Sport - Freizeitlust oder Alltagsfrust - aus der Reihe "über:morgen" - Das Zukunftsmagazin

Sendedaten: Samstag, 26. Mai 2012 um 18.00 Uhr Wiederholung: Dienstag, 29. Mai 2012 um 12.30 Uhr

Ist unser Alltag so normiert, langweilig und gefahrlos geworden, dass wir zunehmend den Kick im Sport suchen? Höher, schneller, weiter – viele Menschen empfinden ihr Leben als leer, wenn sie nicht wenigstens in der Freizeit Grenzerfahrungen machen können. Der Rausch der Adrenalin- und Endorphinausschüttung wird für so Manche zur Sucht, ob beim Joggen, im Fitnesscenter oder bei Risikosportarten.

Wird in einer säkularisierten Welt der Sport zu einer Art Ersatzreligion, der eigene Körper zum Tempel? Diese These vertritt der Philosoph Robert Pfaller, für den diese "Gesundheitsreligion" in Zukunft auch in eine gnadenlose Verfolgung derjenigen münden könnte, die nicht durch Askese und sportliche Disziplinierung die Karrierefähigkeit ihres Körpers in der Gesellschaft sichern. Gnadenlos gegen sich selbst und unerbittlich im Kampf gegen die Konkurrenten sind auch unsere sportlichen Vorbilder.
Wir haben Profis wie Österreichs besten Schwimmer Markus Rogan oder den Skyrunner Christian Stangl befragt, was sie dazu bringt, ihr ganzes Leben der körperlichen Leistung unterzuordnen und wo die Lust in den Frust kippt. Beide sind sich einig, dass hinter der Jagd nach Rekorden auch ein unglaublicher Egoismus steckt, die Sehnsucht nach Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit, oft auf Kosten des sozialen Umfeldes.

Der Moderator Christian Clerici – selbst mehrfacher Teilnehmer beim Ironman-Triathlon und Autorennfahrer – überlegt, warum die ursprüngliche Idee des Sports vielfach hinter den Interessen der Industrie verschwindet: Wer nicht genau diese Laufschuhe kauft oder jenes Fahrrad fährt, gehört einfach nicht dazu. Dabei gäbe es noch genug Kulturen, wo man laufen und jagen muss, um zu überleben; diese Menschen betrachten mit Unverständnis eine "degenerierte" Gesellschaft, in der man sich freiwillig etwa den Qualen eines Marathons unterwirft.

Die Freizeitbeschäftigungen spiegeln oft in fast teuflischer Weise unsere Arbeitsbedingungen wider, meint der Universitätsprofessor Robert Pfaller: Menschen mit Geduldsberufen wie Architekten gehen gern angeln, Broker tendieren zu schnellen Sportarten wie Squash, Manager zu riskanten Betätigungen wie Rafting. Insgesamt gehe die Tendenz weg von der spielerischen, absichtslosen, sozialen Komponente des Sports hin zu mehr Wettbewerb gegen sich selbst und die anderen.

Während die Gesellschaft uns immer mehr vorschreibt, dass und wie wir unseren Körper zu stählen haben, um gesund, jung und fit zu bleiben, beklagen die Versicherungen mittlerweile die starke Zunahme an Freizeitunfällen und die dadurch bedingten Arbeitsausfälle. Immer wieder ist wie ein Credo zu lesen: "Gesundheit und körperliche Fitness werden in Zukunft die höchsten Güter einer Gesellschaft sein, die ihr Heil vorwiegend im Diesseits sucht." Falls der Trend stimmt, dass zunehmend immer besser Gebildete mehr Sport treiben, hat das zumindest den Vorteil, dass die Auswirkungen trotz allen Lustgewinns kritisch hinterfragt werden. Ist der Sport der Zukunft für uns also Fluch oder Segen?

Mai 2012  /  ORF/UG - Text: Monica Ladurner


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[3] http://www.markusrogan.at/ (Markus Rogan)
[4] http://skyrunning.at/de (Skyrunning)
[5] http://imsb.at/leistungen/freizeitsport/ (IMSB Austria - Institut für[...]rtwissenschaftliche Beratung)
[6] http://www.oesv.at/deroesv/index.html (ÖSV - Österreichischer Skiverband)
[7] http://www.sucht.at/content/6/24/de/sportsucht.html (Sucht & Abhängigkeit)
[8] http://www.smash.ch/files/sportsucht-d.pdf (Sucht nach Sport)
[9] http://www.sport-freizeit.com/ (Sport & Freizeit)
[10] http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/154158/index.html (3sat Kulturzeit Robert Pfaller: "Lust zur Unlust")

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