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Wissenschaftsdoku: Gepflegt alt werden
Kommunalisierung der Pflege
Unsere immer älter werdende Gesellschaft braucht ein solidarisches Miteinander. Die Betreuung und Pflege hilfsbedürftiger Menschen dabei marktwirtschaftlichen Regeln zu unterwerfen, hat in Deutschland zu einer Situation geführt, die viele mit "Pflegenotstand" beschreiben.
Solange wie möglich zu Hause wohnen – das ist in den Niederlanden per Gesetz geregelt.<br /><br /><br /><br />
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Der 93-jähriger Niederländer Jan Honkoop.
Auch Präventionsbesuche bei Senioren sind in den Niederlanden per Gesetz geregelt.<br /><br /><br /><br /> Jan Honkoop und Sozialarbeiter Sandy Kepel.
Das sogenannte „Küchentischgespräch" ist in den Niederlanden Teil der kommunalen Sorge um Ältere.<br /><br /><br /><br /> Jan Honkoop zuhause im Gespräch mit Sandy Kepel.
In den Niederlanden ist es eine kommunale Verpflichtung: Die Sorge um ältere Menschen.<br /><br /><br /><br /> Die niederländische Stadträtin Lavinja Sleeuwenhoek.

Erfolgreich: Gemeindeschwester Plus
In Deutschland fordern Senioren-Organisationen eine vergleichbare Politik wie in den Niederlanden. In Rheinland-Pfalz kümmert sich etwa eine "Gemeindeschwester Plus" um die älteren Menschen vor Ort. Damit soll die Pflegebedürftigkeit verzögert, wenn nicht gar verhindert werden. Was bisher Modellprojekt war, soll auf Grund des großen Erfolges in die Verlängerung gehen. Doch was passiert, wenn die Belastung für die Angehörigen zu groß ist, etwa bei einer Demenz-Erkrankung? Alte und demente Menschen leiden vor allem an drei Übeln: Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile.

Die Betreuung geht an die Substanz
Es gibt nicht das eine perfekte Konzept zur Betreuung zu Hause, im Heim oder in einer Demenz-WG. Experten aber wissen, dass Menschen, die mehr im Gestern als im Heute verhaftet sind, nah an ihrer Biographie weiterleben sollten - und dass sinnvolle Arbeit besser ist, als jede Beschäftigungstherapie. Die Betreuung von Demenzkranken geht dabei schnell an die Substanz der Angehörigen, sowohl psychisch als auch finanziell. Ursula Rathai hat ihren dementen Mann zehn Jahre lang gepflegt und dabei über 400.000 Euro ausgegeben. Sie wollte ihm ein Leben in Teilhabe ermöglichen und hat deshalb ihr Haus verkauft und alles Ersparte ausgegeben.

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Arzt und Versorgungsepidemiologe an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald kritisiert, dass es zwar viele Angebote in den einzelnen Kommunen gäbe, aber dass die Betroffenen oft nichts davon wüssten, und dass sich die Pflege-Profis untereinander nicht austauschten. Es müsse ein ganzes Räderwerk von medizinischen Ambulanzen, Hausärzten, Gerontologen und Betreuungsangeboten ineinandergreifen, um der Pflege von Demenzkranken gerecht zu werden.

Sozialökonomen wie Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt sehen in der Kommunalisierung von Pflege dann eine Chance für eine bessere und gleichzeitig billigere Pflege von hilfsbedürftigen Menschen, wenn Kranken- und Pflegekassen mitfinanzierten, gleichzeitig aber die Kommunen nicht mit bürokratischen Vorgaben lähmten.

Ein Film von Tanja von Ungern-Sternberg
In den Niederlanden sind die Kommunen gesetzlich verpflichtet dafür zu sorgen, dass alte Menschen nicht ins Heim müssen. Ist die Kommunalisierung der Pflege auch für Deutschland eine Option?











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