Hacker hört mit - Hacker können Gespräche auf Handys mithören



Hackern reichen wenige Sekunden, um ein Handy so zu manipulieren, dass sie jedes Gespräch mithören können, sagt Marco Di Filippo von "Compass Security".

Dazu reiche ein Chip, der unter die SIM-Karte gelegt werde, manchmal erlaubt das sogar die Software: "Die Infektion des Zielgerätes erfolgt wie bei jedem anderem Computer", so Sebastian Schreiber vom Bundeskriminalamt. "Moderne Handys sind vollwertige Computer, die sich wie Computer verhalten - mit Browser und Mailclient. Die kann man genauso trojanisieren wie normale Personal Computer."

Die Software-Manipulation ist einfach, wenn man das Gerät in die Hand bekommt. Möglich sei sie aber auch über Datenschnittstellen per Bluetooth oder W-Lan. Zudem ließen sich in Spielen, Bilddateien oder Klingeltönen Trojaner verstecken, die entsprechende Änderungen vornähmen. Identifizieren könne man die Trojaner wie beim Computer mit Antivirensoftware, meint Schreiber. "Die professionellen Trojaner haben aber allesamt die Eigenschaft, sich zu tarnen."

F-Secure: Gefahren für Handys ähneln der PC-Welt
Die Gefahren für Handys ähneln stark den Problemen in der PC-Welt. Neben bösartigen und zerstörerischen Anwendungen seien auch Attacken auf das Handy vorstellbar, sagte Mikko Hyppönen, Leiter der Forschungsabteilung von Antivirensoftwarehersteller "F-Secure". Handyviren könnten in Spielen, Bildschirmschonern und anderen Anwendungen versteckt sein.

"Dies kann zu falschen Abrechnungen oder Enthüllungen von persönlichen Daten führen", sagte Hyppönen. Er rechnet damit, dass die Bedrohung durch Handyviren enorm zunehmen wird. Mit den Viren Geld zu verdienen, sei einer der Hauptbeweggründe der Virenautoren. Das Mobiltelefon biete dank Zugriff auf das Internet und der kostenpflichtigen 0190-Nummern viele Möglichkeiten für Kriminelle.

Softwareentwickler müssten ein Bewusstsein entwickeln, dass ein Telefon wie ein PC zu behandeln sei, meint der Schweizer IT-Sicherheitsfachmann Marco Di Filippo. Sie müssten Firewalls und Virenscanner installieren.

Handys können bei schweren Straftaten und richterlicher Genehmigung jederzeit überwacht werden. Die Ermittler müssen dazu die Daten der SIM-Karte kennen, die die Rufnummer des Handys enthält. Handynetzbetreiber können den genauen Standort orten, Ermittler können mit stillen SMS unbemerkt zusätzliche Funktionen aktivieren. Ist die Rufnummer unbekannt, wird ein IMSI-Catcher eingesetzt. Er sorgt dafür, dass sich alle Handys im Umkreis von etwa 100 Metern nicht mehr bei den jeweiligen Providern, sondern beim Polizeigerät einloggen. Das kann alle durchgeleiteten Gespräche abhören.

Die Polizei kann Handys zum Mikrofon machen
Von der Polizei manipulierte Handys können auch als Wanzen zum Abhören Verdächtiger eingesetzt werden. Dabei wird die Software der Mobiltelefone so umprogrammiert, dass die Freisprecheinrichtung aktiviert wird, ohne dass der Benutzer es merkt. Die Software des Telefons könne so programmiert werden, dass auch ein vermeintlich abgeschaltetes Handy als Wanze funktioniert, meint Schreiber. Bei dem manipulierten Gerät erlischt demnach zwar das Display, und Anrufe werden nicht mehr angenommen. Das Gerät bleibe aber dennoch betriebsbereit und reagiere auf ein bestimmtes Signal der Polizei. "Während der Verdächtige glaubt, sein Mobiltelefon sei ausgeschaltet, überträgt es über die Freisprecheinrichtung alle Geräusche aus der Umgebung." Der Trojaner kopiert auch alle SMS.

"Der Trojaner funktioniert unabhängig davon, wo sich die Zielperson gerade befindet", schildert Schreiber. "Unabhängig davon, in welches Netz sich das Handy einbucht, kann es als Spionageinstrument benutzt werden."

Mehrere Landeskriminalämter räumten ein, diese Technik zu kennen. Schreiber bestätigte, das Amt verfüge über diese Fähigkeiten, wende sie aber nicht an. "Professionelle Spione wie Nachrichtendienste und Strafverfolgungsbehörden setzen die Technik ein, aber auch Unternehmen, um Mitarbeiter auszuspähen."

zuletzt aktualisiert am 28.02.2011  /  mp mit Material von ap und dpa


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[1] http://www.3sat.de/webtv/?110228_handy_nano.rm (Handys abzuhören ist nic[...]ndig, so Marco Di Filippo)
[2] http://www.3sat.de/webtv/?090528_wanzen_nano.rm (Der Aufwand ist gering, u[...]r Leute Handys abzuhören)
[3] http://www.3sat.de/nano/glossar/computer_virus.html (Viren, Würmer, Trojane[...]e Industrie entwickelt.)

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