Donnerstags um 20.15 Uhr
Kalender
September 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
31
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
01
02
Lupe
Kampf mit harten Bandagen
Thema zur Sendung "Gefährliche Geheimnisse"
Colorado ist das Kernland der amerikanischen Rindermast. In riesigen Tierfabriken, sogenannten "feedlots" werden Rinder gemästet. Hier stehen 80.0000 Stück Vieh an einem Standort. Produziert wird im industriellen Maßstab.
Verfüttert wird vor allem Mais. Die Rezeptur ist so abgestimmt, dass die Rinder die zugeführte Nahrung optimal verwerten. Doch die Rindermäster sitzen in der Falle: Der Rindfleischkonsum ist deutlich zurückgegangen, die Preise für Futter-Mais wegen der Nachfrage durch die Ethanolindustrie enorm gestiegen. Gleichzeitig sinkt der Preis für Schlachttiere. Zuletzt gab es im 27. Monat in Folge niedrigere Erlöse. Die Gewinnmargen sind minimal. Um in diesem Geschäft minimale Gewinne zu erzielen, setzen die Produzenten Wachstumshormone ein. Ihr Einsatz ist behördlich und auch gesellschaftlich akzeptiert. Bei 80 Prozent aller Rinder in den USA werden sie angewendet. Und an der Universität von Colorado werden vor allem die wirtschaftlichen Aspekte der Wachstumshormone analysiert. In den USA werden sie seit 1947 eingesetzt. Es gibt also mehr als 60 Jahre Erfahrung damit. Niemand stellt den Einsatz in Frage. Die Auswirkungen der Hormone selbst werden kaum noch untersucht.

John Wagner:
"Unglücklicherweise kommen die Studien vor allem aus der Pharmaindustrie selbst. Das ist leider die Art und Weise wie agrarwissenschaftliche Forschung derzeit durchgeführt wird. In einer perfekten Welt würde es unabhängige Studien geben."

Importverbote bestehen - noch!
Lupe
Der Streit um Hormonfleisch tobt seit Jahren. Dabei stehen die Europäer in der Defensive, denn es ist schwierig nachzuweisen, wie gefährlich der Anteil der künstlich zugeführten Wachstums-Hormone wirklich ist. Dennoch steht das Importverbot bis heute. Wird die EU auch bei den TTIP-Verhandlungen bei ihrer Position bleiben? Und im Sinne des vorsorgenden Verbraucherschutzes den Import von Hormonfleisch aus den USA weiter boykottieren? Vor allem: Wird sie es können? Angesichts der internationalen Handelsabkommen, die bereits bestehen? Im Kampf um allgemeingültige Standards und freien Welthandel wird mit harten Bandagen gekämpft. Auf allen Ebenen - auch in Genf. Hier hat die Weltgesundheitsbehörde WHO ihren Sitz. Ihr Ziel: Die Verwirklichung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus aller Menschen. Einmal im Jahr trifft sich hier die „Codex Alimentarius Kommission“. 185 Staaten sind Mitglied. Die große Versammlung berät über Lebensmittelstandards weltweit. Seit Jahren wird über einen Wachstumsbeschleuniger verhandelt, der in der Tiermast, vor allem bei Schweinen eingesetzt wird: Ractopamin.

Karen Hansen-Kuhn:
"Es gibt zahlreiche Berichte die zeigen, dass diese Substanz gefährlich ist. Viele Tiere werden krank. Dieser Futterzusatz entspricht nicht der artgerechten Tierhaltung. Dann gibt es Hinweise, dass Rückstände von Ractopamin in den menschlichen Körper gelangen. Es gibt nur eine einzige Studie am Menschen, die den Verzehr von Ractopamin-Fleisch untersucht hat. Diese Studie musste abgebrochen werden, weil eine Testperson Herzprobleme bekam."

Die USA können jetzt gegen das Einfuhrverbot klagen
In diesen Verhandlungen ließ sich die USA nicht so leicht bezwingen. Im Gegenteil.

Lupe
Karen Hansen-Kuhn:
"Die USA und die EU haben Jahre lang darüber gestritten. 2012 wurde der Streit auf die Spitze getrieben. Es kam zur Abstimmung. Die USA haben einen erheblichen Aufwand betrieben, diverse Delegierte bearbeitet und im allerletzten Moment mit zwei Stimmen Mehrheit diese Abstimmung gewonnen. Im bestimmten Mengen darf Ractopamin verabreicht werden. Jetzt nutzen die USA dieses Votum, um Druck auf die EU und China auszuüben, damit dort die Standards ebenfalls abgesenkt werden. Dieser Entscheidungsprozess, der eigentlich auf wissenschaftlicher Erkenntnis basieren soll, wurde so hochgradig politisiert."

Mit dem Votum über Ractopamin im Rücken können die USA jetzt jedes Land, dass sich der Einfuhr von Fleisch widersetzt, das mit dem Wachstumsbeschleuniger hergestellt wurde, vor der Welthandelsorganisation verklagen. Denn die Voten sind bindend. Auch für die EU. Noch hält die EU den Boykott dieses Fleisches aufrecht. Aber wie lange noch? Das Beispiel zeigt, welche Wirkung internationale Handelsverträge haben können. So wie das TTIP, über das derzeit verhandelt wird.

Sendedaten
24.07.2014, 20.15 Uhr

Erstsendung: 20.03.2014
Navigation
Mediathek