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Das große Sprachensterben
Rund 6.500 Sprachen gibt es weltweit. Sie sind wichtig für die Identität des Menschen und ein Vehikel, um Kulturen zu erschließen. Doch Mobilität und Mehrsprachigkeit führen derzeit zu einem Aussterben von Sprachen.
Es findet weltweit eine Konzentration auf immer weniger Sprachen statt. Die Hälfte der Menschheit spricht derzeit nur noch 19 verschiedene Sprachen. Chinesisch wird am meisten gesprochen, gefolgt von Spanisch und Englisch. Deutsch liegt mit 78 Millionen Muttersprachlern an zwölfter Stelle. Rund um den Globus sterben so viele Sprachen aus wie noch nie. Auch in Deutschland: Die Orte westlich von Oldenburg im Saterland sind eine Besonderheit - dort spricht man Saterfriesisch.

Die kleinste Sprachinsel Europas
Rund 2000 Menschen sind es, die mitten in Deutschland ihre eigene Sprache sprechen. Saterfriesisch ist die kleinste Sprachinsel in Europa. Das Saterland war lange Zeit vom Rest der Welt so gut wie abgeschnitten. Grund dafür waren die ausgedehnten Moorfelder. Nun geht es dem Saterfriesischen wie vielen Sprachen: Nach Schätzungen der UNESCO werden bis zum Ende des Jahrhunderts 50 bis sogar 90 Prozent aller Sprachen vom Aussterben bedroht sein.

Viele Menschen in Deutschland sprechen heute keinen Dialekt mehr. 20 große Dialekträume gibt es in Deutschland. Am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg sind sie alle registriert. Noch heute nutzen Sprachwissenschaftler die dortigen Karten aus dem 19. Jahrhundert. Erstellt hat sie einst Georg Wenker. Mehr als 500 Begriffe hat er aus dem gesamten Deutschen Reich gesammelt und penibel kartografiert. Mit der Einführung des Radios in den 1920er Jahren fing ein Dialekt-Sterben an.

Mundart wurde mit niedrigem Bildungsniveau gleich gesetzt
Spätestens als in den 1960er Jahren die Globalisierung an Fahrt aufnahm, wurde Mundart mit niedrigem Bildungsniveau gleich gesetzt. Kinder sollten Hochdeutsch lernen und Englisch, um in der globalisierten Welt bestehen zu können. Mittlerweile hat sich "Denglisch" etabliert, das Begriffe aus beiden Sprachen munter mixt.

Sprachforscher können durch die Messung von Hirnströmen zeigen, dass Kinder, die wenige Monate alt sind und selbst noch nicht sprechen, bereits Sprache erkennen und aufnehmen. Alles, was nach dem dritten Lebensjahr erlernt wird, wird nicht mehr so verarbeitet wie die Muttersprache. Dieses Wissen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Babys und Kleinkinder massenhaft mit fremdsprachigen Videos beschallt wurden oder zur englischen Krabbelstunde geschickt wurden. Heute sind die Empfehlungen der Wissenschaftler deutlich differenzierter.

So können die Forscher belegen, dass der Verzicht auf den lokalen Dialekt oder gar die Muttersprache nicht unbedingt dazu führt, dass Kinder mit den "global wichtigen" Sprachen besser zurechtkommen. Im Gegenteil: Die aktuellen Ergebnisse einer Studie mit türkischstämmigen Kindern zeigen, dass der jeweilige Wortschatz von mehrsprachig aufwachsenden Kindern größer ist als der von Kindern, die nur eine Sprache lernen.

Sendedaten
10.12.2015, 20.15 Uhr
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Info
Nur 78 Millionen deutsche Muttersprachler?
Wir, die Autorin und die Redaktion, haben für die Dokumentation mehrfach mit der "Gesellschaft für bedrohte Sprachen" gesprochen - ihr Vorsitzender Prof. Himmelmann stand uns auch für ein langes Interview zur Verfügung. Sie haben uns empfohlen, dass wir uns bei den Angaben bezüglich der Muttersprachler auf die Webseite www.ethnologue.com beziehen, weil diese die bestmöglichen Daten zum Thema hat. Selbstverständlich haben auch wir andere Zahlen gelesen, aber Ethnologue ist in sich konsistent und wird international von Sprachwissenschaftlern als Quelle genommen, wurde uns versichert.

Bairisch mit i?
Bairisch mit "i" umfasst die Sprachgruppe Bairisch, dazu gehört beispielsweise auch das Österreichische als Dialektform. Bayrisch mit "y" meint hingegen nur den bayrischen Dialekt und bezieht sich nur auf Bayern.