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Im Lateinischen bedeutet "auctoritas" Einfluss, Würde und Ansehen. Im alten Rom wurde Menschen aufgrund ihrer Leistung oder ihrer starken persönlichen Haltung "auctoritas" zugesprochen.
Sehnsucht nach Autorität
Ist Autorität der beste Weg zum Erfolg?
Der Begriff Autorität steht für Einfluss, Würde, Ansehen und wird meist bei Personen in bestimmten Positionen angewendet. Gibt es eine neue Sehnsucht nach mehr Autorität? Wieso ordnen wir uns unter? In der Gesellschaft, im Beruf, in der Familie?
"Autorität bedeutet freiwilliger Gehorsam. Menschen halten sich an Regeln, ohne dazu gezwungen zu werden", so der Psychoanalytiker Paul Verhaeghe. Dieser Gehorsam beruht auf einer ständig neu auszuhandelnden Balance zwischen demjenigen, der Autorität besitzt und demjenigen, der sich dieser Autorität unterordnet. Manche haben Autorität durch ihre Position, andere durch Persönlichkeit und Ansehen.

Wie sieht es im Berufsleben, in der Wirtschaft aus?
Die Wissenschaftsdoku analysiert Unternehmen, in denen Autorität unterschiedlich interpretiert wird. Welche Hierarchieformen taugen für welches Unternehmen? Wir besuchen den Outdoor-Hersteller Vaude am Bodensee mit flachen Hierarchien und das traditionelle Familienunternehmen Abt mit klarer steil-hierarchischer Struktur, einer Top-down-Führung von oben nach unten.

Hans-Jürgen Abt leitet seinen traditionellen auf Auto-Tuning spezialisierten Familienbetrieb alleine und verkörpert einen Führungsstil, den man fürsorglich-autoritär nennen könnte. Er sitzt im Unternehmen im größten Büro ganz oben, vom Schreibtisch aus hat er alles im Blick. Er sagt:
"Ich bin ein Mensch für klare Worte, ich möchte nicht immer wieder ins Detail gehen, weil das viel Zeit kostet - und sehr viel Energie. Dafür brauche ich natürlich gute Mitarbeiter, die meinen Stil verstehen. Autorität ist einfach - mit klaren Ansagen."
Es scheint so, dass diese Art von Führungsstil ankommt. Die Mitarbeiter duzen sich und akzeptieren die Anordnungen von oben nach unten. Und werden die erklärten Geschäftsziele erreicht, winkt am Jahresende ein Bonus.

Was macht der Verlust von Autorität mit Erwachsenen?
Durch aktuelle sozialwissenschaftliche Experimente, die in der Tradition des berühmten Milgram-Experiments stehen, das die Bereitschaft von Menschen, andere zu foltern, prüfte, bekommen wir eine Ahnung davon, ob wir uns heute wieder mehr Autorität wünschen oder ob wir sie eher ablehnen. Was das Fehlen von Grenzen und Regeln mit Kindern macht, ist schon intensiv untersucht und diskutiert worden.

Schafft der Verlust von Autorität Freiräume für Entscheidungsprozesse auf Augenhöhe?Führt er zu Halt- und Orientierungslosigkeit? Wollen Menschen heute mehr Autorität? Ist eine Neudefinition von Autorität notwendig und möglich, ohne in alte patriarchale Strukturen zurückzufallen? Die Doku sucht nach Antworten.



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Die Filmautoren Tim Hamelberg und Torsten Berg führen sozialwissen-
schaftliche Experimente durch und gehen nicht nur unterschiedlichen Organisationsstrukturen nach, sondern auch Autoritätsverhaltens-
mustern in der Tierwelt, etwa bei Pavianen.
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