Nackter Mann bedeckt mit Hand seinen Penis © Spiegel TV GmbH
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Wissenschaftsdoku: Welt ohne Männer
Reproduktionsmediziner arbeiten an einem Verfahren ohne Spermien
Männer sind krimineller, bringen sich öfter um, sterben früher und leben riskanter als Frauen. Also, wozu brauchen wir sie eigentlich noch? Oder können wir uns wie viele Tiere eingeschlechtlich fortpflanzen?
Kommentar: Von Küken und gefrorenem Samen

Wie man bloß auf einen Film mit dem provokanten Titel "Welt ohne Männer" kommt? Redakteurin Katharina Finger erläutert die Hintergründe.

Katharina Finger ist seit 1994 Redakteurin bei 3sat. Seit 2012 verantwortet sie das Format "Wissenschaftsdoku".
Wie kommt jemand auf die Idee, einen Film mit dem Thema "Welt ohne Männer" zu realisieren? Ich bin schon über 20 Jahre glücklich mit meinem Mann verheiratet, habe zwei wunderbare Söhne und selbst unser Hund ist ein Rüde. Ich mag Männer. Ganz grundsätzlich.

Trotzdem: Krieg und Zerstörung, Mord- und Totschlag, Brutalität und Aggression sind ganz überwiegend die Domänen von Männern - von der weltweiten Terrorbedrohung bis hin zur häuslichen Gewalt. Von sexuellen Übergriffen ganz zu schweigen. Das zeigt auch die Kriminalstatistik: Von allen Tatverdächtigen in Deutschland im Jahr 2015 waren gut 75 Prozent Männer und knapp 25 Prozent Frauen. Es gilt: je schwerer das Verbrechen, desto höher der Anteil der Männer. 99 Prozent aller Vergewaltigungen, 88 Prozent aller Morde und 84 Prozent der gefährlichen Körperverletzungen sind die Taten von Männern. Wie mühsam ist es, sich immer wieder mit der dunklen Seite der Männer zu befassen.

Die Idee zu einem Film "Welt ohne Männer" nahm eigentlich ihren Anfang in einem völlig anderen Phänomen. Das männliche Geschlecht ist in der Agrarindustrie zunehmend weniger erwünscht: annähernd 50 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland getötet, weil sie keine Eier legen können und weil auch das Brathähnchen meist ein Brathuhn ist. Bei den Rindern werden nur noch ganz wenige Zuchtbullen benötigt, deren Sperma zur künstlichen Befruchtung kreuz und quer durchs Land geschickt wird. Dieses Sperma kann sogar "gesext" werden, damit stellt man sicher, dass es nur weibliche Nachkommen geben wird. Da die Methode aber aufwendig und teuer ist, werden immer noch männliche Kälbchen kurz nach der Geburt getötet. Und in der Pflanzenzucht bemühen sich die Wissenschaftler, auf die geschlechtliche Befruchtung ganz verzichten zu können, da dann der Ertrag gleich hoch bleibt.

Auf Männer verzichten wollen wir nicht - auf Machos aber gerneAusgehend von der Forschung zur Fortpflanzung bei Tieren und Pflanzen, haben wir deshalb ein Gedankenexperiment gewagt: Wäre auf lange Sicht gesehen ein Fortbestand der Menschheit möglich, wenn die Frauen wie einst Lysistrata um des Friedens willen ihren Männern den Sex verweigern würden? Schon heute sind es zu 50 Prozent Single-Frauen, die Sperma bei der weltgrößten Samenbank im dänischen Aarhus bestellen.

Natürlich möchten weder ich noch alle anderen Frauen, die an diesem Film mitgearbeitet haben, auf Männer in dieser Welt verzichten. Es wäre eine langweilige, eintönige Welt. Worauf wir aber gut und gerne verzichten können, ist das Wiederaufleben von Macho-Strukturen personifiziert in Staatsführern wie Trump, Putin, Erdogan. Der Größenwahn dieser Männer treibt Frauen weltweit auf die Straßen - weil sie sexuelle Übergriffe verharmlosen, mit Machtposen beleidigen und ihr Männer-Ego zum Maßstab aller Dinge nehmen. Da ist es gut zu wissen, dass - rein theoretisch - auch ohne Männer ein Überleben der Menschheit möglich wäre. (Kommentar von Katharina Finger)



Kleine Bildergeschichte
In der weltgrößten Spermienbank Cryos in Aarhus, Dänemark, ein Samenspender gibt seine Samenprobe ab.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> © SPIEGEL TV GmbH Spermienbank Cryos in Aarhus
Hier im Labor lagern 150 Liter Spermien, ausreichend für viele tausend Babys.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> © SPIEGEL TV GmbH Labor der Spermienbank
Die Spermienproben werden von der Laborantin gewaschen, sortiert und aufbereitet.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /><br /> © SPIEGEL TV GmbH Laborantin am Mikroskop

Das Y-Chromosom ist für manche Forscher ein Schrotthaufen
Im Herbst 1955 hieß es im "Spiegel", dass es laut Schätzungen von Wissenschaftlern hin und wieder Jungfernzeugungen auch beim Menschen gebe. Bisher konnte dies aber noch nicht bestätigt werden. Im Labor gibt es zwar die Möglichkeit, durch "Haploidisierung" eine menschliche Eizelle mit einer anderen Körperzelle der Frau zu befruchten. Ein überlebensfähiger Embryo ist aus diesen Experimenten allerdings noch nicht hervorgegangen. Bei Mäusen hat es aber schon geklappt.

© ap
nano Beitrag:<br /> <b>Brauchen wir noch Männer?</b>
nano Beitrag:
Brauchen wir noch Männer?
Anfang der 2000er Jahre gab es ganz schönen Wirbel um das männliche Geschlechtschromosom mit dem Namen Y. Während das weibliche X-Chromosom noch über ein "Backup"-Chromosom verfügt, steht das männliche ziemlich alleine da. Das bedeutet, dass das Chromosomenpaar der Frauen den Vorteil hat, sich selbst reparieren zu können: bei der Bildung von Eizellen greift der weibliche Körper auf das andere X-Chromosom zurück, um Fehler im Bauplan zu korrigieren. Für Männer bleibt nur, auch fehlerhafte Spermien in die Welt zu schicken. Deshalb sammeln sich immer mehr Fehler auf dem Y-Chromosom an wie auf einem Schrottplatz.

Zu diesem Schluss kamen britische Wissenschaftler wie der Genetiker Bryan Sykes, der die Ergebnisse der Forschungen in seinem 2003 erschienenen Buch "Keine Zukunft für Adam" zusammenfasste. Die gleiche These nutzte der Genetiker Steve Jones, um den Mann im selben Jahr als "Irrtum der Natur" zu bezeichnen. Inzwischen wurde dies aber widerlegt - das Y-Chromosom könnte laut Evolutionsbiologen länger überleben als bisher angenommen.

Ein Film von Liz Wieskerstrauch
Die Doku "Welt ohne Männer" wagt ein provokantes Gedankenspiel auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und zeigt, wo in der Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen bereits jetzt Einfluss auf das Geschlecht genommen wird.




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