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Vor allem in der Kraftsport- und Bodybuilderszene wird auf die Mittel gesetzt.
Deutschland dopt
600.000 Hobbyathleten nutzen verbotene Substanzen
Nicht nur Spitzensportler greifen zu leistungsstärkenden Substanzen. Auch im Freizeit- und Breitensport wird trotz erheblicher Gesundheitsrisiken gedopt.
Gängige Dopingmittel im Breitensport
Anabolika © dpa Anabolika
Ephedrin © ap Ephedrin
Epo © reuters Epo

Keine Dopingkontrollen im Freizeitsport
geballte Faust
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Auch Freizeitsportler dopen.
Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen 600.000 Hobbyathleten verbotene Substanzen wie Epo, Kreatin oder Anabolika. Nach Einschätzung der Bundesdrogenbeauftragten sind die Substanzen leicht zu beschaffen. Zudem gebe es kaum Dopingkontrollen im Freizeitsport und die vielfältigen Präventionsbemühungen seien wenig aufeinander abgestimmt. Vor allem junge Männer seien gefährdet. Über das Internet hat heute jeder Zugang zu den Präparaten. Die Mittel werden dabei für die Nutzer immer riskanter. Die Hemmschwelle beim privaten Dopen sei sehr niedrig geworden, analysiert der Frankfurter Toxikologe Detlef Thieme. Mittlerweile fände er mehr Anabolika-Tote als Stimulanz-Geschädigte, meint er. Die Profitraten auf dem Dopingmarkt für Amateure liegen inzwischen höher als beim Rauschgift. Die Internationale Anti-Doping-Agentur (Wada) beziffert den illegalen Handel mit leistungssteigernden Mitteln auf 15 Milliarden Euro weltweit.

"Muskelmasse aufbauen" um jeden Preis
Vor allem in der Kraftsport- und Bodybuilderszene wird auf die Mittel gesetzt. Als Grund dafür nannten die Betroffenen am häufigsten "Kraftzuwachs" und "Muskelmasse aufbauen". Zudem sollen frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige Medikamente nach Angaben von Sportärzten die Schmerzschwelle und damit die körperliche Belastbarkeit der Hobbyathleten erhöhen. "Die Nebenwirkungen sind erheblich", warnt der Sprecher der Zollfahndung Frankfurt, Hans-Jürgen Schmidt. Als Beispiele nannte er schwere Schädigungen der inneren Organe - insbesondere der Leber und des Herzkreislaufsystems -, Hautausschläge (Doping-Akne), Depressionen und Potenzstörungen.

Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) ist alarmiert. Sie klärt seit 2016 verstärkt Schüler auf und warnt, dass Hustensäfte, Asthmasprays oder Schmerzmittel wie Ibuprofen bis hin zu den aus der Tierzucht bekannten muskelaufbauenden Steroiden auf keinen Fall harmlos sind.

Zollfahndung: Handel mit Doping- und Potenzmitteln blüht
Der Handel mit illegalen Doping- und Potenzmitteln blüht nach Angaben des Zolls. "Es ist kein Einbruch festzustellen", sagt Schmidt. Das im Dezember 2015 in Kraft getretene Anti-Doping-Gesetz habe die Gefahren aber bewusster gemacht. Die Spitzensportler wüssten genau, dass ihnen eine Geldstrafe oder sogar bis zu drei Jahren Haft drohten. Zahlen zu Ermittlungsverfahren und sichergestellten Mengen für 2016 gibt es allerdings noch nicht.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren sei 2015 zwar gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen: Bundesweit von 1929 (2014) auf 1034, und im Bezirk der Zollfahnder Frankfurt um 794 auf 197. "Das ist aber der falsche Indikator, um einen Rückgang festzumachen", sagte Schmidt. Denn die Zollfahndung Frankfurt, die auch bundesweit wesentlich zu den hohen Zahlen 2014 beitrug, habe kleinere Verstöße abgegeben. So übernehme inzwischen das Hauptzollamt die meisten Verfahren vom Flughafen und gebe diese direkt an die Staatsanwaltschaft ab.

Sendedaten
Die Wissenschaftsdoku "Deutschland dopt" am Donnerstag, 17. August 2017, um 20.15 Uhr in 3sat und in der Mediathek.
Erstsendung: 25. August 2016
scobel
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Glossar
Doping
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Glossar
Gesetze gegen Doping
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Nach-Lese
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