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Die Macht der Musik
Thema zur Sendung "Musik - Feuerwerk im Gehirn"
Das Gehirn kann aus geringsten Informationsmengen die Illusion eines ganzen Klangkosmos erzeugen. Und das ist auch der Schlüssel zum Verständnis des Hörens. Fast jeder hat sich durch Musik schon einmal in den Bann ziehen lassen. Und doch hat es bislang niemand geschafft, diese fast geheimnisvolle Wirkung zufriedenstellend zu erklären.
Oliver Sacks, Neurologe, Columbia Universität:
"Musik kann uns auf vielerlei Weise beeinflussen. Manchmal beruhigt sie uns, manchmal treibt sie uns an. Musik in einer Kirche macht uns ehrfürchtig. In einer Disko werden wir ausgelassen und ekstatisch. Musik spielt auf der ganzen Klaviatur der Gefühle, Einschließlich der Gefühle, die wir nicht mal benennen können."

Sprache und Musik untrennbar verbunden
Die Wissenschaft untersucht die Macht der Musik erst seit einigen Jahrzehnten und vieles ist noch immer ein Rätsel. So ist nach wie vor unklar, ob die Musik zusammen mit der Sprache entstanden ist, oder ob sie sich selbständig entwickelte. Doch niemand bezweifelt, dass Sprache und Musik untrennbar miteinander verbunden sind.

Lupe
Steven Pinker, Psychologe:
"Die menschliche Sprache selbst hat eine große Bandbreite verschiedener Resonanzen und Harmonien. Es gibt nur wenige Geräusche um uns herum, die solche Harmonien aufweisen. Eine Theorie besagt, dass das Gehör so auf musikalische Harmonien reagiert, weil wir den ganzen Tag nichts anderes machen, als die harmonische Zusammensetzung der Sprache zu analysieren."

Daniel Levitin, Neurowissenschaftler, McGill Universität:
"Anders ausgedrückt, man fühlt, was jemand sagt, auch ohne Worte. “wawawa?“ ist eine Frage, “rarara!” ein ärgerlicher Ausruf. Da ist dieser Tonhöhenverlauf, in der Linguistik nennen wir das Satzrhythmus, er teilt uns etwas über den Inhalt des Gesprochenen mit, ohne die wirkliche Bedeutung der Wörter."

Musik kann Empathie erzeugen
Welche Bedeutung der Satzrhythmus für die Sprache auch haben mag, Musik hat ohne Zweifel eine Art Eigenleben entwickelt. Man kann das sogar am Aufbau des Gehirns erkennen.

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Daniel Levitin, Neurowissenschaftler, McGill Universität:
"Wir wollten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Musik und gesprochener Sprache verstehen. In einer unserer jüngsten Studien haben wir Bereiche gefunden, die überlappen, aber auch Bereiche, die getrennt sind. Es gibt also Bereiche im Gehirn die beides verarbeiten, Sprache und Musik, aber auch Bereiche, die nur für das eine oder das andere da sind."

Doch das alles erklärt noch immer nicht, weshalb Musik für uns so wichtig ist. Einige Wissenschaftler glauben, dass unsere Vorfahren den Vorteil der Zusammenarbeit erkannten. Gemeinschaft braucht Empathie, und Musik kann Empathie im höchsten Maße erzeugen.

Oliver Sacks, Neurologe:
"Musik zeigt uns unseren eigenen Gefühlszustand. Und sie ist zugleich ein enormer Bindungsfaktor. Die Menschen singen zusammen, sie tanzen zusammen und sie tun das vielleicht seit dem Anbeginn unserer Art. Rhythmus im Speziellen und Musik im Allgemeinen halten die Leute zusammen."

Der Rhythmus ist so wichtig für das Hören von Musik, dass sich dieser Baustein wahrscheinlich als erstes entwickelte. In der Natur existiert Musik, so wie wir sie wahrnehmen nicht. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass andere Lebewesen auf Musik ähnlich reagieren wie der Mensch. Und doch ist sie nur ein Produkt unseres erstaunlichen Gehirns. Ein Geschenk unserer Ohren.

Sendedaten
05.07.2012, 20.15 Uhr
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