Das Medikament Glybera wird aus der Verpackung genommen. © Labo M GmbH
Ganze DokuGanze Doku
VIDEO: Die ganze Wissenschaftsdoku "Unbezahlbare Pillen" in der Mediathek.
Wissenschaftsdoku: Unbezahlbare Pillen
Ein Patient ist unheilbar krank. Medikamente können sein Überleben verlängern. Der Preis dafür ist unglaublich hoch. Das deutsche Gesundheitssystem ist das solidarischste der Welt. Wie lange noch?
Die Diskussion darüber, welche Behandlung zu welchem Preis durchgeführt werden kann, ist längst überfällig. Darf man Patienten personalisierte Medizin verweigern und gleichzeitig Kettenraucher kostenlos behandeln? Wer verursacht mit seiner Krankheit welche Kosten?

Zahlen zum deutschen Gesundheitssystem
Durchschnittlich 15,7 % des Lohnes oder Gehaltes zahlen Arbeitnehmer ins deutsche Gesundheitssystem ein. © Labo M GmbH Durchschnittlich 15,7 % des Lohnes oder Gehaltes zahlen Arbeitnehmer ins deutsche Gesundheitssystem ein.
Laut OECD zählt das deutsche Gesundheitssystem mit 330 Milliarden Euro Ausgaben pro Jahr zu den teuersten der Welt.  © Labo M GmbH Laut OECD zählt das deutsche Gesundheitssystem mit 330 Milliarden Euro Ausgaben pro Jahr zu den teuersten der Welt.
Zuletzt wurden in Deutschland jedes Jahr mehr als 50 Milliarden Euro nur für Medikamente ausgegeben. © Labo M GmbH Zuletzt wurden in Deutschland jedes Jahr mehr als 50 Milliarden Euro nur für Medikamente ausgegeben.



Eine Monatsration zur Bekämpfung von Leberkrebs beispielsweise kostet 5000 Euro und bringt eine durchschnittliche Lebensverlängerung von knapp drei Monaten. Die Kostenfrage bei Krebsleiden wirft weitere Fragen auf: Was ist mit Lifestyle-Erkrankungen wie Adipositas oder Bluthochdruck? Muss die Gesellschaft deren Behandlung bezahlen? Und Risikosportler? Finanzieren wir das Verletzungsrisiko bei teuren Freizeithobbies mit? Ist das Leben eines 30-jährigen Familienvaters mehr wert als das eines 80-Jährigen, der sein Leben lang in das Gesundheitswesen einbezahlt hat?

Wie viel ist eine Gesellschaft bereit zu geben?
Wir fahren nach England. Dort hat die Regierung das Problem ganz pragmatisch gelöst, mit dem QALY-Konzept, dem Quality Adjusted Life Year. Nach einem Punktesystem wird entschieden, wie hoch die gesundheitliche Lebensqualität und die Lebenserwartung des Patienten sind. Unternehmerisch gesprochen: Eine Balanced Scorecard des Lebens. Je höher desto besser. Ein gut verdienender Vater von zwei Kindern würde dann noch behandelt. Wenn man aber schon älter ist, vielleicht schon im teuren Heim lebt, Rente bezieht und eine Therapie nur wenig Besserung bringen würde, sehen die Ärzte von einer Behandlung ab - wie bei einem alten Auto.

Kann man die Behandlung von Krankheiten von den Kosten abhängig machen? Vielleicht müssen wir das in Zukunft, denn immer mehr Wirkstoffe werden für den Patienten maßgeschneidert. Eine Untersuchung der EU empfahl 2013, QALY nicht anzuwenden, da dies kein "wissenschaftlicher Ansatz zur Bewertung und Priorisierung von Medikamenten" sei und zudem die Punkteberechnung mathematisch fragwürdig sei.

Der Wert des Lebens lässt sich nicht statistisch berechnen
Was ist der Wert des Lebens? Das Dilemma ist offensichtlich: Für den Patienten zählt die reine Statistik nicht, wenn es ums Überleben geht. Er hofft, dass er derjenige ist, bei dem das Mittel anschlägt, und sei die Chance noch so gering. Für die Allgemeinheit geht es um die Finanzierung aller medizinischen Leistungen. Individuelle, gesamtgesellschaftliche und medizinische Interessen prallen aufeinander. Für die Patienten geht es um Leben und Tod, für die Gesellschaft um bezahlbare Sozialsysteme für alle und für die Mediziner um sinnvolle Behandlungen.

Ein Film von Stephan Arapovic
Reporter Johan von Mirbach hat sich den Markt der teuren Medikamente einmal näher angesehen.





Navigation / Sendung
Wissenschaftsdoku
Immer donnerstags um 20.15 Uhr
Wissenschaft am Donnerstag
© dpascobel: Krankheit als Geschäft
Das Gesundheitssystem gehorcht der Logik des Profits
Service