Glückliches Biotier?

Sendedaten: Freitag, 14. Oktober 2011, 20.15 Uhr

Um die Art der Ernährung tobt ein Glaubenskrieg. Die Einen verzichten entweder ganz auf Fleisch oder essen nur Produkte aus ausgewählten Biobetrieben. Die Anderen schauen nur auf den Preis, denn billig muss das tierische Eiweiß sein, wenn man es in Mengen verdrückt. Aber ist Bioproduktion immer besser?


Ist Bio besser oder erleichtert es nur das Gewissen?
Ist Bio prinzipiell besser als konventionell Produziertes? Und für wen ist es besser? Für den Landwirt, für den Verbraucher oder für die Tiere? Was für Bauer und Kunde gut ist, muss nicht zwangsläufig für das Tier positiv sein. Am Beispiel der Produktion von Eiern und Hühnerfleisch lässt sich dies gut durchspielen: Während konventionelle Hühner um die 33 Tage alt werden, müssen Biohühner 81 Tage alt sein, wenn sie geschlachtet werden. Der Biobauer kann also weniger als die Hälfte der Hähnchen in der gleichen Zeit produzieren, was sich auf den Preis eines Schlachthähnchens deutlich auswirkt.

Ob eine mehr als doppelt so lange Lebenspanne das Tier glücklicher macht, ist objektiv nicht zu klären. Die Biotiere haben allerdings mehr Zeit Gewicht zuzulegen, und das ist für ihre Gesundheit förderlich. Konventionelle Turbohühner neigen zu Missbildungen, wie übergroße Brüste, die sind oft das Gleichgewicht verlieren lässt. Die Vorgaben für Bioproduktion sind gesetzlich geregelt und gehen über die ebenfalls gesetzlichen Regelungen der konventionellen Landwirtschaft weit hinaus.

Biohaltung kann die Hühner krankmachen
Doch sind diese Regelungen nicht immer zuträglich für die Tiergesundheit: Die Biohaltung mit der Möglichkeit des freien Auslaufs und dem Verzicht auf Gitterboden, durch den der Kot automatisch abtransportiert wird, bedeutet auch eine höhere Belastung mit Krankheitserregern und Parasiten. Deshalb sterben tendenziell in Biohaltung mehr Hühner an Krankheiten, als in anderen Haltungsformen, was nur zum Teil an dem Verzicht auf vorbeugende Antibiotikagabe liegt. Das Bundesministerium für Landwirtschaft fasst es so zusammen: "Prinzipiell gilt: Je offener das Haltungssystem gestaltet wird, desto höher ist auch das gesundheitliche Risiko für die Tiere."

Ach Kannibalismus und Federpicken kommen in konventioneller Kleingruppen-Käfighaltung weniger häufig vor als in anderen Haltungsformen. Es kommt hierbei vor allem auf die Ausgestaltung der Käfige und Freiflächen an. Die Bio-Verordnungen geben zum Beispiel nicht vor, dass auch Hähne in die großen Gruppen von Hühnern integriert werden müssen. Die Hähne bewirken nämlich, dass es unter den Hennen zu wesentlich weniger Aggressionen kommt. Eine Gruppe Biohennen ohne Hahn ist also schlechter dran als die gleiche Gruppe konventioneller Hühner mit Hahn. Allerdings ist der Hahn auch in der konventionellen Landwirtschaft keineswegs gesetzlich vorgeschrieben, sondern nur eine Übererfüllung der Normen durch verantwortungsvolle Viehhalter. Das es letztlich auf den verantwortungsvollen Halter ankommt, ist keine Binsenweisheit. Jenseits der gesetzlichen Vorgaben ist es der Halter, der auch konventionelle Hühner glücklich machen kann, und auch ein Massen-Öko-Züchter kann sein Federvieh unglücklich machen.

Enttäuschte Aussteiger und erboste Tierschützer
Sehen Sie am Freitag, 14. Oktober 2011, 20.15 Uhr eine kontroverse Reportage von Sven Jaax. Er befragt Agrarwissenschaftler, ob die ökologische Freilandhaltung bei Hühnern und bei Schweinen eine Garantie für glücklichere Tiere ist und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Konventionelle Stallhaltung soll unter Aspekten des Tierschutzes sogar der ökologischen Haltung im Freien überlegen sein. In den neuen, artgerechteren Käfigen gehe es den Legehennen oft deutlich besser, als unter freiem Himmel.

"Glückliches Biotier?" fragt nach bei Gegnern und Unterstützern einer konventionellen Landwirtschaft, bei enttäuschten Aussteigern aus der Bio-Szene und erbosten Tierschützern. Wir treffen aber auch Visionäre, die ganz andere Formen der Tierhaltung entwickeln und so den Kompromiss suchen zwischen Tierschutz, Umweltschutz und Verbraucherschutz.

Sehen Sie am Freitag, 14. Oktober 2011, 20.15 Uhr eine kontroverse Reportage von Sven Jaax. Er befragt Agrarwissenschaftler, ob die ökologische Freilandhaltung bei Hühnern und bei Schweinen eine Garantie für glücklichere Tiere ist und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Konventionelle Stallhaltung soll unter Aspekten des Tierschutzes sogar der ökologischen Haltung im Freien überlegen sein. In den neuen, artgerechteren Käfigen gehe es den Legehennen oft deutlich besser, als unter freiem Himmel. "Glückliches Biotier?" fragt nach bei Gegnern und Unterstützern einer konventionellen Landwirtschaft, bei enttäuschten Aussteigern aus der Bio-Szene und erbosten Tierschützern. Wir treffen aber auch Visionäre, die ganz andere Formen der Tierhaltung entwickeln und so den Kompromiss suchen zwischen Tierschutz, Umweltschutz und Verbraucherschutz.
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Oktober 2011  /  NDR/SRR


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[2] http://www.3sat.de/nano/cstuecke/87424/index.html (nano: Gesunde Hühnerras[...] von Hochleistungstieren)
[3] http://www.3sat.de/nano/cstuecke/43703/index.html (nano: Öko oder Turbo? H[...]bst im Vergleich mit Bio)

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2013 / 3sat