Atombombenexplosion © dpa
BildergalerieBildergalerie
Die Explosion der ersten Atombombe als Einstieg in ein neues Zeitalter.
Das Erdzeitalter des Menschen
Der Mensch schafft sich seine Welt
Forscher wollen wegen der beispiellosen menschlichen Einflüsse auf den Planeten ein neues Erdzeitalter ausrufen.
© Paprika Films, Wild Touch Productions Molle
© Paprika Films, Wild Touch Productions Molle
© Paprika Films, Wild Touch Productions Molle

Demnach leben wir derzeit im "Anthropozän". Eine zur Prüfung dieser Frage eingesetzte Arbeitsgruppe plädierte am 29. August auf dem Internationalen Geologischen Kongress im südafrikanischen Kapstadt mit 34 von 35 Stimmen dafür, den Terminus einzuführen. Bis der Begriff des Menschen-Zeitalters tatsächlich in die geologische Zeitskala übernommen wird, dürften aber Jahre vergehen.

© Paprika Films, Wild Touch Productions Molle
BeitragBeitrag
Wir Menschen hinterlassen deutliche Spuren auf der Erde.
Geologen teilen die Erdgeschichte in verschiedene Zeitalter ein. Demnach lebt die Menschheit derzeit im Holozän, das vor 12.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit begann. Zu den Veränderungen durch den Menschen zählten neben dem Klimawandel die großräumigen Veränderungen der Kreisläufe etwa von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, die Verbreitung von Plastik, Aluminium, Beton-Partikeln, Flugasche und radioaktivem Fallout sowie die beispiellose globale Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten. "Viele dieser Veränderungen sind geologisch dauerhaft und manche sind praktisch unumkehrbar", schreibt die Arbeitsgruppe.

Es begann mit einem Atombombentest
Das Votum der Arbeitsgruppe ist keine Überraschung. Umstritten war allerdings, wann das Menschen-Zeitalter beginnen sollte: Vorschläge waren unter anderem die Entdeckung Amerikas oder der Start der Industrialisierung. Die Arbeitsgruppe schlägt als Beginn - ebenfalls mit großer Mehrheit (28 Stimmen) - die Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Ein wichtiges Datum wäre der erste Atombombentest am 16. Juli 1945, dessen Folgen sich auf der Erdoberfläche weltweit nachweisen lassen.

In zwei bis drei Jahren wollen die Wissenschaftler klären, welche in den Erdschichten abgelagerten Stoffe als Referenz für das neue Erdzeitalter dienen sollen. Dies könne etwa eine Kombination von Kunststoff, Rückständen aus Atomwaffen-Tests oder von Flugasche aus industrieller Produktion sein, sagte der Berlin Geobiologe Reinhold Leinfelder.

Auch ein Erdzeitalter geht seinen formalen Gang
Dieser Vorschlag muss dann von der "Subcommission on Quaternary Stratigraphy" (SQS) und danach von der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS) bestätigt werden. Im letzten Schritt muss das Exekutivkomitee der Internationalen Vereinigung der Geowissenschaften (IUGS) den Vorschlag ratifizieren.

Die formale Übernahme des Begriffs habe durchaus Signalcharakter, daraus ergebe sich ein Verantwortungsaufruf, sagte Leinfelder. Dies habe aber bei der Entscheidung der Arbeitsgruppe keine Rolle gespielt. "Wir wollen den globalen geologischen Einfluss des Menschen ordentlich belegen, unabhängig von gesellschaftlichen Diskussionen", betonte Leinfelder. "Die übergeordneten Gremien wollen überzeugt werden." Dort gebe es ohnehin Skepsis, nicht zuletzt weil 12.000 Jahre - also die bisherige Dauer des Holozäns - für ein Erdzeitalter nach geologischen Maßstäben extrem kurz wäre.

Sendedaten
"Das Erdzeitalter des Menschen"

Donnerstag, 2. März 2017 ab 20.15 Uhr in 3sat
Öl aus dem Naturschutzgebiet
Gefahr für Yasuní
In Ecuador wollen Ureinwohner und Umweltschützer die Bevölkerung in einem Referendum über die Ölbohrungen im Naturschutzgebiet Yasuní entscheiden lassen.
Glossar
Klimakonferenzen
Bereits die erste Weltklimakonferenz 1979 bezeichnete den Klimawandel als ein vordringlich zu lösendes Problem.
Glossar
Anthropozän
Der Mensch hat die Umwelt so beeinflusst, dass er Erdgeschichte schreibt. Das meinen einige Forscher und haben darum die Epoche des Anthropozäns ausgerufen.
Glossar
Der Treibhauseffekt
Der Treibhauseffekt wird nicht nur durch Kohlendioxid, sondern auch durch Wasserdampf, Stickstoffdioxid (NO2), Methan (CH4) und Ozon (O3) hervorgerufen.
PDF
Der Sprechertext zum Nachlesen.