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Lobbyarbeit für ein Riesengeschäft
Thema zur Sendung "Homöopathie - Heilung oder Humbug?"
Ob wirksam oder nicht. Sicher ist, dass die Produzenten von homöopathischen Mitteln mittlerweile Millionenumsätze erzielen. Führender Hersteller in Deutschland ist die DHU, die Deutsche Homöopathie Union in Karlsruhe.
Rund 400 Mitarbeiter erwirtschaften hier jährlich einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro. Dreharbeiten bei der DHU wurden uns nicht erlaubt.

Edzard Ernst:
"Wenn sie überlegen, wie viel Kosten investiert werden müssen, um ein Medikament auf den Markt zu bringen. Das sind Millionen, Milliarden heutzutage - und Homöopathika werden einfach aufgeschüttelt, verdünnt und auf den Markt gebracht. Das kostete nichts und wird teuer verkauft."

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Die Homöopathie-Industrie wächst und lernt offenbar von den Methoden der konventionellen Pharmaindustrie, etwa in der Lobbyarbeit. So finanzierten führende Hersteller die Internetseite CAM Media Watch. Eine Seite, die Homöopathiekritiker mitunter heftig angreift. Und der europäische Homöopathie-Verband Echamp brüstet sich mit den guten politischen Zugängen auf europäischer Ebene.

Cornelia Bajic ist Vorsitzende des Verbandes der homöopathischen Ärzte in Deutschland und macht auch Lobbyarbeit. Heute trifft sie die Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens Barbara Steffens und wirbt für die Belange der Homöopathie.

Cornelia Bajic, Ärztin und Homöopathin:
"Wir möchten natürlich auch eine stärkere Repräsentanz der Homöopathie im Gesundheitssystem erreichen. Ganz klar. Weil wir ja sind davon felsenfest überzeugt, dass die Homöopathie da sehr viel leisten kann zu aller Vorteil."

Jeder Vierte ist überzeugter Anwender
Bei Barbara Steffens trifft Cornelia Bajic auf offene Ohren. Die Ministerin ist der alternativen Therapieform gegenüber aufgeschlossen.

Barbara Steffens, Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalen:
"Also erstens, ich bin überzeugt davon, dass es wirkt, ja, und dass es individuell in vielen Fällen einfach das beste Mittel ist oder der beste Weg ist, um die Selbstheilung der Menschen zu aktivieren. Das zweite ist einfach, dass ich es anmaßend finde, wenn irgendwer meint, dass man naturwissenschaftlich den Menschen Krankheitsprozesse und Genesungsprozesse mal eben so einfach erklären könnte."

Fakt ist: Die Homöopathie ist beliebt. Jeder Vierte ist überzeugter Anwender. Auch deshalb bieten mittlerweile viele Krankenkassen - auch gesetzliche - Kostenübernahmen bei homöopathischen Behandlungen an.

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Jürgen Windeler, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen:
"Das ist nicht sinnvoll. Das hat mit angemessener medizinischer Versorgung nichts zu tun. Krankenkassen sind Unternehmen. Krankenkassen stehen im Wettbewerb. Krankenkassen müssen sich wie alle Unternehmen ein Stück weit nach ihren Kunden richten und danach, was ihre Kunden gerne haben möchten. Und wenn dann Kunden den Wunsch äußern, in größerem Stil Homöopathika oder andere sogenannte alternativ medizinische Maßnahmen nutzen zu wollen, dann werden sich Krankenkassen darauf einstellen. Genauso wie Ärzte sich darauf einstellen, das anzubieten."

Edzard Ernst:
"Wenn wir ein wirklich effektives Mittel, darunter verstehe ich ein Mittel, was über Placebo hinaus wirksam ist, dem Patienten verabreichen und wenn wir das mit Empathie, Zeit und Verständnis tun. Dann vermitteln wir dem Patienten sowohl ein Placebo-Effekt, wie einen spezifischen Effekt. Das heißt, wenn wir nur ein Placebo verabreichen, also nur ein homöopathisches Mittel beispielsweise, dann betrügen wir den Patienten um etwas, was ihm eigentlich gehören sollte, nämlich den spezifischen Effekt einer Therapie."

Sendedaten
01.12.2014, 13.00 Uhr

Erstsendung: 21.03.2013
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