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Mein Körper - mein Feind
Autoimmunerkrankungen auf der Spur
Bei einer Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe an und nicht Fremdkörper wie Viren und Bakterien. Warum wird bei immer mehr Menschen der eigene Körper zum Feind?
Etwa 80 Formen von Autoimmunerkrankungen gibt es. Betroffene mit rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose oder Morbus Crohn leiden unter gesundheitlichen Einschränkungen und Schmerzen. Vermutlich spielt die genetische Veranlagung beim Ausbruch eine Rolle. Aber auch Umwelteinflüsse und negativer Stress sollen entscheidend sein. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Industrienationen eher als Entwicklungsländer. Wie passt all das zusammen? Kann die Allergie-Forschung neue Erkenntnisse liefern?

Entwicklung und Reifung des Immunsystems
Die Zusammenhänge zwischen Allergien und Autoimmunkrankheiten werden immer deutlicher. Die Tatsache, dass beide vor allem in Industrieländern zunehmen, liefert ein wichtiges Indiz. Übertriebene Reinlichkeit und der mangelnde Kontakt mit Schmutz könnten für die Zunahme der Volkskrankheiten verantwortlich sein. Denn Parasiten und Infektionskrankheiten sind von besonderer Bedeutung für die Entwicklung und Reifung des Immunsystems. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der menschliche Darm. Gerät das bakteriologische Gleichgewicht im Darm durcheinander, kann das zu entzündlichen Krankheiten wie Morbus Crohn führen. Sind Medikamente tatsächlich die einzig wirksame Therapie? Oder wurde das Krankheitsphänomen bisher sogar in einem völlig falschen Licht gesehen?

Kampf des Körpers gegen Krebs?
Forscher der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität haben Belege gefunden, dass Autoimmunkrankheiten nicht nur ein höheres Krebsrisiko bedeuten. Ihre These ist vielmehr umgekehrt: Durch das Auftreten bösartiger Tumorzellen fängt das Immunsystem erst an, den eigenen Körper zu bekämpfen. Sind also Autoimmunkrankheiten der Kampf des Körpers gegen Krebs?

In einer Studie mit mehreren Sklerodermie-Patienten konnte ein Forscherteam um Antony Rosen von der Johns-Hopkins-Universität wichtige Belege dafür finden. Bei Sklerodermie, einer seltenen Autoimmunerkrankung, verhärtet sich das Bindegewebe von Haut und Organen. Ein Teil der Studienteilnehmer erkrankte gleichzeitig an Krebs. Rosen glaubt, dass es sich dabei nicht um einen Zufall handelt. Auch wenn sich der Ansatz noch nicht verallgemeinern lässt, wirft er eine brisante Frage auf: Behandeln Ärzte womöglich an der Autoimmunerkrankung vorbei?

Sendedaten
Donnerstag, 23. März 2017 ab 20.15 Uhr (Erstausstrahlung: 2. Juni 2016)
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Irrtum im Immunsystem
Bei Autoimmunerkrankungen greift ein fehlgeleitetes Immunsystem das eigene, gesunde Gewebe an. Die Folgen sind oftmals chronische Entzündungen, funktionelle Störungen von Knochen, Gelenken und Organen sowie heftige Schmerzen.