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Untersuchungs- und Heilungsmethoden
Thema zur Sendung "Neues aus dem Reich der Mitte: Der Darm"
Das Bakterium Clostridium Difficile kommt bei zwei von zehn Menschen im Darm vor, ohne weiter aufzufallen. Aber bei einigen Menschen richtet es großen Schaden an. Meist sind es ältere Menschen, deren Darm durch vorangegangene Antibiotikatherapien geschwächt ist.
Wo das Mikrobiom gestört ist, ist Platz für andere Bakterien, solche wie Clostridium. Die Folge: eine Darmentzündung mit Durchfall bis hin zur Zerstörung von Darmzellen. Eine Erkrankung mit diesem Bakterium zu erkennen ist verhältnismäßig schwierig, denn es ist sind nur bestimmte Typen, die die Gifte erzeugen, die krank machen. In Bremen hat eine Forschergruppe einen Weg gefunden, Bakterien wie Clostridium auf natürlichem Wege zu bekämpfen. Johann Ockenga und sein Team arbeiten mit der Fäkaltransplantation. Der Kot von gesunden Menschen wird auf den Darm von Kranken übertragen.

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Johann Ockenga, Gastroenterologe Klinikum Links der Weser:
"Die Heilungschancen mit der Stuhltransplantation sind sehr hoch. Bis zu neunzig oder mehr Prozent der Patienten die im Vorfeld durch Antibiotika nicht behandelt oder nicht geheilt werden konnten sprechen auf eine Stuhltransplantation an. Und nur ein geringer Teil von denen braucht manchmal noch eine zweite Transplantation, um einen langfristigen Heilungserfolg zu sichern."

Das Wirkprinzip ist denkbar einfach: Die "guten" Bakterien besetzen freie Stellen und vermehren sich innerhalb kürzester Zeit. Auf diese Weise verdrängen sie die krank machenden Clostridien.

Johann Ockenga, Gastroenterologe Klinikum Links der Weser:
"Ich bin mir sicher, dass wir hier eine etablierte Therapieform vor uns haben. Das spannende wird werden, diese Therapieform vielleicht noch zu vereinfachen. Vielleicht wird es in Zukunft eine Kapsel geben die man schluckt, womit dann die Stuhltransplantation auch ein wenig von ihrem emotionalen Charakter verliert und das für die Patienten schneller und einfacher umzusetzen ist."

Das Ende der Darmspiegelung?
Lupe
Unser Darm ist bis zu 8 Meter lang. Schon aufgrund der Länge ist es schwierig Krankheiten und Fehlbesiedlungen im Darm zu erkennen. Lange Zeit gab es nur die Darmspiegelung. Doch ein kleines Gerät sorgt für Abhilfe: eine winzige Kamera, genannt Pillcam. In dieser Pille vom Volumen einer Fischölkapsel sitzen Kameras, ein Empfänger, LEDs und ein Sender. Geräte wie dieses sollen auf lange Sicht die vorbeugende Darmspiegelung ersetzen. Nach vorbereitenden Spülungen, um den Darm sauber zu bekommen, schluckt der Patient das Gerät zusammen mit einem Mittel, welches Blasen im Darm verhindert. Er kann die Praxis verlassen und seinem normalen Alltag nachgehen. Die Kamera wandert mit der Peristaltik durch den Verdauungstrakt und schießt Bilder, zwei bis fünf pro Sekunde. Es gibt verschiedene Varianten von Kapseln. Die Dickdarmkapsel ist für die vorbeugende Untersuchung zuständig. Die Dünndarmkapsel zeigt Bereiche im Dünndarm, an die man mit der Endoskopie gar nicht herankommt.

Noch muss die Untersuchung privat bezahlt werden, doch in Zukunft sollen die Krankenkassen bei bestimmten Erkrankungen die Kosten übernehmen. Die Kamera kommt nach ein bis vier Tagen auf natürlichem Wege wieder heraus. Der Patient gibt lediglich das Aufnahmegerät beim Arzt ab. Diese Form der Darmbegutachtung hat viele Vorteile, sie hat aber auch ihre Schattenseiten. Der Arzt muss die Bilder einzeln begutachten, ein Darmfilm, mehrere Stunden Bildmaterial. Und die Kapsel hat einen weiteren Nachteil: sie ist nicht steuerbar und der Arzt kann damit keinerlei therapeutische Maßnahmen ergreifen.

Horst Hohn, Gastroenterologe:
"In Zukunft, vielleicht in naher Zukunft, ist es möglich, dass man diese Kapsel von außen, von extern auch steuern kann wie ein kleines Mini U-Boot. Und vielleicht bekommen wir dann auch eine Kapsel die Proben entnimmt oder irgendwelche Dinge machen kann. Das ist natürlich noch Zukunftsmusik, aber es gibt bereits Modell in denen das erprobt wird."

Sendedaten
06.04.2016, 20.15 Uhr

Erstsendung: 13.02.2014
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