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Video-Porträt
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© reuters Video
Der ehemalige Präsident von Liberia, Charles Taylor, wurde vor kurzem vom UN-Sondertribunal wegen Kriegsverbrechen zu 50 Jahren Haft verurteilt.
Das Grauen als Comic
"Black.Light Project" zeigt Taylors Gräueltaten
Von 1989 bis 2007 steht Westafrika in Flammen. Das Projekt "Black.Light", initiiert von dem deutschen Kriegsfotografen Wolf Böwig und dem portugiesischen Reporter Pedro Rosa Mendes, will von den Folgen der abscheulichen Gräueltaten des liberianischen Warlords Charles Taylor berichten. Es ist ein abenteuerliches Projekt. Schonungslos zerrt "Black.Light" das Sterben ans Licht.
Für ihre Berichte aus Liberia, Sierra Leone, Guinea-Bissau und von der Elfenbeinküste wurden der portugiesische Reporter Pedro Rosa Mendes und der deutsche Kriegsfotograf Wolf Böwig mehrfach ausgezeichnet. Das war ihnen nicht genug. Sie riefen "Black.Light" ins Leben und fanden dafür zehn international renommierte Comic-Autoren, die aus ihren Reportagen eine einzigartige Crossover-Version entstehen lassen. "'Black.Light' hat sich zur Aufgabe gemacht, aus einer klassischen Kriegsberichtsreportage aus Text und Fotografie, aus dem klassischen Bereich der Publikationen eine andere Ebene zu finden, um die Geschichte zu erzählen. Das war unser Ansatz", sagt Wolf Böwig.

© Black.Light Lupe
Wolf Böwigs Fotos dienen den Künstlern als Vorlage.
Kein leichter Ansatz: Der New Yorker Künstler Danijel Zezelj erzählt etwa die Geschichte von Morie, dem Prinzen der Toten, in hartem Schwarz-Weiß. Böwig und Mendes trafen Morie 2003 in Sierra Leone. 1997 wurde der fünfjährige Morie als Einziger am Leben gelassen. Sein Dorf Bendu Malen wurde wieder erbaut, auf den Gebeinen von 1200 massakrierten Menschen. "Man hat praktisch auf Schädeln ein neues Dorf aufgebaut. Die Wahrheitsfindungskommission ist niemals so weit gekommen, dass es richtige Massengräber oder eine würdevolle Übergabe gegeben hätte", berichtet Böwig. "Das ist die Situation, in der wir uns befunden haben. Und wir haben versucht, so nahe als möglich heran zu gehen, um diese Geschichte zu erzählen. Und wir sehen uns ganz klar an den Grenzen, sowohl in den fachlichen, professionellen, aber auch emotionalen Grenzen."

Die Schrecken mit eigenen Augen gesehen
Grenzen überwinden auch die Zeichner. Sie haben die Schrecken mit eigenen Augen gesehen. Um eine eigene Perspektive entwickeln zu können, konfrontieren die "Black.Light"-Koordinatoren Christoph Ermisch und Henning Ahlers die Zeichner in einem Workshop auf dem Erlangener Comic-Salon mit Berichten von Zeitzeugen. Was hat den Zeichner George Pratt für "Black.Light" begeistert? "Es ist vergleichbar mit schrecklichen Dingen wie dem Holocaust, dem Ersten, Zweiten Weltkrieg oder Vietnam", sagt der US-amerikanische Illustrator George Pratt. "Also der Umgang damit." Er habe immer das Gefühl gehabt, dass seine Bilder den Menschen eine Stimme geben sollten, die keine hätten. Jetzt haben die Kindersoldaten des liberianischen Kommandanten Adolphus Dolo alias "General Peanut Butter" eine Stimme bekommen.

Wolf Böwig fotografiert sie 2004. David von Bassewitz reduziert die Realität auf das Grauen in Gestalt kindlicher Kritzelzeichnungen. Viele der Kindersoldaten können nur nach einer Drogentherapie überleben. "Ich habe Fotos gesehen von Wolf Böwig, die sind sehr brutal", sagt von Bassewitz. "Das ist ein sehr schwieriger Prozess, weil sie zum Beispiel keine Medikamente haben. Es gibt kein Methadon, es gibt wirklich nur den kalten Entzug, cold turkey. Und das ist natürlich eine ganz harte Geschichte. Und die werden dann auch an Stühle gekettet, wenn sie da aufgenommen werden, was uns natürlich sehr brutal erscheint, aber es geht nicht anders, weil sie sonst fliehen würden."

Einblicke in das geplante Buch
© Black.LightLupe
© Black.LightLupe
© Black.LightLupe

© Black.LightLupe
© Black.LightLupe
© Black.LightLupe

Pater John Garrick aus Sierra Leone hat die Verbrechen Taylors gesehen. Für die Künstler ist er ein unverzichtbarer Chronist. "Die Künstler sollen Schatten und Licht erspüren", sagt Pater John Garrick, Mitglied der Wahrheits- und Versöhnungskommission. "Solch grausame Geschichten, wie sie sich in Sierra Leone und den angrenzenden Staaten zugetragen haben, sind ein dunkles Kapitel in der Geschichte Westafrikas. Dabei ermahne ich sie immer, an das Gute zu denken, an das, was danach kommt. Wenn alles ans Tageslicht kommt. Das Gute ist das Licht."

Buch und Tournee
Im Hannoveraner Büro führt Christoph Ermisch die Erzählfäden von Zeichnung, Foto und Bericht zusammen. Irgendwann erscheint alles in einem Buch, das der Avant-Verlag herausbringen wird, flankiert von einer Ausstellungstournee durch Europa und Westafrika. Finanziert haben sie sich bislang selbst. Noch sind keine Sponsoren, keine Stiftung in Sicht, die sich öffentlichkeitswirksam engagieren wollen: "Wir haben jetzt schon fast die Hosen runter gelassen", sagt Wolf Böwig. "In konkreten Zahlen heißt das, wir sind jetzt bei 35.000 Euro im Soll nach Erlangen. Das ist das, was jetzt zu Buche steht. Und uns ist es bislang leider nicht gelungen, jemanden langfristig als Institution mit einbinden zu können." So viel Engagement muss belohnt werden. Gerade hat das Berliner Festival für Dokumentarfotografie "Browse" "Black.Light" auf die Straße gebracht: fünf Geschichten auf 35 Metern, begleitet von einer Lesung aus Mendes' Reportage: "Black.Light" ist eine einzigartige Initiative, ein eindringliches Zeugnis von einer der größten humanitären Katastrophen in Westafrika, die der Öffentlichkeit nicht mehr verborgen bleiben sollte.

"Vielleicht bedeutet Trauma? Zum Glück, denke ich, weiß ich es in Wahrheit nicht. Vielleicht bedeutet Trauma, dass sogar Gott tot ist und wir zurückgeblieben sind, um ihn zu beweinen."
(Pedro Rosa Mendes)

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