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Die Facebook-Revolution in Ägypten
Thema zur Sendung "Freiheit fürs Internet"
In Ägypten herrschte 30 Jahre lang das Unrechtsregime von Hosni Mubarak. Die Wirtschaft des Landes liegt am Boden, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau und die Jugend hat kaum Perspektiven. Seit Anfang 2011 kämpft ein beachtlicher Teil der Bevölkerung um Freiheit und Demokratie.
Im Widerstand gegen die Unterdrücker spielen Mobiltelefone und das Internet eine große Rolle. Soziale Netzwerke mobilisieren den Protest auf Straßen und Plätzen. Im Geheimen wird ein erbitterter Kampf um den Zugang zu Informationen geführt. Ein technisches Wettrüsten zwischen Freiheitsanhängern und Unterdrückern findet statt. Nur wer sich informieren kann, weiß Bescheid. Nur wer sich äußern kann, wird gehört.

40 Prozent der Menschen können nicht lesen
Karim El-Gawhary berichtet seit Jahren für das österreichische Fernsehen und deutsche Zeitungen über die arabische Welt. Der deutsch-Ägypter kennt die Rolle, die Facebook und das Internet beim arabischen Volksaufstand gespielt haben. Obwohl in Ägypten etwa 40 Prozent der Menschen weder lesen noch schreiben können und noch viel weniger überhaupt einen Zugang zum Internet haben, wird die "Arabellion" vor allem im Westen auch "Facebook-Revolution" genannt.

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Karim El-Gawhary:
"Wir haben ja hier in Ägypten mehr Facebooknutzer als Tageszeitungsleser. Und ich kann mich erinnern, ich bin damals mit den Bloggern zusammengesessen im Herbst und die Frage, wie übersetzt man dieses iLike sozusagen auf die Straße, also mit „Gefällt mir“ auf Facebook stürze ich kein Regime. Und dann wurde es eine Art angekündigte Revolution. Am 25. Januar fangen wir an, hieße es auf Facebook und Internet. Es kamen dann tatsächlich auch mehrere Tausend Leute, also die kritische Masse wurde dann auf dem Tahrir-Platz relativ schnell überboten, war ein unheimlich aufregender Moment, da am 25. Januar, das die Menschen einfach ihre Angst verloren haben. Dass die Jugendlichen auf diese Polizeiketten zugestürzt sind. Und was wirklich noch aufregender war, das die Polizisten auch noch davongelaufen sind."

Freie Wahlen bedeuten nicht den Sieg der Menschenrechte
Kommunikation in unabhängigen Netzwerken wäre für die Menschen in Ägypten Gold wert - und bitter nötig. Denn freie Wahlen bedeuten nicht zwangsläufig den Sieg der Menschenrechte. Das im November 2011 frei gewählte Parlament - es siegten die Islamisten mit großer Mehrheit - ist vom Militärrat schon wieder aufgelöst worden. Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Kandidatenaufstellung erklärte das Verfassungsgericht die Parlamentswahl für ungültig. Nun kann sich Karim El-Gawhary mit seinem Team bei der Wahlkommission davon überzeugen, dass bei der Präsidentschaftswahl im Mai und Juni 2012 alles mit rechten Dingen zugehen soll.

Online sollen die Bürger Unregelmäßigkeiten melden und dabei helfen Betrug aufzudecken. Eine Beschwerdestelle ist eingerichtet. Ein absolutes Novum in der arabischen Welt. Karim El-Gawhary und sein Kameramann sind das erste Fernsehteam, das die offizielle Beschwerdestelle besuchen darf. Den Pharao kritisieren? Sich sogar beschweren? Das gab es noch nie. Es gibt viel zu tun auf dem Weg zur Demokratie.

Sendedaten
24.01.2013, 20.15 Uhr

Erstsendung: 12.07.2012
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