Elektrofahrzeuge für den Weltmarkt - Thema zur hitec-Sendung "Chinas Massenmotorisierung"
Sendedaten: 12.09.2011, 21.30 Uhr
Von Peking nach Shanghai mit der Bahn: Fast alle Züge sind schon Wochen im Voraus ausgebucht. Mit Glück bekommt man Einzeltickets in der Premiumklasse für den neuen Hochgeschwindigkeitszug nach Shanghai angeboten.
Die Fahrscheine sind mit 180 Euro pro Person fast genau so teuer wie in Deutschland. Das entspricht fast dem durchschnittlichen chinesischen Monatslohn.
Seit Ende Juni 2011 ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Shanghai in Betrieb und jeder Zug ausgebucht. Von Peking aus legt der Zug die über 1.300 Kilometer lange Strecke trotz vieler Haltepunkte in deutlich weniger als 5 Stunden nach Shanghai zurück. Mit mehr als 300 Stundenkilometern rast er vom politischen zum wirtschaftlichen Zentrum Chinas. Einer Metropole mit mehr als 15 Millionen Einwohnern.
Menschen steigen lieber auf ein eigenes Auto um
Auch wenn in Städten wie in Shanghai das öffentliche Netz permanent ausgebaut und der Individualverkehr genau so wie in Peking beschränkt wird, steigen die Menschen lieber auf ein eigenes Auto um sobald es finanziell irgendwie geht.
Das ist nicht nur in China so, sondern weltweit. Menschen kaufen Autos wenn ihr Jahreseinkommen die Grenze von 800€ pro Kopf überschreitet, errechnete der Automobil-Experte Christian Malorny. In China liegt das durchschnittliche Jahreseinkommen schon über 2.000€.
Christian Malorny, Automobil-Experte McKinsey:
"Wenn man die Zahlen hochrechnen würde und die Autodichte in Deutschland mit China vergleicht, dann würden wir hier irgendwann 750 Millionen Autos auf der Straße haben. 750 Millionen Autos, die würden den gesamten Rohölvorrat, bzw. die Rohölförderung der Erde eines Jahres in Anspruch nehmen. Und das geht natürlich nicht, das ist unvorstellbar. Deswegen ist auch ganz klar hier in China das Bewusstsein da, dass in elektrische Mobilität investiert werden muss. Strom kann man auf vielfältige Weise herstellen. Und das ist auch das Thema, das die chinesische Regierung hier beschäftigt und wo jetzt sehr viel Geld in den nächsten Jahren investiert werden wird."
International Konkurrenzfähig
Der chinesische Staat hat großes Interesse daran, seinen Bürgern die Elektromobilität schmackhaft zu machen. Über 70% aller Autokunden sind heute in China Erstkäufer. China hat also die Chance die ölhungrige Antriebstechnologie Verbrennungsmotor zu überspringen, bevor die große Masse Auto fährt. Und die neueste Generation chinesischer Elektrofahrzeuge kann sich international durchaus blicken lassen.
Konkurrenzfähige Elektroautos sind für die Industrie in China sehr wichtig. Bei den Verbrennungsmotoren gilt der technologische Vorsprung des Westens nahezu als uneinholbar. Elektroautos sollen in Zukunft Marktanteile für einheimische Hersteller gewinnen.
Christian Malorny, Automobil-Experte McKinsey:
"Die Chinesen sehen die Elektromobilität natürlich als ein sehr knallhartes industriepolitisches Thema. Sie hoffen damit den Westen, also uns zu überholen und auf dem Weltmarkt natürlich mit dieser Technologie auch Furore zu machen. Bei dieser Technologie stehen alle an der Startlinie der Westen genau so wie die chinesische Industrie."
Lebensqualität und Freiheit
Unmittelbar neben den Autofabriken Shanghais, befindet sich der nachhaltige Stadtteil von Anting. Hier realisiert die Administration das erste Konzept von Demobilisierung in Stadtquartieren - es gibt Fußgängerzonen statt Straßen und eine begrenzte Bauhöhe. Alle notwendigen Versorgungseinrichtungen sind zu Fuß erreichbar, ebenso die Arbeitsplätze.
Christian Malorny, Automobil-Experte McKinsey:
"Also ich finde es interessant, weil hier sehr viel aus Deutschland kopiert wurde. Und natürlich hat das hier eine Lebensqualität, die in unserem Verständnis eine Lebensqualität ist. Aber ich warne immer wieder: Andere Völker empfinden eine andere Lebensqualität, weil sie in einem anderen Stadium des Reifegrades und auch der Wirtschaft sind. Für die Chinesen ist nach wie vor das Aufstrebende, das in die Höhe wachsen von Hochhäusern, das individuelle Auto das, was sie unter Lebensqualität und Freiheit verstehen."
07.09.2011
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hr
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