Musik gegen das Morden - Malek Jandali kämpft mit den Waffen der Musik

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Das Morden in Syrien geht täglich weiter. Der Komponist und Pianist Malek Jandali, 1972 in Deutschland geboren und in Homs aufgewachsen, kritisiert Assads Krieg gegen das eigene Volk scharf.

Jandali kämpft mit den Waffen der Musik gegen das Töten in seiner Heimat. Sein neues Album "Emessa" ist eine Hommage an die syrische Oppositionsbewegung. Für den ermordeten syrischen Sänger Qashoush hat er eigens eine Symphonie komponiert. Dafür bekam er Morddrohungen. Malek Jandali spielt in Wien für den Frieden in seiner Heimat, sagt er, für Solidarität mit einem massakrierten Volk. "Was dort passiert, sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit", so Jandali. "Das Regime zielt ganz bewusst auf Kinder, denn Kinder sind die Zukunft Syriens. Jeden Tag sehen wir auch in Homs Kinder, die gefoltert, vergewaltigt und umgebracht werden." In der Protestburg Homs ist Malek Jandali groß geworden. Heute lebt er im US-amerikanischen Exil und kämpft mit seiner Musik gegen die Diktatur Assads.

Doch der Arm des syrischen Geheimdienstes reicht weit. Als er bei einem Protestkundgebung in Washington D.C. spielt, gerät seine Familie in Homs in den Fokus der Sicherheitskräfte. "Vier oder fünf Tage später überfielen die Assad-Schergen meine Eltern in ihrem Haus", berichtet Malek Jandali. "Meiner Mutter schlugen sie die Zähne aus und verprügelten sie. Meinen Vater fesselten sie. Sie sagten ihnen: Das wird euch eine Lehre sein. Weil sie gegen meine Musik nichts unternehmen konnten, haben sie sich meine Eltern geschnappt."

Grausamer Mord an einem Kollegen
Noch schlimmer erging es dem syrischen Volkssänger Ibrahim Kaschusch. Sein Song "Jalla, Baschar", "Hau ab, Baschar", war die Hymne der Revolutionäre. Im Juli 2011 fand man ihn tot am Ufer des Orontes: Man hatte ihm den Hals aufgeschlitzt und die Stimmbänder herausgeschnitten. Für Ibrahim Kaschusch hat Malek Jandali eine Symphonie geschrieben. Eines Tages will er sie im befreiten Syrien spielen. In der Kulturnation, in dem Land, in dem die ersten schriftlich festgehaltenen Musiknoten der Geschichte gefunden wurden. Eine Replica der antiken "Notenschrift von Ugarit" hat Jandali bei jedem Konzert dabei. "Als die Syrer frei waren und keinen Diktator hatten, erfanden sie Musik", so Jandali. Er hat die Notenschrift neu interpretiert und dazu ein Album gemacht: "Echos from Ugarit" (2008).

Heutzutage werden Bilder um die Welt geschickt, die ein Volk zeigen, das sich gegenseitig niedermetzelt. Doch wem kann man glauben? Wer ist gut, wer ist böse? "Die ganze Information wird einfach im Internet ausgeschüttet", sagt Jandali. "Man muss sie aufräumen und sich fragen, was ist richtig und was ist legitim? Auch das Regime hat das erkannt. Sie fälschen Medienberichte und behalten dadurch die Kontrolle über alles. Jeder muss das für sich selbst hinterfragen und die Quellen verifizieren."

Bewusster Einsatz von Bildern
Malek Jandali ist sich der Macht der Bilder bewusst. In seinen Videos inszeniert er sich und seine Geschichte, pathetisch und emotional. Ist das die richtige Sprache? Oder gießt er so Öl ins Feuer? Muss er seine Rolle als Künstler in diesem Konflikt nicht vielmehr hinterfragen? Für Jandali ist die Antwort klar. "Es gibt eine Verschmutzung der Kunst, der Musik", sagt Malek Jandali. "Man denkt, man gibt den Menschen wahre Klänge. Doch das wird verunreinigt, in eine andere Richtung gelenkt oder sogar völlig falsch wiedergegeben. Das ist gefährlich, vor allem in Diktaturen. Denn sie nutzen das, geben den Menschen keinen Raum, selbst nachzudenken. Es heißt: 'So ist es, komm damit klar'. Die Menschen denken nicht, sie hinterfragen nicht."

Wer kämpft, braucht Gewissheiten. Der Krieg lässt keinen Raum für Zwischentöne. Malek Jandali ist zu einer Figur der Freiheitsbewegung geworden. "Ich bin überzeugt, dass die Menschen meine Nachricht von Frieden und Harmonie verstehen", so Jandali. "Und Syrien wird frei sein, daran zweifle ich nicht. Schon heute drücken die Menschen ihren Freiheitswillen auf so vielfältige Art und Weise aus." Seine Sprache ist die der Kunst, der Musik und der Emotion, trotz aller Gefahren. Für ihn gibt es keine Alternative.

02.05.2012  /  Kathrin Moser (Kulturzeit) / lj/yg


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