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Erfolg oder Misserfolg
Thema zur Sendung "Die Macht der Zuschauer "
Sekunde für Sekunde wird erfasst und ausgewertet, wer wie lange welchen Sender eingeschaltet hat. Repräsentiert werden die insgesamt 72 Millionen Zuschauer ab 3 Jahren durch das Fernsehpanel der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung.
Das sind 5640 ausgesuchte Haushalte, in denen 10.500 Personen leben, die der technischen Überwachung zugestimmt haben. Nur bei ihnen misst die Gesellschaft für Konsumforschung GfK das Sehverhalten. Die Messgeräte heißen GfK-Meter. Über eine Fernbedienung meldet sich jedes Familienmitglied vor dem Fernseher an und ab. Sie ist DAS Machtinstrument der Zuschauer: Mit ihr entscheidet das Publikum das Schicksal von einzelnen Sendungen, Serien und ganzen Sendern. Die GfK-Meter übertragen die Daten des vergangenen Fernsehtages in das Rechenzentrum nach Nürnberg.

Dieser Datenstrom wird in die Währung "Einschalt-Quote" umgerechnet, auf die zehntausende Fernsehmacher täglich warten. Erst sie beziffert Erfolg oder Misserfolg. Auftraggeber der GfK-Quoten ist die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung AGF. Ein Zusammenschluss der großen Sendergruppen ARD, ZDF, RTL und Pro7.SAT1. Weitere 30 Sender haben sich der AGF angeschlossen und beziehen über sie die Quoten. Kosten der Forschung jährlich: 17 Millionen Euro.

Augenmerk auf Quotenverläufe und die Altersstruktur
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Den Allzeit-Quoten-Rekord hält seit Januar 1963 der WDR Krimi-Mehrteiler "Tim Frazer": Das Finale schalteten unglaubliche 93% der Fernsehhaushalte ein. Allerdings gab damals in der Bundesrepublik erst 7 Millionen Fernsehgeräte - heute sind es mehr als zehn mal so viele. Die Schwarzwaldklinik fuhr Prozenten eine viel schlechtere Quote ein als Tim Frazer, konnte aber in absoluten Zahlen 4mal mehr Zuschauer erreichen. Um auf unterschiedliche Zuschauerbeteiligung zu verschiedenen Zeiten zu reagieren, wird neben der absoluten Zahl immer auch der Marktanteil ausgewiesen. Er verrät wie viel Prozent der eingeschalteten Fernseher einen bestimmten Sender gewählt haben. Nicht nur dieser durchschnittliche Marktanteil interessiert die Macher, auch Quotenverläufe und die Altersstruktur der Zuschauer.

Anne Reidt, Redaktionsleiterin heute journal:
"Für uns ist Inhalt und Relevanz immer die erste Priorität, aber wenn wir sehen, im Ersten zum Beispiel ist Dienstag Abend eine sehr erfolgreiche Krankenhausserie, „In aller Freundschaft“, und die hört erst um 21.48/49 Uhr auf, das heißt, da spült sich eigentlich eine Menge Publikum zu uns rüber. Und wenn es sich dann inhaltlich anbietet und wir haben die Wahl, ein analytische Stück, das vielleicht eher politische Köpfe zeigt, zu senden, oder eine Reportage zu setzen, dann würden wir eher an die zweite Stelle unseres Ablaufes die lebendige, emotionale Reportage setzen und vielleicht an den Anfang das grauere Stück. Weil wir uns erhoffen, die Zuschauer, die aus diesem sehr emotionalen Programm kommen, können wir dann besser kaschen. Das würden wir aber nie tun, wenn es eine echte Aktualität gibt und irgendwo ein Krieg ist. Dann ist das unser Hauptthema, 10 Minuten lang, egal was um uns rum passiert. Das heißt diese Erwägungen, nach Quote zu programmieren in unserem Ablauf, sind immer nur untergeordneter Natur.“

Der weltweit größte Werbekuchen wird in den USA verteilt
Ausschließlich nach Quote programmiert dagegen Ulrich Meyer. Das Urgestein des deutschen Privatfernsehens ist wirtschaftlich abhängig von den Zuschauerzahlen. Im Kampf um hohe Werbeerlöse hat Ulrich Meyer keine Wahl, er braucht gute Quoten. Anders die Öffentlich-Rechtlichen, sie sind nur zu einem geringen Teil werbefinanziert. Dient die Quote ihnen also ausschließlich zur Orientierung, weil im Vordergrund der Programmauftrag steht?

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Ullrich Meyer:
"Mit jedem Programmverantwortlichen mit dem Sie sprechen, der sagt Ihnen bei jedem Projekt, bei jedem Vorhaben, der schreibt es teilweise in die Vereinbarungen rein, welchen Quotenerfolg, welchen Marktanteil Sie erreichen müssen."

Unbedingt den Zuschauer als Kunden erreichen müssen - der US-Fernsehmarkt zeigt mit brutaler Konsequenz, was das bedeutet. Die Amerikaner sitzen 39 Stunden wöchentlich vor dem Bildschirm, etwa doppelt solange wie die Deutschen. Nirgendwo sonst auf der Welt treten so viele Sender gegeneinander an - fast ausschließlich kommerzielle. Hier wird mit jährlich weit über 60 Milliarden Dollar der weltweit größte Werbekuchen verteilt. Naheliegend, dass die Quotenmessung hier erfunden wurde - von Arthur Nielsen. Heute arbeiten in Oldsmar, Florida gut 2.000 Menschen an der Quotenmessung und -auswertung. Die Nielsen TV-Forschung gibt es bereits seit 1950. Aber anders als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es in den USA nicht die eine Einschaltquote. Neben Marktführer Nielsen ermitteln weitere Anbieter TV-Ratings.

Sendedaten
21.08.2014, 20.15 Uhr

Erstsendung: 09.01.2014
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