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Lupe
Genauigkeit und Beeinflussbarkeit
Thema zur Sendung "Die Macht der Zuschauer "
Die Fernsehforschung ist eine eigene Wissenschaft. Mit der Einschalt-Quote steht am Ende eine bis hinter das Komma genaue Zahl. Die Quote definiert unbestechlich den Willen der Zuschauer - also Sieger, Platzierte und Verlierer.
Aber das gilt nur solange, bis sich ein Mathematiker über die Zahlen beugt. Denn es gibt keine Hochrechnung ohne Ungenauigkeiten. Und die lassen sich statistisch berechnen. Bei 10% Marktanteil beträgt die statistische Ungenauigkeit 0,8%. Was bedeutet das, wenn zum Beispiel eine Sendung 9,2%, eine andere 9,7% Zuschauer hatte?

Gilles Blanchard, Universität Potsdam:
"Wenn man die Schwankung berücksichtigt, könnte es sein, dass die erste Sendung 9% der tatsächlichen Zuschauer in ganz Deutschland hatte und die zweite 10%. Das kann man nicht mit Sicherheit ausschließen."

Verändert die Beobachtung das Sehverhalten?
Jedes Mitglied des deutschen Fernsehpanels repräsentiert etwa 7000 normale Zuschauer. Aber die Panelmitglieder wissen natürlich, dass sie genau von der GfK beobachtet werden. Medienwissenschaftler Matthias Wieser hat diesen Zusammenhang untersucht.

Lupe
Matthias Wieser, Uni Klagenfurt:
"Die Quotenforschung im Grunde eine Experimentalanordnung. Somit ist dann eben das Fernsehen keine alltägliche Praxis in dem Sinne mehr, sondern eben eine experimentelle Praxis in dem Sinne, dass jetzt auf einmal das Fernsehzuschauen verrechnet, berechnet und umgerechnet wird."

Allein dieses Wissen im Hinterkopf könnte das Sehverhalten bereits deutlich verändern. Die Kriterien der GfK für die Panel-Auswahl sind rein statistischer Natur, also männlich/weiblich, Stadt- oder Landbewohner, geringes oder hohes Einkommen, die Art des Fernsehempfangs und natürlich der Wohnort. Aber lassen diese Kriterien auch zweifelsfrei auf das TV-Konsumverhalten schließen? Ein weiterer Kritikpunkt: Die Quotenmessung funktioniert nach dem An-/Aus-Prinzip. Fernsehforscher unterstellen: Wird uns langweilig, schalten wir um. Oder aus. Jeder Sender versucht seine Zuschauer möglichst lange im Programm zu halten. Denn unsere Aufmerksamkeit wird zur Quote und die zur ganz realen Währung für Werbepreise. Das ZDF ist besonders stolz auf seine Markenträger, die Mainzelmännchen. Hans-Joachim Strauch ist sozusagen der Chef der bunten Truppe. Und er vermarktet sie. Wie berechnet sich der Werbepreis?

Die Werbepreise variieren
Lupe
Hans-Joachim Strauch, Leiter ZDF Werbefernsehen:
"Wir haben die Quote, wir wissen, wieviele Menschen wir erreichen mit einer Werbeinsel und entsprechend sagen wir oder wissen wir, was der Marktpreis ist für bestimmte Zielgruppen. Und dieser Marktpreis ist je nach Zielgruppe zwischen 7 und 80 Euro pro 1000 Kontakte, pro 1000 Seher. Und entsprechend wird dann die Leistung, die wir erreichen oder glauben mit einem Werbeplatz erreichen zu können, multipliziert mit diesem 7 Euro Preis für 1000 Seher. Je nachdem wie viel Seher wir haben, kann man so einen Preis ermitteln."

Die Werbepreise für einen 20-Sekundenspot variieren also. Neben der Zuschauerzahl sind Zielgruppe und Programmumfeld entscheidend. Anders als die privaten Sender dürfen ARD und ZDF allerdings nur vor 20 Uhr Werbung ausstrahlen. Da die Quoten für die Werbeeinnahmen existenziell sind, besteht theoretisch die Gefahr, dass Sender sich Quote kaufen, indem sie versuchen, Panelteilnehmer gezielt zu bestechen. Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung schließt das jedoch aus. Die Teilnehmer-Identität hütet die GfK wie ein Staatsgeheimnis. Wie wird man überhaupt Panel-Teilnehmer?

Robert Nicklas, Leiter Fernsehforschung bei der GfK:
"Sie haben eine Chance reinzukommen, nämlich dann wenn ein Interviewer von uns bei Ihnen vorbei schaut. Auf den Zeitpunkt müssen Sie leider warten. Es bewerben sich immer wieder Menschen bei uns. Aber die kriegen dann ein Dankeschön für das Interesse, Informationen über das System und die Aufforderung zu warten, bis ein Interviewer kommt. Und der kommt zufällig, das ist seine Aufgabe."

Sendedaten
21.08.2014, 20.15 Uhr

Erstsendung: 09.01.2014
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