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Zufallsbefund Fettleibigkeit
Thema zur Sendung "Fettleibigkeit vorprogrammiert"
In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Fettleibigen verdoppelt. Das durchschnittliche Gewicht von Babies in unserem Kulturkreis steigt. Im Jahr 1999 bemerkten Reproduktions-Wissenschafter unabhängig voneinander eine interessante Nebenwirkung: ihre Labortiere wurden immer fetter.
1998 startete Paula Baillie-Hamilton ein kleines privates Forschungsprojekt.

Dr. Paula Baillie-Hamilton:
"Nach der Geburt meines zweites Kindes hatte ich Probleme mit meinem Gewicht und wollte nicht länger die Klamotten meines Mannes tragen, seine Jeans und so. Ich hab alles ausprobiert, nichts hat funktioniert."

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Baillie-Hamilton vergrub sich in Büchern. Und sie fragte sich, ob chemische Stoffe in der Umwelt etwas mit ihrem Gewichtsproblem zu tun haben könnten. Während sich Baillie-Hamilton auf der Suche nach Hinweisen über Gewichtsveränderungen durch wissenschaftliche Veröffentlichungen über Umweltchemikalien arbeitete, bekam eine Wissenschaftlerin in North Carolina ein Problem mit ihren Labormäusen.

Retha Newbold untersuchte eigentlich Veränderungen in der Fortpflanzung durch ein synthetisches Östrogen - ein Ersatzhormon. Aber die mit dem Hormon behandelten Mäuse wurden vor allem eines: fett. Etwa zur selben Zeit untersuchte ein Biologe in Kalifornien die Auswirkungen des Zellgiftes Tributylzinn - TBT - auf Meeresorganismen. Bruce Blumberg fand heraus, dass TBT das Wachstum von Fettzellen beeinflusst. Zur gleichen Zeit untersuchte der Endokrinologe Fred Vom Saal an der Universität Missouri Bisphenol A, einen weit verbreiteten Stoff, der bei der Herstellung von Kunststoffen eine große Rolle spielt. Seine Labormäuse wurden immer dicker.

Hormonaktive Substanzen
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Drei verschiedene Wissenschaftler, drei unterschiedliche Studien, drei Zufallsbefunde von Fettleibigkeit. Auf den ersten Blick sehr merkwürdig, denn es handelt sich um sehr unterschiedliche Chemikalien. Doch diese drei haben eine Gemeinsamkeit: sie können das endokrine System - unseren Hormonhaushalt - stören. Deshalb bezeichnet man solche hormonaktive Substanzen auch als endokrine Disruptoren. Sie gauckeln den Rezeptoren des Hormonsystems vor, sie seien natürliche Hormone.

Die drei Wissenschaftler mit den fetten Labortieren arbeiteten an Studien zu Krebs oder Fortpflanzungsproblemen. Nicht aber Paula Baillie-Hamilton - sie interessierte sich nur für die Gewichtszunahme. Sie fand heraus, dass sich die meisten Wissenschaftler bei Umweltgiften nur für den Gewichtsverlust interessieren. Eine Gewichtszunahme wird kaum erwähnt. Gewichtsverlust gilt als ein Zeichen für Toxizität, Gewichtszunahme ist eher etwas Positives.

2002 veröffentlichte Baillie-Hamilton ihre Ergebnisse in einer Zeitschrift. Ihr Artikel findet Anklang bei Experten in aller Welt. Retha Newbold wurde neugierig. Sie entwickelt eine Studie, um genau herauszufinden, warum ihre Mäuse fett werden. Jerry Heindel erwähnt in einem seiner Artikel auf die Arbeit von Baillie-Hamilton. Und Bruce Blumberg in Kalifornien stolpert darüber, liest Baillie-Hamiltons Artikel und erinnert sich an seine dicken Frösche.

Wenn ein Umwelthormon bei Versuchstieren schon vor der Geburt Geschlechtsorgane umprogrammiert, was könnte es beim Menschen anrichten?

Sendedaten
16.04.2014, 17.45 Uhr

Erstsendung: 14.02.2013
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