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Der IQ - Näherungswert mit wenig Aussagekraft
Thema zur Sendung "Dumm geboren und nichts dazugelernt?"
Das Wesen der Intelligenz ist schwer fassbar. Schon die Definition des Begriffs ist seit mehr als 100 Jahren umstritten. Aber Intelligenztests gehören seit Jahrzehnten zum Standardwerkzeug der Psychologen.
Intelligenz ist immer das, was die jeweilige Gesellschaft dafür hält - und das wird naturgemäß von jeder Gesellschaft anders definiert - und versucht zu messen. An der Bremer Universität entwickelt der Psychologe Franz Petermann die Methoden, um Intelligenz zu messen. Genauer gesagt, er passt amerikanische Intelligenztests für den deutschen Markt an. Die besondere Schwierigkeit liegt offenbar darin, Standards zu etablieren. Also Fragestellungen, die wiederholbare Ergebnisse liefern und eine Aussage darüber zulassen, wie intelligent jemand im Vergleich zu anderen Menschen seiner Altersgruppe ist.

Ein überdurchschnittlicher IQ ist kein Erfolgsgarant
Die meisten Menschen, erklärt Petermann, sind eher durchschnittlich begabt. 68 Prozent liegen in der Nähe des Mittelwertes. Etwa 14 Prozent sind überdurchschnittlich intelligent und ebenso viele unterdurchschnittlich. Die Ergebnisse werden immer ins Verhältnis gesetzt zum Alter der Testperson, deshalb spricht die Wissenschaft vom Intelligenz-Quotienten. Intelligenz-Tests messen im Wesentlichen drei Bereiche: logisch-mathematisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen und den individuellen Wortschatz. Mehr nicht. Zu etwa 30 Prozent lässt sich die Leistung in Schule oder Beruf durch diese messbare Intelligenz erklären oder vorhersagen, meinen die Experten. Für eine Wettervorhersage wäre eine Treffsicherheit von 30 Prozent nicht gut genug. Aber auch ein überdurchschnittlicher IQ ist eben kein Garant für schulischen und sozialen Erfolg. Dazu gehören Motivation, Selbstdisziplin und Fleiß. Also die Leistungsbereitschaft.

Franz Petermann, Psychologe:
"Die Leistung in einem Intelligenztest hängt von der Tagesform, vor allem von der Motiviertheit der Versuchsperson ab. Man darf nicht an die Intelligenzpunkte Eins zu Eins glauben. Ich glaube, das ist der allergrößte Fehler. Ich kann auch mit einer durchschnittlichen Intelligenz von 100 Meisterleistungen, auch im Schulischen, auch im Akademischen bringen, ich muss nur gut adaptiert sein an die Aufgaben, die mir Tag für Tag gestellt werden. Es ist sehr, sehr naiv, der Zahl zu glauben, die ein Intelligenztest produziert."

IQ-Tests produzieren nur Näherungswerte, keine absoluten Werte. Die gibt es einfach nicht. Trotzdem gelten IQ-Tests immer noch als das aussagekräftigste Hilfsmittel der Psychologie.

Franz Petermann, Psychologe:
"Intelligenz per se ist für mich weder gesellschaftlich noch moralisch noch individuell ein Wert an sich, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit der Intelligenz und das Leben, was die Rahmenbedingungen setzt, die Potentiale, die man hat, auch zu erschließen. Intelligenz ist ein Potential. Die Leistung, die nachher raus kommt, die hängt von vielen, vielen anderen Dingen ab."

Sendedaten
28.05.2015, 20.15 Uhr

Erstsendung: 10.04.2014
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