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Langfristiger Blick auf das Phänomen Fettleibigkeit
Thema zur Sendung "Fettleibigkeit vorprogrammiert"
Sind kleine Mengen Fettmacher in der Lage, die Körperfülle ganzer Populationen zu verändern? Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden: umfangreiche Messungen. Studien mit Hunderttausenden von Menschen werden nun durchgeführt. Und die Zahl der verdächtigen Chemikalien wird immer länger.
So ist auch ein Stoff im Verdacht, der in Natur vorkommt: Nikotin. Obwohl Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchen, bei Geburt untergewichtig sind, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder später unter Übergewicht leiden. Der Körper versucht offenbar, das fehlende Gewicht wieder aufzuholen. Alison Holloway hat Versuche an Ratten durchgeführt, die das belegen sollen.

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Alison Holloway:
"Wir spritzen ein Milligramm Nikotin pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das resultierende Cotininniveau, dem wichtigsten Stoffwechselprodukt von Nikotin, entspricht einem gemäßigten Raucher. Die Ratten werden schwerer und das deckt sich mit den Ergebnissen anderer Labore, die mit Nikotin arbeiten. Unsere Daten zeigen, dass Nikotin direkt auf die Beta-Zellen, in der Bauchspeicheldrüse wirkt, die Insulin produzieren."

Zuverlässige Ergebnisse erst in Jahren
Und das stört das Hormonsystem. Etwa 20 Chemikalien stehen im Verdacht, Fettmacher zu sein. Sie kommen in Hunderten von Alltagsartikeln vor. Man findet sie auf Zeitschriftenumschlägen, in Haarpflegeprodukten, in Teppichen und Kaffeebechern. Amerikanische Wissenschaftler beobachten in einer groß angelegten Studie über viele Jahre den Gesundheitszustand zahlloser Probanden. Dies ist der einzig sichere Weg, zuverlässige Ergebnisse beim Menschen zu bekommen. Momentan begleitet die Untersuchung nur Kinder bis zum Alter von sechs Monaten. Aber die Leiter der Studie hoffen, dass sie den Zeitraum schon bald bis auf ein Alter von mindestens sechs Jahren ausweiten können.

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In Europa läuft seit dem Jahr 2009 eine Studie, die noch langfristiger angelegt ist. Hier werden die Kinder bis zum Alter von 8 Jahren untersucht. Die Studie namens Obelix befasst sich mit den Auswirkungen solcher Stoffe auf das frühkindliche Leben. Sie läuft bis Mai 2013, wenigstens 800 Kinder aus vier verschiedenen europäischen Ländern sind daran beteiligt. Auch in Europa wird Fettleibigkeit in praktisch jedem Land zum Problem. Mit Hilfe von Obelix sollen die Ursachen erforscht werden. Auch das relativ neue Feld der Epigenetik ist Teil der Studie. Die Epigenetik beschreibt, wie identische Gene in unterschiedlichen Menschen verschieden arbeiten.

Prof. Juliette Legler:
"Unsere DNA mutiert nicht durch diese Chemikalien, aber die Art, wie die DNA ausgelesen wird und somit die Proteine, die in der Folge entstehen, verändern sich durch diese Chemikalien."

Chemikalien können dafür sorgen, dass Gene anders arbeiten. Große Auswirkungen hat das während der schnellen Entwicklung des Fötus im Mutterleib. Und diese Wirkung verstärkt sich möglicherweise von Generation zu Generation.

Dr. Merete Eggesbo:
"Ich glaube wir haben uns das Thema Fettleibigkeit immer zu einfach gemacht. Für mich sieht es so aus, als sei es doch deutlich komplizierter als Kalorienzählen."

Sendedaten
16.04.2014, 17.45 Uhr

Erstsendung: 14.02.2013
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