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Rechte der Tiere
Über unseren Umgang mit den Tieren
Zahlreiche Studien belegen, dass viele Tiere ein Bewusstsein haben, dass sie leidens- und schmerzfähig sind. Tiere treibt mehr an, als der bloße Fortpflanzungs- und Überlebenstrieb.
Haustierbesitzer wissen intuitiv, dass Hund und Katze Gefühle haben. Und die Wissenschaft kann Emotionen inzwischen bei vielen Tieren nachweisen –- vom Ferkel bis zur Honigbiene. Umso dringender ist die Frage, welche Rechte der Mensch den Tieren zubilligt. Tierliebe wird bei uns groß geschrieben - in deutschen Haushalten leben rund 14 Millionen Katzen und fast zehn Millionen Hunde. Jeder empört sich über Tierquälerei, Tierversuche und die Massentierhaltung. Doch Tiere werden weiterhin entweder wie lebloser Besitz behandelt oder leiden unter „Wohlstandsverwahrlosung“, wenn sie wie Menschen gekleidet, frisiert, fett gefüttert und in Puppenwagen spazieren gefahren werden.

Widersprüchliche Herangehensweisen
Im Jahr 2002 wurde der Tierschutz als Staatsziel im deutschen Grundgesetz verankert. Doch noch immer ist die Ferkelkastration ohne Betäubung erlaubt. Die Schweiz trägt in ihrer Bundesverfassung immerhin der „Würde der Kreatur“ Rechnung, was Tiere nicht nur vor Schmerzen, Leiden, Schäden und Ängsten schützen soll, sondern ihnen einen grundsätzlichen Schutzanspruch vor Erniedrigung oder übermäßiger Instrumentalisierung garantiert.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Meinung, dass wir Tiere töten und essen dürfen, solange wir ihnen vorher ein weitgehend artgerechtes Leben ohne Leiden ermöglicht haben. Wie lässt sich dies mit den wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie vereinbaren? Dazu forscht das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf. Kühe etwa sollen mehr Freilauf haben -– ein Plus für das Tierwohl. Doch die dadurch auf größerer Fläche verteilten Ausscheidungen erzeugen mehr Treibhausgase als früher. Um dieses Umweltproblem in den Griff zu bekommen, müssen die Tiere nun lernen, auf das Kuh-Klo zu gehen. Bei Schweinen versuchen Forscher die Laute in Gefühls-Begriffe zu übersetzen, die wir Menschen verstehen können. So soll der Stress im Stall und beim Transport erkannt und reduziert werden.

Die Wissenschaftsdoku untersucht, wie Tierwohl und artgerechte Haltung im Spannungsverhältnis von Verhaltensbiologie und wirtschaftlichen Interessen immer wieder neu definiert werden.

Ein Film von Klaus Neumann-Ege und Hendrik Löbbert

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Immer donnerstags um 20.15 Uhr
Wissenschaft am Donnerstag
© dpascobel: Rechte der Tiere
Menschen behandeln Tiere unterschiedlich. Manche werden gehegt und gepflegt, andere gemästet und getötet. In der scobel-Sendung wird unser widersprüchlicher Umgang mit Tieren diskutiert.