Aus Jägern werden Gejagte - Die Schweiz und deutsche Steuerfahnder
Sendedaten: Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr
Wegen des Verdachts der Wirtschaftsspionage hat die Schweiz Haftbefehle gegen drei deutsche Steuerfahnder erlassen, weil sie an der Beschaffung von Steuerdaten aus der Schweiz beteiligt waren. Die Haftbefehle seien nicht übertrieben, verteidigt Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer "Weltwoche", sein Heimatland. Die Schweiz werde in der Debatte verunglimpft.
So sieht sich die Schweiz gerne selbst, und so sehen sie auch die meisten Touristen: ein reiches und idyllisches Land mitten in Europa, mit hohen Bergen, friedlichen Kühen, Käse, Fondue und Heidi-Folkore. Doch der Reichtum dieser Idylle ruht vor allem auf dem Fundament der Banken. Diktatoren, Mafiosi, Terroristen und Steuerhinterzieher aus aller Welt vertrauen dem Schweizer Bankgeheimnis und bunkern ihre Milliarden in der Schweiz, so der Vorwurf von Kritikern. Das ist eine Herausforderung für drei deutsche Steuerfahnder. Sie haben 2010 mit höchstem Segen für 2,5 Millionen Euro Datenträger mit Listen deutscher Steuersünder gekauft. Der Deal spülte dem Fiskus ein Vielfaches in die Kassen.
Wegen einer Behördenpanne wurden jedoch die Namen der drei bekannt. Nun erließ der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber Haftbefehle gegen sie. Aus Jägern sind Gejagte geworden - und das kurz bevor ein Abkommen ratifiziert werden soll, das Steuersündern die Flucht in die Schweiz schwer macht. Das Steuerparadies in den Alpen ist weltweit unter Druck, sein erprobtes Geschäftsmodell zu ändern.
04.04.2012
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Erwin Riemann ("Morgenmagazin", ZDF) / tm/se
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2013 / 3sat