Sie bewegt uns alle: die Liebe - Über Ideale und die "Logik der Gefühle"

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Die Frage, was Liebe eigentlich ausmacht, ist spannend und bewegt uns alle. Dennoch wurde sie erstaunlicherweise von der akademischen Philosophie weitgehend vernachlässigt. Der Grund für diese Nachlässigkeit des Denkens der Liebe gegenüber hat mit einer gewissen Abwehrhaltung zu tun, und verrät bereits viel über die "Sache" selbst.

Liebe ist zwar nicht einfach ein Gefühl - sie hat aber viel mit Gefühlen zu tun. Da Philosophie in der westlichen Tradition eher auf die beiden Kategorien Vernunft und Verstand abzielt, hat eine "Logik des Gefühls", und insbesondere eine Philosophie der Liebe, bislang einen schweren Stand gehabt und kaum Form angenommen. Tatsächlich erfolgt die Definition des Menschen im Abendland weitgehend unter der Maßgabe seiner Rationalität - nicht aber seiner Gefühle, auch wenn diese Trennung aus Sicht der Neurowissenschaften heute nicht wirklich viel Sinn ergibt.

Wenn von Liebe die Rede war, ging die westliche Philosophie erst einmal auf Abstand, zumal dann ein gewisser Verdacht im Raum stand, dass jeder, der das Thema mit Vehemenz betrieb, ein heimlicher Theologe sein müsse. Doch nicht nur als Gefühl oder als Lehrstück einer anonymen Theologie blieb die Liebe der Philosophie suspekt. Verdacht erregte sie vor allem durch ihre in den Medien weit verbreitete Form der romantischen Liebe.

Forschungsfeld "romantische Liebe"
Dem Soziologen Niklas Luhmann zufolge ist die romantische Liebe ein "neues" Phänomen - genauer ein Phänomen der Moderne. Von der Minne und von den fest gelegten Formen etwa der ständischen Beziehungen unterscheidet sich die romantische Liebe, indem sie unter anderem die Idee der Liebesheirat und der Leidenschaft in den Vordergrund rückt. In gewisser Weise wird die Idee der romantischen Liebe zur Leitidee für die bürgerliche Ehe. Sie ist im wahrsten Sinn des Wortes eine Hochzeit - nicht nur der Gefühle, sondern auch der intellektuellen Auseinandersetzung. Der "Liebescode" seinerseits ist jedoch nicht von den sozialen Bedingungen der Moderne, Technisierung und sich entwickelnder Kapitalismus, zu trennen.

Und heute? Immer noch scheint es, als sei die geschlechtliche romantische Liebe das Ideal schlechthin. Doch wie ideal ist sie? Diese Frage ist eine von vielen, die der israelische Gefühlsforscher und Philosoph Aaron Ben Ze'ev untersucht hat - teils, indem er Interviews mit Mördern führte und auswertete. Diese Männer - es handelte sich ausnahmslos um Männer - hatten ihre Ehefrauen oder Geliebten mit dem Verweis auf eine bedingungslose, aber enttäuschte (dennoch aber wahrhaft romantische) Liebe umgebracht.

Unorthodoxe Antworten auf "heiße" Fragen
Sind derartige Zusammenhänge reiner Zufall? Und weiter: Wie verhalten sich romantische Liebe und Internet zueinander? Diese und viele weitere Fragen hat Aaron Ben Ze'ev intensiv erforscht. Im deutschen Sprachraum ist der Philosoph bislang jedoch nur durch sein bei Suhrkamp erschienenes Buch "Die Logik der Gefühle: Kritik der emotionalen Intelligenz" bekannt geworden. Grund für uns, das zu ändern …

Der Film über die Liebe ist, wie mir scheint, ein durchaus vergnügter Film geworden über Themen, die zwar als "heiß" gelten und gerade in der Boulevardpresse oft besprochen, in Wahrheit aber nur selten verstanden werden. Aaron Ben Ze'ev gibt zuweilen erstaunlich unorthodoxe Antworten auf Fragen, die die Liebe betreffen, und die wir alle uns bestimmt schön häufig gestellt haben.

Juni 2011  /  G. Scobel / es


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