Nackter Mann bedeckt mit Hand seinen Penis © Spiegel TV GmbH
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Mit ihnen ist es schlecht, ohne sie auch nicht gut: Fortpflanzung ist aber theoretisch auch ohne Männer möglich.
Welt ohne Männer
Reproduktionsmediziner arbeiten an einem Verfahren ohne Spermien
Männer sind krimineller, bringen sich öfter um, sterben früher und leben riskanter als Frauen. Brauchen wir sie noch? Oder können wir uns wie viele Tiere eingeschlechtlich fortpflanzen?
Im Herbst 1955 hieß es im "Spiegel", dass es laut Schätzungen von Wissenschaftlern hin und wieder Jungfernzeugungen auch beim Menschen gebe. Bisher konnte dies aber noch nicht bestätigt werden. Im Labor gibt es zwar die Möglichkeit, durch "Haploidisierung" eine menschliche Eizelle mit einer anderen Körperzelle der Frau zu befruchten. Ein überlebensfähiger Embryo ist aus diesen Experimenten allerdings noch nicht hervorgegangen. Bei Mäusen hat es aber schon geklappt.

Das Y-Chromosom ist für manche Forscher ein Schrotthaufen
Anfang der 2000er Jahre gab es ganz schönen Wirbel um das männliche Geschlechtschromosom mit dem Namen Y. Während das weibliche X-Chromosom noch über ein "Backup"-Chromosom verfügt, steht das männliche ziemlich alleine da. Das bedeutet, dass das Chromosomenpaar der Frauen den Vorteil hat, sich selbst reparieren zu können: bei der Bildung von Eizellen greift der weibliche Körper auf das andere X-Chromosom zurück, um Fehler im Bauplan zu korrigieren. Für Männer bleibt nur, auch fehlerhafte Spermien in die Welt zu schicken. Deshalb sammeln sich immer mehr Fehler auf dem Y-Chromosom an wie auf einem Schrottplatz.

Zu diesem Schluss kamen britische Wissenschaftler wie der Genetiker Bryan Sykes, der die Ergebnisse der Forschungen in seinem 2003 erschienenen Buch "Keine Zukunft für Adam" zusammenfasste. Die gleiche These nutzte der Genetiker Steve Jones, um den Mann im selben Jahr als "Irrtum der Natur" zu bezeichnen. Inzwischen wurde dies aber widerlegt - das Y-Chromosom könnte laut Evolutionsbiologen länger überleben als bisher angenommen.

Totgesagte leben länger: Das Y-Chromosom und dessen Eigenheiten
Chromosomen-Grafik © colourbox.de
Von den 46 Chromosomen eines Menschen ist bei Männern eines aus der Art geschlagen.
Manch Biologe vermutet, das Y-Chromosom werde verschwinden. Doch es hält sich mit seinen wenigen Genen, die vor allem die Männlichkeit prägen, erstaunlich lange. Die anderen Chromosomen - die Autosomen - haben bei Säugetieren einen identischen "Partner" und kommen damit doppelt vor. Nicht so aber beim Y-Chromosom: Sein Spiegelbild ist das wesentlich größere X-Chromosom. Demgegenüber trägt das Y nur wenige Gene - allem jene, die für die Ausprägung des männlichen Geschlechts bei Säugetieren zuständig sind.
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Sendedaten
Erstausstrahlung
Welt ohne Männer
Donnerstag, 9. März 2017
20.15 Uhr in 3sat
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