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Mühsames Stückwerk: Für die heute prüft Dara Hassanzadeh Bildmaterial auf seine Echtheit.
Das manipulierte Bild
Es war noch nie so leicht Medienprodukte zu fälschen
Lippensynchrone Video-Bearbeitungen ermöglichen es schon heute, Politikern oder Prominenten nie Gesagtes in den Mund zu legen. Gefälschte Bilder und Videos sind dabei kaum zu erkennen.
Was die Filmindustrie begeistert, kann dann für die Öffentlichkeit zu einer echten Gefahr werden. War der ausgestreckte Mittelfinger des ehemaligen griechischen Finanzministers Varoufakis echt? Flirtete Angela Merkel wirklich mit Erdogan, und führte der ägyptische Präsident tatsächlich die Nahost-Friedensdelegation mit Obama an? Rätsel wie diese lösen Bildforensiker, Pixeldetektive und Bildforscher problemlos auf: Der Mittelfinger war echt, Merkel flirtete aber nicht mit Erdogan, sondern auf dem Originalbild mit Sarkozy, und der ägyptische Präsident war von der Staatszeitung von den hinteren Reihen nach vorn verschoben worden.

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Nachrichten: Alle Bilder und Videos müssen geprüft werden.
Bei Unfall-, Kriegs- und Katastrophenbildern wird der Echtheitsnachweis oft extrem schwierig. In vielen Fällen gelingt er aber trotzdem. Als Russland der Ukraine mit Satellitenbildern die Schuld am Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine zuschieben wollte, ergab eine bildforensische Untersuchung, dass die Raketensysteme nachträglich einmontiert worden waren. Anhand von GPS-Daten, Wetterlagen, Gebäuden oder Soldatenuniformen versuchen auch Spezialisten den Wahrheitsgehalt der Quellen zu überprüfen. Meist kein einfacher Job für Nachrichtenredakteure. Bei den heute-Nachrichten des ZDF beschäftigt sich Dara Hassanzadeh mit dem Wahrheitsgehalt von Bildmaterial. Oft dauert eine Recherche mehrere Wochen.

Manipulation und Meinungsmache schnell "montiert"
Andre Wolf aus Wien von der Internetplattform "Mimikama - Verein gegen Internetmissbrauch" ist so ein Spezialist. Er überprüft Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt, darunter derzeit viele Bildfälschungen zum Thema Flüchtlinge. In einem Fall, so Wolf, wurde in das Bild eines leeren tschechischen Bahnhofs eine Menschenmenge einmontiert, die aus einem Foto, das Trainsurfing in Indonesien zeigt, stammte. Die Bildunterschrift dazu: "Das ist ein Zug voll mit Flüchtlingen, die auf dem Weg nach Deutschland sind". In einem weiteren Fall zeigen Aufnahmen eine aufgebrachte Menschenmenge in Kairo, die als Übergriff von Nordafrikanern in der Kölner Silvesternacht ausgegeben wurden.

In der Filmindustrie wird die Bildbearbeitung immer weiterentwickelt und leistet schon jetzt Beachtliches. Der Doktorand Justus Thies von der Universität Erlangen-Nürnberg arbeitet daran, in Echtzeit seine Mimik auf einen Politikerkopf zu übertragen. Noch ist die Software für die Filmindustrie störanfällig, aber - so sein Professor Marc Stamminger - eine vielversprechende Entwicklung. Mit diesem Programm könnten in Zukunft Videos so einfach wie Fotos bearbeitet werden.

Zahlreiche Kritiker warnen vor zuviel Leichtgläubigkeit und fordern eine entsprechende Medienerziehung. Darunter auch der Kunsthistoriker Matthias Bruhn von der Humboldt-Universität Berlin. Er hat die technischen Möglichkeiten von Bildfälschungen aus den vergangenen 100 Jahren untersucht und plädiert eindringlich dafür, das Fach Bildinterpretation wieder verstärkt an den Schulen zu unterrichten, damit die Heranwachsenden verstehen könnten, dass die Bilder eine eigene Realität darstellen.

Sendedaten
"Das manipulierte Bild" am Donnerstag, 31. August 2017, um 20.15 Uhr in 3sat und in der Mediathek.
Erstsendung: 29. September 2016
Medien-Satire
Echte Fälschung
Moderator Jan Böhmermann hat mit der Aussage, er habe das Video mit dem griechischen Finanzminister Gianis Varoufakis gefälscht, einen Sturm in den Medien ausgelöst.
Fotojournalismus
Bearbeitet und inszeniert
Der Fotojournalismus kämpft mit stark bearbeiteten oder sogar inszenierten Fotos - ein Problem bei der Vergabe des "World Press Photo Award".
Info
Mimikama-Verein
Die österreichische Non-Profit-Organisation bezeichnet sich selbst als "internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internetuser, die verdächtige Internetinhalte melden möchten". Gemeinsam, auch mit deutschen Behörden wie Bundes- und Landeskriminalämtern, IT-Firmen und Verbraucherzentralen, decken die Betreiber seit fünf Jahren Abofallen und Falschmeldungen auf.
Sprechertext
Der Sprechertext der Doku "Das manipulierte Bild" zum Nachlesen (pdf).