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Mit Technik und Know-how gegen Zensur und Kontrolle
Thema zur Sendung "Freiheit fürs Internet"
Wie wichtig ist ein freies Internet als Waffe gegen totalitäre Regime wirklich? Menschenrechte haben in der amerikanischen Machtpolitik nicht immer Beachtung gefunden. Lange konnten sich Diktatoren auf die amerikanische "Schutzmacht" verlassen. Das ändert sich nun.
70 Millionen Dollar hat die Obama-Administration bis heute in die Entwicklung neuer Technologien investiert, mit denen Zensur, Mobilfunk- und Internetsperren umgangen werden können. Das Geld fließt zum einen in wissenschaftliche Forschungsprojekte, zum anderen in die „Freiheitstechnologiebewegung“, in der Computer-Hacker weltweit bereits Aktivisten im Iran, in Syrien und Afghanistan unterstützen. Die Schaltzentrale all dieser Bemühungen liegt im US-Außenministerium. Ben Scott ist der persönliche Berater von Hillary Clinton, zuständig für innovative Technologien. Er ist bestens mit den „Schattennetzwerken“ vertraut, die eine Internetzensur unterlaufen sollen.

Mit der Kreativität junger Revolutionäre
Auch in Ägypten versucht Hosni Mubarak auf dem Höhepunkt der Revolution im Januar 2011 die Opposition durch die Abschaltung des Internets und der Handynetzwerke zum Schweigen zu bringen. Das ägyptische Regime will so verhindern, dass sich die jungen Leute organisieren und mobilisieren. Videos, auf denen Polizeigewalt, Wahlfälschung und Anti-Regierungsproteste zu sehen sind, sollen verschwinden. Ganze vier Tage lang war Ägypten offline. Doch der alte Pharao hatte nicht mit der Kreativität der jungen Revolutionäre gerechnet.

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Ashraf Fahmy:
„Wir haben die Telefonnummern ausgetauscht, mit denen man sich über ein Telefonmodem ins Internet einwählen konnte. Historische Dinger mit 36 oder 52 Kilobites pro Sekunde. Lächerliche Geschwindigkeiten, aber es funktionierte. Die Leute blieben in Kontakt, wir besprachen das Wo, Wann und Warum. Die Menschen haben sich untereinander geholfen, weil es unser historischer Moment war. Wenn wir heute zurückblicken verstehen wir, dass diese Revolution zum besten gehört was wir in unserem Leben gemacht haben. Unsere Eltern hätten niemals daran geglaubt. Sie dachen es wäre unmöglich, aber wir haben es trotzdem geschafft.“

Die Regierung in Washington ist von der zersetzenden Kraft der freien Kommunikation überzeugt. Deshalb fördert das US-Außenministerium die Entwicklung einer neuen Internet-Technologie. Sie soll leicht beweglich und von außen weder abzustellen noch zu kontrollieren sein. Das Ziel: Aktivisten der Zivilgesellschaft, Blogger und Demonstranten sollen überall auf der Welt mit einem Internetkit schnell in die Lage versetzt werden, ein paralleles Kommunikationsnetzwerk aufzubauen.

Parallel-Netzwerk über den Dächern Wiens
In Österreich haben Aaron Kaplan und seine Mitstreiter die Technik und die Software handelsüblicher WLAN-Router aufgebohrt und für ihre Zwecke optimiert. Ihr Motto: „Wir sind das Netz“. Ursprünglich wollten die technikbesessenen Österreicher einfach nur wenig bis nichts für ihre Internetverbindung bezahlen. Aber auch das Monopolgehabe und die Kontrollmöglichkeiten - inklusive Vorratsdatenspeicherung - großer Internetprovider ging den Hobby-Anarchisten gehörig gegen den Strich. Mit viel Enthusiasmus und Knowhow haben sie es heute geschafft, unabhängig von großen Internet-Providern ein Parallel-Netzwerk aufzubauen. Dach für Dach, Knoten für Knoten wächst es weiter.

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Aaron Kaplan:
„Ein Node ist bei uns quasi ein Dach, ein Standort. Auf dem Node hängen mehrere Geräte dran, mehrere Antennen, wenn man so will. Und auf diesen kleinen Geräten rennt ein eigenes Linux drauf das wir mitentwickeln, das wir verbessern, wo wir auch unser Mesh-Protokoll draufladen, und dieses Mesh-Protokoll erzeugt quasi so ein Maschen-Netzwerk zwischen den Knoten. Sprich wenn ein Knoten ausfällt, dann lernt dieses Maschenprotokoll, dieses Mesh-Protokoll automatisch über welche andere Knoten die beste Verbindung zum Internet ist. Und das ist dynamisch. Das heißt das passt sich jede Sekunde an. Das Netzt lernt jede Sekunde im Prinzip wo ich wie am Besten ins Internet komme. Welche Route gerade am Besten ist.“

Mittlerweile haben sie 200 Dächer in Wien mit über 600 Knotenpunkten vernetzt. Die Mesh-Software läuft selbst auf Smartphones im WLAN-Modus. Damit lassen sich schnell und unkompliziert mobile Netzwerke erschaffen. Eine weltweite Gemeinde von Entwicklern arbeitet so freiwillig an der Grundlage für ein „Schattennetzwerk“. Technisch stabil, zuverlässig, verschlüsselbar und deshalb kaum zu kontrollieren. Ein Horror für jeden Überwachungsstaat.

Sendedaten
24.01.2013, 20.15 Uhr

Erstsendung: 12.07.2012
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