Ludwig II.



Leben und Leiden des "Märchenkönigs" Ludwig II., der sowohl an seinen Herrscherpflichten als auch an seinen persönlichen ästhetischen Utopien zerbricht. - Stilsichere und poetische, ebenso einfühlsame wie sezierende Studie einer anachronistischen Existenz und des Scheiterns einer Selbstbefreiung. Luchino Visconti gelingt es überzeugend, die rauschhafte Ästhetik des 19. Jahrhunderts aufwändig zu beschwören und zugleich mehrfach kritisch zu brechen.

Als Ludwig II. 1864 mit 19 Jahren den bayerischen Thron besteigt, erfreut sich der junge König großer Popularität. Doch schon früh zeigt sich seine Neigung zu rauschhaften Kunsterlebnissen, insbesondere zu der Musik des befreundeten Komponisten Richard Wagner. Seine Verschwendungssucht, durch die er Bayern mit so vielen Schlössern schmückt, dass seine Geldquellen bald völlig erschöpft sind, entfremdet ihn seinem Volk und seinen Ratgebern. Nur mit der österreichischen Kaiserin Elisabeth verbindet ihn eine tiefe Freundschaft. Nach dem Verlust der bayerischen Souveränität im Deutschen Reich 1871 sucht Ludwig zunehmend Zuflucht in seiner Fantasiewelt und zieht sich in die Einsamkeit seiner Schlösser zurück.

Luchino Visconti inszenierte das Leben des "Märchenkönigs" opulent und poetisch an Originalschauplätzen mit einem für die Zeit ebenso opulenten Budget von 12 Millionen DM. Neben Helmut Berger in der Titelrolle spielte Romy Schneider 15 Jahre nach dem letzten "Sissi"-Film noch einmal Elisabeth von Österreich, diesmal jedoch als realistische und souveräne Persönlichkeit ohne jeden Zuckerguss. Die fast vier Stunden lange Ursprungsfassung von "Ludwig II." war Produzenten und Verleihern 1973 zu lang. Zwar hatte Visconti gerichtlich die vorgesehene Verstümmelung des Films auf 150 Minuten verbieten lassen, doch im Kino lief der Film dennoch aus kommerziellen und politischen Gründen nur in verschiedenen Schnittfassungen. Erst 1980, vier Jahre nach Viscontis Tod, wurde dessen ursprüngliche Vision des Films von zwei Mitarbeitern des Regisseurs wiederhergestellt; 1993 entstand im ZDF die dazugehörige deutsche Fassung.

16.05.2012  /  Filmredaktion 3sat


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