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Wunder - das Unerklärliche erklären
Mit Wundern tut sich die Wissenschaft schwer. Steckt doch im Begriff schon der Anspruch, dass Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden können. Wunder darf es also streng genommen gar nicht geben - und doch berichten immer wieder Menschen von unerklärlichen Heilungen, Erscheinungen und Ereignissen.
Für die katholische Kirche haben Wunder eine ganz besondere Bedeutung: Ein Wunder ist die Voraussetzung für die Selig- oder Heiligsprechung einer Person, sofern sie nicht den Märtyrertod gestorben ist. Was ein Wunder ist, wer selig oder heilig ist - das entscheidet der Vatikan. 1588 hat Papst Sixtus V die Regeln aufgestellt, nach denen noch heute heilig gesprochen wird. Ein "göttliches Zeichen" ist dazu eine Voraussetzung. Im "römischen Verfahren" macht ein Bischof dem Vatikan einen Vorschlag für eine Heiligsprechung. Ein "Relator" betreut von nun an diesen Fall und erstellt ein Dossier. Sechs Theologen befinden in der "Consulta" über den "heroischen Tugendgrad" der betreffenden Person. Wenn es sich nicht um einen Märtyrer handelt, müssen in der Regel zwei Wunder nachgewiesen sein. In medizinische Fällen prüft eine Kommission aus sieben Ärzten den Sachverhalt. Und am Ende entscheidet dann der Papst.

Wissenschaftlich nicht zu erklärende Heilungen
In dem französischen Wallfahrtsort Lourdes trifft sich jedes Jahr eine internationale Ärztekommission, die die vielen von Pilgern gemeldeten Heilungen ganz genau unter die Lupe nimmt. So auch den Fall von Christa Zirbes: Nach einer misslungenen Blinddarm-OP hatte Christa Zirbes 40 Jahre unter schrecklichen Schmerzen durch Verwachsungen im Bauchraum gelitten. Zahlreiche weitere Operationen konnten ihr nicht helfen. Vor zwanzig Jahren reiste sie dann nach Lourdes und ist seitdem geheilt. Für die 72jährige steht fest, dass sie auf Fürsprache der Gottesmutter Maria geheilt wurde. Und mit ihrer Meinung ist sie keineswegs allein. Papst Johannes Paul II hat ihr gratuliert - und das internationales Ärztekomitee bestätigte nach intensiver Prüfung: die Heilung sei wissenschaftlich nicht zu erklären.

In Heidelberg beschäftigt sich der Onkologe Prof. Dirk Jäger mit dem Phänomen der Spontanheilungen. Was passiert, wenn Tumore sich zurückbilden und Patienten die bereits dem Tod geweiht schienen, auf einmal genesen? Bei einer Spontanheilung wird das Immunsystem plötzlich aktiv, erkennt und beseitigt die Tumorzellen. Der Patient ist auf einmal wieder gesund. Auch wenn die Wissenschaft das Phänomen noch nicht versteht - ein "Wunder" sei eine solch äußerst seltene Heilung nicht. Die Forscher um Dirk Jäger in Heidelberg sind der Meinung, dass solche Reaktionen des Immunsystems vielleicht auch künstlich provoziert werden könnten. Es wäre eine Revolution in der Krebstherapie - und Patienten müssten nicht mehr auf ein Wunder hoffen.

Alles bloß Hokuspokus?
Dreimal im Jahr erwarten Gläubige in Neapel das Blutwunder. Über 1700 Jahre alt soll das Blut eines Heiligen sein, das in einer gläsernen Ampulle aufbewahrt und an besonderen Festtagen den Gläubigen präsentiert wird. "Wird das Blut flüssig, ist das ein gutes Zeichen. Bleibt es aber fest, können schlimme Dinge passieren", so die Theorie der Gläubigen. Über den Heiligen ist nur wenig bekannt. Bischof von Neapel war er - und wurde um 300 nach Christus enthauptet. Sein angebliches Blut wird seit Jahrhunderten sicher verwahrt. Der Vatikan hat das geheimnisvolle Phänomen nie offiziell als "Wunder" bezeichnet - toleriert aber die Tradition in Neapel.

Chemie-Professor Luigi Garlaschelli von der Universität Pavia hat sich der Aufgabe verschrieben, Wunder zu entzaubern. Er zweifelt an den Heilungen von Lourdes, hält das "Blutwunder von Neapel" für Scharlatanerie und das Turiner Grabtuch zeigt seiner Meinung nach keineswegs das Antlitz Jesu. Luigi Garlaschelli hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wunder im Labor nachzubauen - damit will er demonstrieren, dass auch schon vor über tausend Jahren Menschen Mittel hatten, um ganz erstaunliche Dinge geschehen zu lassen - die seiner Meinung nach jedoch durchaus naturwissenschaftlich zu erklären sind.

Die Wissenschaftsdoku geht intensiv der Frage nach, ob Wunder und Wissenschaft einander ausschließen - oder, ob es eben doch Bereiche im Leben gibt, in denen man mit Verstand und Logik nicht weiter kommt.

Sendedaten
26.03.2015, 20.15 Uhr
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