schlafende Frau
Eine nicht unerhebliche Zeit seines Lebens verbringt der Mensch im Schlaf.
Der Mythos vom gesunden Schlaf
Unsere Schlafqualität sinkt durch Schichtarbeit, elektrisches Licht und einen hektischen Alltag. Schliefen unsere Vorfahren länger oder besser?
Eine aktuelle Studie legt nahe, dass der ideale "Paläo-Schlaf" ein Mythos ist: Auch Naturvölker schlafen im Schnitt nur sechseinhalb Stunden und gönnen sich kaum ein Nickerchen. Doch Schlafstörungen kennen sie nicht. Der Schlafforscher Jerome Siegel von der University of California in Los Angeles untersuchte mit seinem Team die Schlafgewohnheiten bei drei Naturvölkern.

Das Schlafverhalten von Naturvölkern
Die Jäger-und-Sammler-Kulturen leben noch weitgehend ungestört von unserer Moderne, fernab von Kunstlicht. Mit speziellen Kleingeräten, die sich wie eine Uhr am Arm tragen lassen, erfassten die Forscher das Schlafverhalten von insgesamt 94 Personen dieser drei Völker über einen Zeitraum von 1.165 Tagen hinweg. Darüber hinaus sammelten sie Informationen über den Verlauf der Tageslichtverhältnisse, die Temperaturverläufe während der Nacht und unterhielten sich mit den Menschen über das Thema Schlaf. Die Wissenschaftler stellten bei allen drei Gruppen ein überraschend ähnliches Schlafverhalten fest.

"Trotz unterschiedlicher Genetik, Geschichte und Umgebung weisen alle drei Gruppen eine ähnliche Schlaf-Organisation auf, was darauf hindeutet, dass es sich dabei um ein typisch menschliches Schlaf-Muster handelt, das wahrscheinlich auch charakteristisch für den vormodernen Homo sapiens war", sagt Siegel. Konkret ergaben die Auswertungen: Die meisten untersuchten Menschen schliefen im Durchschnitt sechs Stunden und 25 Minuten. Diese Dauer befindet sich am unteren Ende der Schlafmittelwerte unter Erwachsenen in den industrialisierten Gesellschaften Europas und Amerikas.

Die San kennen keine Schlafstörungen
Auch Nickerchen sind offenbar untypisch für die Naturvölker: "Es gibt diesen Mythos, dass Menschen einst am Tag regelmäßig Nickerchen machten und dass wir dies heutzutage unterdrücken", sagt Siegel. Doch den Untersuchungen zufolge sind kurze Schläfchen am Tag bei den untersuchten Menschengruppen ebenfalls eher untypisch. Dennoch bleibt natürlich die Frage, warum die Menschen der restlichen Welt so häufig über Schlafstörungen klagen. Bei den Naturvölkern ist dies nicht der Fall, wie die Forscher berichten: Die San haben nicht einmal Begriffe dafür. Sind es die elektronischen Medien, die uns so lange wach halten? Ist es die mangelnde körperliche Anstrengung, Bewegung? Das Übergewicht? Die Ernährung?

Sendedaten
01.12.2016, 20.15 Uhr
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