Lola
Die Adenauer-Ära in einer deutschen Stadt: Lola führt ein Doppelleben als zärtliche Mutter Marie-Louise und verruchte Tänzerin und Mätresse eines korrupten Baulöwen. Als der gewissenhafte neue Baudezernent von Bohm sich in sie verliebt, bringt er damit das Geschäftsleben der Stadt aus dem Gleichgewicht. – 3sat zeigt Rainer Werner Fassbinders grell-stilisierte Wirtschaftswunder-Satire zum 30. Todestag des großen Regisseurs.
Am Montag, 28. Mai, 0.00 Uhr, zeigt 3sat "Die Sehnsucht der Veronika Voss".
Der Aufwind der Adenauer-Ära weht durch die Straßen einer deutschen Stadt. Es ist die Zeit des Wiederaufbaus, der die Baulöwen zu Königen der Stadt gemacht hat. Herr Schuckert ist so einer - jovial, lebenslustig und korrupt. Zu seinem Lebensstil gehört eine Mätresse: Lola ist Tänzerin in der "Villa Fink", dem Treffpunkt der Stadtelite. Sie ist aber auch Marie-Louise, die alleinerziehende Mutter von Mariechen. So lernt sie Herr von Bohm, der neue und überaus korrekte Baudezernent der Stadt, kennen und verliebt sich in sie. Als er herausfindet, dass seine Marie-Louise Schuckerts Lola und außerdem Prostituierte ist, gerät er in Rage. Er will die Vetternwirtschaft beenden. Doch Herr Schuckert hat eine Idee. Und so bekommt Mariechen schließlich einen adligen Vater, und die Welt ist wieder in Ordnung. In Deutschland im Herbst 1957, wo Konrad Adenauer auf den Plakaten für seine Wiederwahl wirbt: "Keine Experimente!"
Wirtschaftswunder-Trilogie
Lola" beginnt da, wo "Die Ehe der Maria Braun" (1978) endete. Der Film ist der zweite Teil von Rainer Werner Fassbinders Wirtschaftswunder-Trilogie. Der dritte Film ist "Die Sehnsucht der Veronika Voss" (1982). In seiner gleichzeitig kolportagehaft wie stilisiert erzählten Geschichte aus den 1950er Jahren entlarvt Fassbinder satirisch die perfekt im Kapitalismus operierende bürgerliche Doppelmoral der Adenauer-Ära und scheut dabei nicht vor Kitsch und Klischees zurück. Die weibliche Hauptrolle gab Fassbinder Barbara Sukowa, die er für seine TV-Serie "Berlin Alexanderplatz" entdeckt hatte und die anschließend Kinokarriere machte ("Rosa Luxemburg", "Homo Faber", "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen"). Neben Mario Adorf gab der DDR-Schauspieler Armin Mueller-Stahl sein beeindruckendes West-Kino-Debüt.
Rainer Werner Fassbinder: 38 Filme in 13 Jahren
Der große deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder starb am 10. Juni 1982 im Alter von 37 Jahren, 2012 jährt sich sein Todestag zum 30. Mal. Fassbinder inszenierte nach seinem Debütspielfilm "Katzelmacher" (1969) innerhalb von nur 13 Jahren 38 Filme, darunter Meisterwerke wie "Händler der vier Jahreszeiten", "Effi Briest", "Angst essen Seele auf" und "Die Ehe der Maria Braun".
02.05.2012
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Filmredaktion 3sat
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2013 / 3sat