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Wissenschaftsdoku: Dicke leben länger
Leichtes Übergewicht kann ein Vorteil sein
In Deutschland gibt es mindestens ebenso viel übergewichtige wie schlanke Menschen. Weltweit sind mehr als zwei Milliarden Menschen zu dick. Sie alle sollten abnehmen – so zumindest die gängige Meinung, die auch von vielen Dicken selbst vertreten wird.
Fettstoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Herzinfarkt – die Liste der Erkrankungen durch Übergewicht ist lang. Die American Medical Association definiert Adipositas sogar als eigenständige Krankheit.

Trotz dieser Einstufung: Die einfache Formel "Dünn ist gut und dick ist schlecht" lässt sich nicht mehr so pauschal halten. Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg ist der Meinung, dass sich aus der Gestalt eines Menschen nicht automatisch seine gesundheitliche Entwicklung vorhersehen lässt. Ihre Auswertung von Studien über Diabetes zeigte, dass Übergewichtige sogar länger leben, solange sie nicht extrem fettleibig sind. Leichtes Übergewicht kann demnach ein Vorteil in Bezug auf die Sterblichkeitsrate sein. Dicke mit Herzinfarkt, Sepsis oder Schlaganfall leben länger und überstehen schwere Operationen besser als Dünne mit den gleichen Erkrankungen.

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht
Matthias Blüher von der Adipositas-Ambulanz am Leipziger Universitätsklinikum unterscheidet gesunde und kranke Dicke. Die Wartezimmer sind auf Schwergewichte eingestellt, die Toilette hält ein Gewicht von 500 Kilogramm aus. Seine Patienten haben einen BMI von über 35 und doch sind etwa 20 Prozent von ihnen gesund – keine erhöhten Blutfette, kein Bluthochdruck und kein Diabetes. Ein überraschendes Ergebnis. Blüher fand heraus, wenn viele Zellen des Immunsystems in das Fettgewebe einwandern, also eine Entzündung vorliegt, dann ist das Risiko für Folgeerkrankungen von Adipositas erhöht. Gene scheinen die Ursache für die Entzündung des Fettgewebes zu sein.

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Es lohnt sich, nicht nur bei den Dicken genauer hinzuschauen
Doch welche Bedeutung haben Lebensstil und Nahrungsaufnahme für die Gesundheit von dicken und dünnen Menschen? Ausgewogene Ernährung, Sport und Diät galten bislang als Garant für anhaltendes Wohlbefinden. Der Tübinger Diabetologe Norbert Stefan beschäftigt sich intensiv mit dem Lebensstil seiner Patienten. Von Stefan und seinen Kollegen wurden das Tübinger Lebensstil-Interventions-Programm (TULIP) und die Tübinger Familien-Studie ins Leben gerufen. Ein interessantes Ergebnis dieser Studien: Die Forscher unterscheiden zwischen der Gruppe der happy obese und der Gruppe der lifestyle-nonresponder. Die happy obese sind die Glücklichen unter den Dicken, denn ihr Stoffwechsel ist trotz Übergewicht gesund. Die lifestyle-nonresponder hingegen reichern viel Fett in Leber und Muskulatur an. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Stoffwechselerkrankungen. Leider funktionieren bei ihnen Interventionsmaßnahmen wie Sport und Ernährungsumstellung am wenigsten gut.

Doch nicht alle Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig. Etwa jeder zehnte hat ein normales Körpergewicht. Typ-2-Diabetes bei normalgewichtigen Menschen wird oft nicht erkannt und dann zu spät behandelt. Es fehlt ja der Indikator Übergewicht. Es lohnt sich also nicht nur bei den Dicken, sondern auch bei den Dünnen genauer hinzuschauen.

Ein Film von Uta Meyer
Die Wissenschaftsdoku begibt sich mit renommierten Ernährungswissenschaftlern und Medizinern auf eine Studienfahrt durch die Welt des Body Mass Indexes.





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