Der Kommunistenjäger - Lutz Hachmeisters Film "The Real American"

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Nur vier Jahre lang bestimmte Joseph Raymond McCarthy das innenpolitische Klima in den USA und doch steht sein Name für eine ganze Ära. Sogar vor dem Regierungsapparat machte seine Kommunistenhatz nicht Halt - auch nicht, als US-Präsident Truman intervenierte. In seinem Dokudrama "The Real American" zeichnet Lutz Hachmeister allerdings ein etwas anderes Bild von McCarthy.

Hachmeister zeigt den Aufstieg des ehrgeizigen, intelligenten Farmersohns aus Wisconsin, dem fünften von neun Kindern. McCarthy war sportlich, durchaus sympathisch und nutzte die Stimmung der Zeit und die Macht der Medien, um berühmt zu werden. Seine Auftritte machen den zuvor weitgehend unbekannten Senator schlagartig zum begehrten Interview-Objekt. Kammerspielartige Szenen im Film "The Real American" unterstreichen seine Wesenszüge.

"Ein charmanter, irischer Geselle"
"Er war in jungen Jahren gut aussehend, hatte dichte Augenbrauen und tief schwarzes Haar", erinnert sich Lee Edwards im Film. "McCarthy war ein charmanter, irischer Geselle, der gern eine gute Zeit hatte, gern Geschichten erzählte und gerne einen trank." Die Presse findet rasch Gefallen an dem "anderen" Politiker. Mit dem Markennamen "Kommunistenjäger" hatte er sich seine mediale Präsenz gesichert. "Wie definieren Sie 'McCarthyismus'?", wurde er in einem Interview gefragt - "jemanden einen Kommunisten zu nennen, dem es später nachgewiesen wird", antwortet McCarthy.

McCarthy erhöhte wie bei einem politischen Pyramidenspiel den Einsatz immer weiter, vermutete zuerst in Universitäten Kommunisten-Nester, bald auch im Parlament und in Behörden. Der Gruseleffekt musste immer noch gesteigert werden. "Er kannte die Vorurteile großer Lügen", sagt der Medienwissenschaftler Ben Bagdikian in Hachmeisters Film. "Kleine Lügen interessieren niemanden. Man sagt nicht: Ich glaube, jemand im Lebensmittelladen ist verdächtig. Man sagt: Im Außenministerium wimmelt es von russischen Kommunisten. Man erzählt die großen Lügen. Und das begriff er instinktiv."

Die Dynamik des Hexenjägers
Sein Ende als Politiker kam 1957. Noch standen ihm die Journalisten nahe, noch vermochten sie nicht, die Dynamik des Hexenjägers durch eine kritische Berichterstattung zu brechen. Auch nicht, als er vermeintliche Kommunisten in der CIA vermutete. Am Ende hat er sich mit dem Falschen angelegt. McCarthy wurde sein eigenes Opfer in den "Hearings". Der schwere Alkoholiker wurde nur 48 Jahre alt.

10.01.2012  /  Nicolette Feiler-Thull (Kulturzeit) / tm/se


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