Lupe
Die Zensur unterlaufen
Thema zur Sendung "Freiheit fürs Internet"
Meinungsmonopole sind Gift für die Demokratie. Wissenschaftler und Computerfreaks erforschen deshalb immer neue Methoden, staatliche Zensur zu umgehen und die kontrollierten Informationsstrukturen totalitärer Regime zu unterlaufen.
Dazu benutzen sie die Infrastruktur demokratischer Staaten. Auch die der Universität Michigan. Eine von Alex Halderman mitentwickelte Technik erlaubt es, große Teile des freien Internets zu anonymisieren. Mit dem neuen Anti-Zensur-Werkzeug Telex wollen US-Forscher Internet-Sperren in China und anderswo zuverlässig umgehen. Als Versteck dient notfalls das ganze Internet. Wie sieht Internetzensur überhaupt aus? Haldermans Doktorand Eric Wustrow zeigt ein Beispiel.

Eric Wustrow:
„Wir simulieren einen Browser in China. Wenn wir versuchen Youtube zu erreichen, eine Webseite die in China gesperrt ist, dann wird die Verbindung zurückgesetzt. Wenn wir diese Zensur umgehen möchten, können wir Telex benutzen.“

Der Zensor bekommt nichts mit
In China wird Telex schon unter der Hand verbreitet. Eine Telex-App muss auf dem Computer installiert werden. Wird die Verbindung zu verbotenen Seiten gewünscht, kennzeichnet Telex diesen Wunsch verschlüsselt und verbindet den Computer erst einmal mit einer erlaubten Webseite. Weil die Verbindung für den Zensor normal aussieht, lässt er diese auch zu. Doch schon hinter der Grenze des Zensors, könnten die Internet Service Provider, die Telex-Filter-Software installiert haben, die markierten Datenpakete herausfischen und wiederum verschlüsselt zu verbotenen Webseiten weiterleiten. Der Zensor bekommt von alledem nichts mit. Kein Wunder, dass sich die Hackerangriffe aus China an der Universität Michigan häufen.

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J. Alex Halderman:
„Das Entscheidende an dieser Technologie ist, dass wir einen Weg gefunden haben die Verbindungen so zu verschleiern, dass ein Zensor sie garantiert nicht von erlaubten Verbindungen unterscheiden kann. Sie können die Verbindungen zu Telex nicht von Verbindungen zu anderen wichtigen Webseiten, die sie nicht zensieren möchten, unterscheiden. Das können Banken sein, große Unternehmen oder die Webseiten ausländischer Botschaften. Unsere Verschleierung macht diese Unterscheidung unmöglich, wenn der Nutzer auf seinem Gerät auch Telex nutzt. Das macht die Entscheidung, ob ich ein Land wie China, den Iran oder Syrien an das Internet anschließe, zu einer Alles- oder-Nichts Entscheidung: Entweder ich bleibe am Netz und nehme in Kauf, dass meine Bürger alles sehen und lesen können, was sie wollen, oder ich muss den Internet-Stecker komplett ziehen. Doch dann gibt es weder die wirtschaftlichen, sozialen noch die persönlichen Vorteile, die das Internet bietet.“

Das Ganze funktioniert über die Internet-Server der Universität Michigan in Millisekunden. Die Computerwissenschaftler sind ihre eigenen Internet-Service Provider. Hier läuft Telex ohne Probleme. Doch damit diese Anti-Zensur-Software auch wirklich funktionieren kann, ist die Kooperation von kommerziellen Internet Service Providern in demokratischen Ländern notwendig. Wenn man der Internetzensur wirklich wirkungsvoll begegnen will, müssen die großen privatwirtschaftlich organisierten Knotenpunkte Telex weltweit installieren. Doch diese Diskussion hat noch nicht einmal richtig begonnen.

Sendedaten
24.01.2013, 20.15 Uhr

Erstsendung: 12.07.2012
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