten aus dem Finale, fünf Toren in Farbe, Neuaufnahmen in High Definition sowie Spielern und Zeitzeugen aus Deutschland und Ungarn. Außerdem zeigt die Dokumentation, was aus Siegern und Verlierern geworden ist.


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2:15
Stereo-Ton

Mythos Marlene

Die Dietrich und das "Dritte Reich"

Film von Matthias Unterburg und Günther Klein

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Sie war der Hollywood-Star, den Hitler für seine Propaganda gewinnen wollte. Immer wieder versuchten seine Mittelsmänner, Marlene Dietrich (1901 - 1992) zur Rückkehr ins nationalsozialistische Deutschland zu überreden. Sie sollten scheitern. Marlene Dietrich lehnte ...

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Sie war der Hollywood-Star, den Hitler für seine Propaganda gewinnen wollte. Immer wieder versuchten seine Mittelsmänner, Marlene Dietrich (1901 - 1992) zur Rückkehr ins nationalsozialistische Deutschland zu überreden. Sie sollten scheitern. Marlene Dietrich lehnte selbst die lukrativsten Angebote ab. Sie war kein politischer Mensch, aber das Übel des Nationalsozialismus hatte sie früh erkannt. Als lebendes Gegenbeispiel für das nationalsozialistische Frauenbild wurde sie deshalb in Deutschland nach 1933 totgeschwiegen und geächtet. Adolf Hitler blieb trotzdem ihr geheimster Fan. Auf dem "Berghof" sah er sich ihre Filme an, als diese in Deutschland längst verboten waren. 1939, im Jahr des deutschen Überfalls auf Polen, machte Marlene Dietrich den letzten Schritt und wurde amerikanische Staatsbürgerin. Ab 1944 zog sie als Truppenunterhalterin in den Kampf gegen das NS-Regime, folgte den GIs zu den Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkriegs, zeigte ihre berühmten Beine und sang ihre bekanntesten Lieder. Das befreite Deutschland sollte ihr fremd bleiben. Nur einmal, im Jahr 1960, kehrte sie zu einem Gastspiel in die Heimat Berlin zurück. Empfangen wurde sie von Demonstranten mit Plakaten: "Marlene, hau ab!" Eine Kränkung, die sie schwer traf. Sie war eine Frau, die ihre Heimat liebte und an ihr litt, ein Leben lang. Eine Verführerin, die zeigte, dass die Verführbarkeit ihre Grenzen hat. Ein Star mit Grundsätzen.
Zeitzeugen, Verwandte, Freunde und Bekannte erzählen in dem Film von ihren Erlebnissen mit Marlene Dietrich. Filmmaterial aus internationalen Archiven zeichnet ein neues Bild ihres Kriegseinsatzes auf der Seite der US-Armee und zeigt weitere Stationen ihres ereignisreichen Lebens.


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3:00
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Deutsche Kolonien (1/3)

Vom Entdecker zum Eroberer

Film von Gisela Graichen und Peter Prestel

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Ghanas legendäre Goldküste verdankt ihren Namen jenen Tagen, in denen europäische Entdecker und Eroberer auf der Suche nach Gold, Elfenbein und Sklaven ihre Hände nach dem Reichtum Afrikas ausstreckten. Ein Zeugnis des deutschen Kolonialismus in Ghana ist ein ...

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Ghanas legendäre Goldküste verdankt ihren Namen jenen Tagen, in denen europäische Entdecker und Eroberer auf der Suche nach Gold, Elfenbein und Sklaven ihre Hände nach dem Reichtum Afrikas ausstreckten. Ein Zeugnis des deutschen Kolonialismus in Ghana ist ein grau-schwarzes Bauwerk, das die tropische Landschaft noch immer mächtig überragt: die Großfriedrichsburg, gegründet 1683 von Friedrich Wilhelm I., der sein marodes Kurfürstentum Brandenburg mit dem kolonialen Abenteuer sanieren wollte. Kamerun war seit 1884 eine Kolonie des Deutschen Reichs. Vom Gouverneurspalast in Buea regierte Jesco von Puttkamer mit einem derart besitzergreifenden Selbstverständnis, dass spöttische Zeitgenossen das Land bald in "Puttkamerun" umtauften. Die Bevölkerung wurde enteignet, ganze Dörfer wurden umgesiedelt, Arbeitskräfte zwangsrekrutiert. Große Plantagengesellschaften sollten den Boden möglichst effektiv ausbeuten. Haupteinnahmequellen waren Kaffee, Kakao, Palmöl und Bananen. Entdecker wie Heinrich Barth, Gerhard Rohlfs und Gustav Nachtigal hatten den Kolonisatoren den Weg geebnet. Aber auch christliche Missionare waren nicht minder eroberungslustig.
Erste Folge des dreiteiligen Films auf den Spuren deutscher Kolonisatoren in Afrika.

Die beiden weiteren Folgen des dreiteiligen Films "Deutsche Kolonien" zeigt 3sat im Anschluss, ab 3.45 Uhr.


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3:45
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Deutsche Kolonien (2/3)

Afrika brennt

Film von Gisela Graichen und Peter Prestel

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Waterberg, Namibia: Der mächtige Tafelberg steht für das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte, den Völkermord an den Hereros. Die Nomaden hatten sich 1904 gegen die deutsche Herrschaft erhoben. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Die ...

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Waterberg, Namibia: Der mächtige Tafelberg steht für das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte, den Völkermord an den Hereros. Die Nomaden hatten sich 1904 gegen die deutsche Herrschaft erhoben. Der Aufstand wurde brutal niedergeschlagen. Die Ereignisse haben tiefe Wunden hinterlassen. Doch eine Gedenkplakette für die gefallenen Hereros konnte die namibische Regierung erst nach einem jahrelangen Streit mit einigen deutschstämmigen Siedlern durchsetzen. An den Hängen des Kilimandscharos in Tansania stehen noch viele Kolonialgebäude aus den Tagen, als das grausame Auftreten einiger deutscher "Herrenmenschen", aber auch eine rigide Steuerpolitik zu wachsendem Unmut unter der einheimischen Bevölkerung führte. Er eskalierte, als der Zwangsanbau von Baumwolle befohlen wurde. 1905 kam es zu dem sogenannten Maji-Maji-Aufstand, bei dem die Aufständischen mit heiligem Wasser, Maji, besprüht wurden, das sie gegen die Kugeln der schwarzen Söldner unverwundbar machen sollte. Der Zauber wirkte nicht, aber die Propagandawirkung war enorm. Zum ersten Mal vereinten sich einst zerstrittene Völker gegen den gemeinsamen Feind, den weißen Kolonialherren. Als Berlin erneut Truppen nach Afrika sandte, um die Erhebung grausam zu unterdrücken, wurde die Stimmung immer kolonienfeindlicher und führte zu Neuwahlen. Aber auch nach den Wahlen war von einer Emanzipation oder menschenwürdigen Behandlung der Schwarzen noch lange keine Rede.
Zweiter Teil der dreiteiligen Reihe über "Deutsche Kolonien".


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4:25
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Deutsche Kolonien (3/3)

"... und morgen die ganze Welt"

Film von Gisela Graichen und Thomas Hies

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Die Kolonialpolitik Deutschlands fand mit dem Ersten Weltkrieg ein rasches Ende. Mit dem Versailler Vertrag erlosch jeder Anspruch Deutschlands auf seine ehemaligen Übersee-Territorien. Die Sehnsucht nach den Kolonien lebte jedoch weiter. Kolonialausstellungen, ...

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Die Kolonialpolitik Deutschlands fand mit dem Ersten Weltkrieg ein rasches Ende. Mit dem Versailler Vertrag erlosch jeder Anspruch Deutschlands auf seine ehemaligen Übersee-Territorien. Die Sehnsucht nach den Kolonien lebte jedoch weiter. Kolonialausstellungen, Völkerschauen und Spielfilme zielten auf die nostalgische Verklärung der deutschen Kolonialzeit. Auch die Nazis bemächtigten sich des Themas. Schon früh forderten einige führende Köpfe die Rückgabe der Kolonien - eine taktische Möglichkeit, um andere außenpolitische Ziele zu erreichen. Bei vielen der in den ehemaligen Kolonien verbliebenen Deutschen fiel diese Rhetorik auf fruchtbaren Boden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte der koloniale Gedanke dann einen letzten, kurzen Aufschwung: Spielfilme wie "Carl Peters" und "Germanin" feierten die Taten deutscher Kolonialpioniere und dienten zugleich der Propaganda gegen den Kriegsgegner England. Nach Stalingrad und den Niederlagen der deutschen Truppen an vielen Fronten gab Hitler 1943 endgültig seine Pläne für Afrika auf. Der Traum der Kolonialrevisionisten von einem Deutschen Reich in Afrika war endgültig ausgeträumt.
Letzter Teil der dreiteiligen Reihe über "Deutsche Kolonien".


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5:10
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Deutschland von A bis Z

Mit Katrin Bauerfeind

Film von Thorsten Eppert und Markus Wenniges

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Sonntagsfahrer, Jammerlappen, Nörgler, Autonarren, Ordnungsliebhaber, Gründlich- und Pünktlichkeitsfanatiker, Schrebergärtner, Workaholics, Schreihälse, Liegestuhlreservierer, Socken-in-Sandalen-Träger, Exportweltmeister, Vereinsmeier, Bürokraten, Biertrinker: Der ...

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Sonntagsfahrer, Jammerlappen, Nörgler, Autonarren, Ordnungsliebhaber, Gründlich- und Pünktlichkeitsfanatiker, Schrebergärtner, Workaholics, Schreihälse, Liegestuhlreservierer, Socken-in-Sandalen-Träger, Exportweltmeister, Vereinsmeier, Bürokraten, Biertrinker: Der typische Deutsche ist ein Mysterium, das vor allem die Deutschen selbst seit Jahrhunderten beschäftigt. In kaum einem anderen Land wird die Frage nach der eigenen Identität so intensiv gestellt wie in Deutschland. Wir sind und bleiben tief versunken in einer nationalen Nabelschau. Grund genug, ultimativ zu klären: Wie sind wir denn nun, wir Deutschen?
In "Deutschland von A bis Z" ist Katrin Bauerfeind auf der Suche nach Antworten. Dafür begibt sie sich auf eine Reise durch das bundesrepublikanische Alphabet: von A wie Autofreaks auf Deutschlands extremster Tuningmesse über E wie El Arenal und G wie Gourmetwettkampf mit unserem kulinarischen Kontrahenten Österreich bis K wie Knigge, T wie Teutonenidylle und Z wie Zutzeln. Katrin Bauerfeind fühlt Deutschland auf den Zahn. Zusammen mit Sido geht sie dem deutschen Phänomen der Plattenbauten auf den Grund. Sie stellt sich dem Einbürgerungstest und sieht hinter die Kulissen des Volksmusikbetriebs. Im Tonstudio wird sie zum Volksmusik-Sternchen aufgepäppelt und ergründet das Geheimnis der heimeligen Melodien für Millionen. Außerdem klärt sie, ob die Wiedervereinigung uns wirklich etwas gebracht hat. Von Geschichte bis Gegenwart, von Kultur bis Kult, in "Deutschland von A bis Z" wagt Katrin Bauerfeind einen schonungslosen Blick auf Land und Leute, hinterfragt Bekanntes, entdeckt Unbekanntes und fördert Schockierendes zutage. Auf ihrer Expedition zu den teutonischen Befindlichkeiten hat sie keine Angst vor Stereotypen und Selbstironie. Sie hat viel zu lachen und noch mehr zu meckern - typisch deutsch eben.

Sendeende: 5:55 Uhr