Lupe
Eine gefällige Geräuschkulisse
Thema zur Sendung "Musik - Feuerwerk im Gehirn"
Wir wissen nicht genau wann und warum Musik entstanden ist. Aber wir können zeigen, dass Musik hören und Musik machen unser gesamtes Gehirn in Anspruch nimmt. Wie alle Sinne, hat sich das Hören im Laufe der Evolution wahrscheinlich entwickelt, weil es unser Überleben sicherte.
Der Hörsinn wird im Mutterleib gleich nach dem Tastsinn gebildet. Lange vor der Geburt können wir unsere Mutter hören und treten so mit ihr besonders innig in Kontakt. Das menschliche Gehör ist das eines erfolgreichen Jägers. In den dichten Urwäldern unserer Ahnen waren die Augen nur von begrenztem Nutzen. Unser Gehör half uns versteckte Beute zu finden. Es warnte uns vor Feinden, bevor wir sie sehen konnten. Mit den Ohren können wir uns orientieren und Dinge wahrnehmen, die um uns herum passieren, ohne dass wir sie sehen.

Wir können unsere Ohren nicht schließen
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Die Jäger und Sammler, von denen wir abstammen, überlebten, weil sie lauschten, was um sie herum geschah. Heutzutage versuchen wir die Geräusche unserer Umwelt möglichst auszublenden. Da wir unsere Ohren nicht wie die Augen schließen können, verdrängen wir den Lärm, indem wir eine andere Geräuschkulisse drüberlegen, die fast jedem von uns in der einen oder anderen Form gefällt: Musik

Um Musik aufnehmen zu können, benötigen wir eine Umgebung, die selten geworden ist, in unserer an Lärm so reichen Welt: Einen Raum mit absoluter Stille. Daniel Levitin ist im Hauptberuf Neuropsychologe. Er lehrt und forscht an der McGill Universität in Montreal. Sein Spezialgebiet: Musik und ihre Auswirkungen auf das Gehirn. Früher war er Rockmusiker.

Daniel Levitin, Neurowissenschaftler:
"Ich hab in einer Reihe von Rockbands gespielt, die sich alle aus ähnlichen Gründen trennten: Drogen, Kämpfe um Arrangements, um Frauen. Und irgendwann, als sich wieder eine Band aufgelöst hat, hab ich beschlossen, dass ich keine Lust mehr habe, mich immer wieder hochzukämpfen. Also bin ich in die Produktion gewechselt. Ich habe dann im Studio angefangen, andere Künstler aufzunehmen."

Das Hören entsteht erst im Gehirn
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Er arbeitete mit Legenden wie Stevie Wonder und den Grateful Dead, bevor er sich der Psychologie zuwandte. Heute arbeitet er mit der Physikerin Diane Nalini. Sie nimmt gerade Songs mit Texten von William Shakespeare auf. Man muss nicht Psychologie studieren um Musik zu lieben. Aber dem musikalischen Wissenschaftler drängt sich schon die Frage auf, warum mag ich eigentlich Musik?

Oliver Sacks, Neurologe:
"Von allen Künsten ist Musik diejenige, die am unergründlichsten ist. Sie kann einen mit Haut und Haaren packen, trotzdem lässt sich nichts verallgemeinern. Es gibt keine festen Symbole wie in der Sprache, Sie ist nicht darstellend wie ein Gemälde. Man kann nicht sagen worum es in der Musik geht, außer um einen Gemütszustand, eine Sache des Herzens."

Was mit Schallwellen passiert, sobald sie sich im Gehirn als neuronale Impulse ausbreiten, ist für die Wissenschaft noch immer ein großes Mysterium. Eines ist sicher: das Hören in all seinen wunderbaren Formen entsteht erst im Gehirn. Taubheit dagegen beginnt schon im Ohr, beim elektromechanischen Prozess, der den Lärm der Welt in unseren Kopf lässt.

Blake Papsin, HNO, Universität Toronto Kanada:
"Tonwellen breiten sich von der Ohrmuschel durch den Gehörgang zum Trommelfell aus. Das Trommelfell vibriert dann. Der Druck ist auf beiden Seiten des Trommelfells derselbe. Deshalb kann es diese Vibrationen über drei winzige Knochen an das Innenohr bzw. Cochlea weiterleiten. Dort werden aus Luftvibrationen Bewegungen in einer Flüssigkeit. Diese biegen feinste Haarchen und lösen dabei Nervenimpulse aus, die zum Gehirn wandern. Das Gehirn kann diese kleinsten Bewegungen entschlüsseln und macht daraus den Klang, den wir in diesem Moment wahrnehmen."

Sendedaten
05.07.2012, 20.15 Uhr
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