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Der Einfluss der Gene ist flexibel und veränderbar
Thema zur Sendung "Dumm geboren und nichts dazugelernt?"
Wie wirken sich Umwelteinflüsse auf die Intelligenz aus? Andre Fischer forscht in einem Spezialgebiet der Biologie - der Epigenetik - und untersucht, welche Bedingungen notwendig sind, um die Aktivität von Genen zu steuern.
Die Epigenetik beweist inzwischen, dass Erbe und Umwelt auf komplizierte Weise miteinander agieren. Einzelne DNA-Abschnitte werden je nach Umweltbedingungen an- oder abgeschaltet. Chemische Markierungen an der Erbsubstanz entscheiden dann darüber, ob die Gene lesbar sind oder nicht. Stress, Einsamkeit, Angst oder Unterernährung können die Art und Weise verändern, wie die Gene arbeiten.

Ein gutes Gedächtnis ist ein Hinweis auf Intelligenz. Also macht Andre Fischer Versuche mit Mäusen zur Gedächtnisleistung - ein "IQ-Test für Nager". Können sich die Versuchsmäuse an verschiedene Objekte erinnern? Die Mäuse sind Klone - genetisch sind sie völlig identisch. Die Wissenschaftler haben zudem dafür gesorgt, dass die Tiere unter völlig gleichen Bedingungen aufwachsen. Unterschiede in der Lernleistung dürfte es somit eigentlich nicht geben. Dann verändern die Forscher die Umweltbedingungen der Mäuse. Einer Mäusegruppe wird ein Sportangebot gemacht. Während die einen trainieren, bleiben die anderen faul.

Intelligenz braucht eine stimulierende Umwelt
Das Ergebnis ist eindeutig: Durch das Fitnesstraining zeigen sich die sportlichen Mäuse bei den Gedächtnistests leistungsfähiger als die untrainierten Nager. Ein tiefer Blick in den Hippocampus der Mäuse - das ist der Teil im Gehirn mit den evolutionär ältesten Strukturen - erklärt warum.

Andre Fischer, Epigenetiker:
"Man sieht, dass dieses Muster von 700 Genen mit der kognitiven Leistungsfähigkeit korreliert. Die Aktivität der Gene in den Nervenzellen in dieser Hirnregion, die wichtig ist für die Gedächtnisabspeicherung korreliert. Es gibt halt Gene, die sind blau, und die werden rot, je besser die Maus den Test lernt."

Das heißt: Wie sich Gene auf die geistigen Funktionen und das Verhalten auswirken, ist höchst flexibel und veränderbar! Doch Mäuse sind keine Menschen. Trotzdem ist klar: Intelligenz braucht eine stimulierende Umwelt, sonst kann sie sich nicht entwickeln.

Elsbeth Stern, Intelligenzforscher:
"Ich bin auch ganz sicher, dass in Migrantenpopulationen in Deutschland sehr viel IQ-Potential schlummert, was sich bisher nicht entfalten konnte. Wahrscheinlich bei Mädchen und Jungen gleich viel, weil die Kinder nicht früh sprachlich gefördert wurden, weil die Schulbildung wegen Sprachproblemen an ihnen vorbei gegangen ist. Also da ist sicherlich mehr zu holen, als wir bisher rausholen, und das ist ein schlimmes Versäumnis."

Sendedaten
28.05.2015, 20.15 Uhr

Erstsendung: 10.04.2014
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