Lavendelblüte in Südfrankreich: Dieser Duft wird allegemein als angenehm empfunden.
Die Macht der Düfte
Nur der Homo sapiens kann Ekel empfinden
Woher stammen unsere Vorlieben für Gerüche? Woher unsere Abneigungen? Wer entscheidet darüber? Und: Ekeln wir uns alle gleich? Ekel ist eine Empfindung, die uns Menschen von anderen Spezies unterscheidet.

Anders als Tierarten, bei denen die Nahrungspalette von Geburt an feststeht, müssen Menschen sich das örtliche Nahrungsangebot erst erschließen. Gerade am Anfang des Lebens kann beispielsweise verdorbenes Essen für den wenig robusten Organismus des Menschen lebensbedrohlich sein. Ekel ist ein emotionales Alarmsystem, dem sich der Mensch nicht entziehen kann. Die Codes dafür liefert ihm die Kultur.

Unterhalb unserer bewussten Wahrnehmung findet die Entschlüsselung einer ganzen Welt von Düften statt, an die wir aber mit unserem Verstand gar nicht herankommen. Unterhalb der Bewusstseinsebene tauschen wir Menschen ständig Botschaften aus. Beispielsweise werden Stress und Angst durch Duftmoleküle übertragen. Es ist eine Art soziales Alarmsystem, das dazu da ist, uns schnellstmöglich über potenzielle Gefahren aufzuklären. Und diese Botschaften müssen wir nicht erst erlernen. Sie sind genetisch programmiert. Unsere Körpergerüche gleichen einer geheimen Sprache, die wir miteinander sprechen, ohne es zu merken.

Trennung zwischen Substanz und ihrem Geruch
Chemikerin im Labor der Symrise AG
Duftstoffe sind ein Milliardengeschäft, mit enormen Wachstumsraten. Duftmoleküle senden ausgewählte Informationen über Waren und lassen sie hochwertiger erscheinen. Die Palette künstlicher Duftmoleküle ist schier endlos. Verarbeitet werden sie in Putzmitteln und Pflegeprodukten, in Lebensmitteln, wie Süßigkeiten, Jogurts, Fleisch oder Babynahrung. Aber auch in Lederprodukten, Handys oder Neuwagen. Längst hat eine Trennung zwischen Substanz und ihrem Geruch stattgefunden. Permanent begegnen uns Hunderte künstlicher Düfte. Das Empfinden für die Dinge, die wir täglich konsumieren, wird von Duftmolekülen beeinflusst. Sie landen dort, wo sie ihren Einfluss voll entfalten können: im Gehirn.


Es gibt keine Branche, die nicht mit Düften arbeitet
Düfte sind längst zu Bestandteilen globaler Vermarktungsstrategien geworden. Dort, wo sich Konsumenten konzentrieren, wird mit Düften experimentiert. Die Unternehmen wollen etwas, was tief im Innern der Menschen steckt: ihre Emotionen, ihr Vertrauen - und damit: ihr Geld. Untersuchungen konnten zeigen, dass sich durch den Einsatz eines bestimmten Duftes das Preis-Leistungsempfinden von Bahnreisenden verbessern lässt. Zugunsten der Bahn.





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